Kippa-Träger in Marseille | Bildquelle: picture alliance / maxppp

Nach Angriff auf Juden in Marseille Kippa-Debatte - Israels Großrabbiner schaltet sich ein

Stand: 14.01.2016 10:56 Uhr

Nach der Messerattacke auf einen jüdischen Lehrer in Marseille hat sich jetzt Israels Großrabbiner Lau in die Kippa-Debatte eingeschaltet. Laut AFP kritisierte er Aufrufe, aus Angst vor antisemitischen Anriffen auf das Tragen der Kippa zu verzichten.

Nach dem Macheten-Angriff auf einen jüdischen Lehrer im südfranzösischen Marseille hat sich der israelische Großrabbiner David Lau gegen Aufrufe gewandt, die Kippa aus Angst vor antisemitischen Angriffen nicht mehr zu tragen. Allein die Tatsache, dass es solche Stimmen gebe, zeige, dass die Lage "völlig unerträglich" geworden sei, sagte Lau laut einer Erklärung in Jerusalem.

Der Großrabbiner forderte die europäischen Länder der Erklärung zufolge auf, für die Sicherheit der Juden in Europa zu sorgen. Er brachte auch seine Unterstützung für Frankreichs Großrabbiner Haïm Korsia und weitere jüdische Vertreter in Frankreich zum Ausdruck, die sich eindringlich dagegen gewandt hatten, auf die Kippa zu verzichten.

Der Vorsitzende des sogenannten israelitischen Konsistoriums in Marseille, Zvi Ammar, hatte die Debatte am Dienstag ausgelöst. Er rief die Juden in Marseille auf, die jüdische Kopfbedeckung vorerst nicht mehr zu tragen. Juden müssten sich derzeit "ein bisschen verstecken".

Die Attacke eines 15-jährigen türkischen Schülers auf einen jüdischen Lehrer in Marseille hatte am Montag für Entsetzen gesorgt. Er verletzte den 35-Jährigen, der eine Kippa trug, auf offener Straße mit einer Machete. Der Lehrer trug nur leichte Verletzungen davon, weil die Machete stumpf war. Nach seiner Festnahme erklärte der Schüler, "im Namen Allahs" gehandelt zu haben. Er berief sich auf die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS).

Terroranklage gegen Jugendlichen

Ein Richter leitete jetzt ein Strafverfahren gegen den tatverdächtigen Jugendlichen ein. Dem Teenager werde "versuchter Mord in Verbindung mit einer Terrororganisation" vorgeworfen, gab die Anti-Terror-Abteilung im Büro der Staatsanwaltschaft in Paris bekannt.

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