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Trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs sind in Indien noch immer viele Familien auf die Arbeitskraft ihrer Kinder angewiesen. Rund 13 Millionen Minderjährige zwischen fünf und 14 Jahren schuften in Steinbrüchen und Fabriken - bis zu zwölf Stunden am Tag.
Von Sandra Petersmann, ARD-Hörfunkstudio Südasien
Die indische Wirtschaft hat in den vergangenen fünf Jahren unglaubliche Wachstumszahlen von bis zu neun Prozent verbucht. Sogar jetzt, in der globalen Krise, geht die Regierung noch von rund sieben Prozent aus.
Und trotzdem ist die aufstrebende Wirtschafsmacht Indien das Land mit den meisten Kinderarbeitern im Alter zwischen fünf und 14 Jahren: Nach Angaben der Regierung sind es rund 13 Millionen. Sie arbeiten und leben zum Beispiel in Steinbrüchen, um mit einem Hammer aus einem Gesteinsbrocken kleine Kiesel für die Bauindustrie zu machen.
Der kleine Raj Kumar und seine Geschwister kennen nichts anderes. Seinen Job mag er nicht, sagt Kumar: "Aber wenn wir hart arbeiten, verdienen wir Geld für unsere Eltern. Ich arbeite bis es dunkel wird."
Zwischen acht und zehn Euro im Monat für einen Knochenjob. Andere Kinder schuften bis zu zwölf Stunden am Tag, versteckt in der Streichholz- und in der Teppichindustrie. Oder sie arbeiten mit Feuer, Blech und Metall, und stellen in Hinterhöfen Werkzeuge, Schlösser und Schmuck her. Viele Kinder sind Glasbläser.
[Bildunterschrift: Kinderarbeit in Kalkutta (Archivbild) ]
Setzt man die Altersgrenze höher an als 14 Jahre, steigt die Zahl der Kinderarbeiter sogar noch mal rapide an. Hilfsorganisationen sprechen von bis zu 100 Millionen. Und weil die allermeisten Kinder außerhalb der organisierten Wirtschaft arbeiten, ist es schwierig, sie zu erreichen. Sie schuften als Diener in privaten Haushalten. Sie ackern in der Landwirtschaft - entweder für die eigene Familie oder für einen Großgrundbesitzer. Viele Eltern verpfänden ihre Kinder als Arbeitskräfte, um Schulden abzubezahlen.
Ein ganzes Heer von Kindern sammelt Müll wie Rajesh: "Ich hatte nichts zu essen und kein Geld. Da habe ich angefangen, Flaschen zu sammeln. Pro Flasche gibt mir der Müllhändler ein bis zwei Rupien. Davon kaufe ich mir was zu essen." Andere Kinder betteln auf der Straße. Es gibt professionelle Bettlerringe, die Kinder aushungern oder absichtlich verletzten, damit sie mehr Mitleid erregen.
[Bildunterschrift: Ein indisches Kind bei der Arbeit. 300 Millionen Inder leben unter der Armtusgrenze. ]
In Indien existieren seit mehr als 20 Jahren Gesetze gegen Kinderarbeit, und speziell in der Teppichindustrie gibt es auch Fortschritte. Aber grundsätzlich fällt es dem Staat nach wie vor schwer, Verbote durchzusetzen. Rund 300 Millionen Menschen des Milliardenvolkes leben immer noch unterhalb der Armutsgrenze.
Viele Familien sind auf die Arbeit ihrer Kinder angewiesen, um ihr Überleben zu sichern. Den betroffenen Eltern, aber auch den lokalen Behörden, fehlt das Unrechtsbewusstsein.
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