Eine Mutter in Indien geht mit ihren zwei Kindern zu einer Latrine.  | Bildquelle: dpa

UNICEF-Studie zu Kindersterblichkeit Millenniumsziel verpasst

Stand: 09.09.2015 04:52 Uhr

Es war eines der Millenniumziele der Vereinten Nationen: Die Kindersterblichkeit gegenüber dem Jahr 1990 bis 2015 um zwei Drittel zu reduzieren. Das hat nicht geklappt. In diesem Jahr werden 5,9 Millionen Kinder auf der Welt sterben. Neue Ziele sind in Arbeit.

Trotz Erfolgen der letzten Jahre sterben noch immer jedes Jahr 5,9 Millionen Mädchen und Jungen vor ihrem fünften Geburtstag, wie das UN-Kinderhilfswerk am Mittwoch in Köln und New York mitteilte. 45 Prozent der Todesfälle ereignen sich bereits im ersten Lebensmonat. In fast der Hälfte aller Fälle ist Mangelernährung für den Tod der Kinder mitverantwortlich.

Immerhin sei es gelungen, die Kindersterblichkeit von 12,7 Millionen Kindern unter fünf Jahren im Jahr 1990 zu halbieren und erstmals unter sechs Millionen zu senken, schreibt UNICEF in seinem neuen Bericht "A Promise Renewed" ("Ein erneuertes Versprechen"). Das UN-Millenniumsziel, die Kindersterblichkeit bis 2015 um zwei Drittel zu reduzieren, wurde damit jedoch verfehlt.

Kindersterblichkeit sinkt um mehr als die Hälfte
ARD-Morgenmagazin, 09.09.2015, Daniel Hechler, ARD Genf

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Impfungen, sauberes Wasser, Medikamente

Seit der Jahrtausendwende hätten weltweite Anstrengungen dazu beigetragen, dass sich die Situation auch in den ärmsten Ländern verbessert. Auf diese Weise sei seit dem Jahr 2000 das Leben von 48 Millionen Kindern gerettet worden. Dies wurde dem Bericht zufolge unter anderem durch flächendeckende Impfungen, besseren Malaria-Schutz, Medikamente gegen eine Übertragung des Aids-Virus von Müttern auf Babys, sauberes Trinkwasser und mehr sanitäre Anlagen erreicht. Die Verbesserungen dürften jedoch nicht den Fakt verschleiern, dass noch heute 16.000 Kinder pro Tag sterben, hieß es in dem Bericht.

Ungleiche Überlebenschancen

Zudem sind die Überlebenschancen der Kinder auf der Welt dem Report zufolge weiter sehr ungleich verteilt. Die größte Last der weltweiten Kindersterblichkeit tragen demnach mit 80 Prozent aller Todesfälle die Länder im südlichen Afrika und in Südasien. Das größte Risiko hat statistisch gesehen ein Kind in Angola, wo jedes sechste Kind seinen fünften Geburtstag nicht erlebt.

Große Unterschiede macht Unicef auch innerhalb der einzelnen Länder und sozialen Gruppen aus. Kinder aus armen Haushalten sterben laut Report fast doppelt so häufig wie Kinder von wohlhabenden Familien, Kinder in ländlichen Gebieten häufiger als Städter.

Neue Ziele in Arbeit

Verantwortlich für den Report sind neben Unicef die Weltgesundheitsorganisation WHO, die Weltbankgruppe und die Bevölkerungsinstitution der Vereinten Nationen. Die Vereinten Nationen hatten im Jahr 2000 acht Entwicklungsziele vereinbart, die sogenannten Millenniumsziele (MDG). Die UN-Vollversammlung will in diesem Monat in New York weitere, nachhaltige Entwicklungsziele (SDG) verabschieden. Angestrebt wird unter anderem, die Kindersterblichkeit bis 2030 in jedem Land der Welt auf unter 25 Todesfälle pro 1000 Lebendgeburten zu senken. Wenn dies gelinge, könnten bis dahin etwa 38 Millionen Kinder gerettet werden, erklärte UNICEF.

Kindersterblichkeit halbiert -Milleniumsziel nicht erreicht
K. Clement, ARD New York
09.09.2015 13:07 Uhr

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