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28.05.2012

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Ausland
Kim Jong Il (Foto: dpa)
Nordkoreanischer Machthaber Kim Jong Il ist tot
Nordkoreaner trauern um Kim Jong Il

Der "Geliebte Führer" stirbt an Herzversagen

Nordkoreas Staatschef Kim Jong Il ist tot. Wie das nordkoreanische Staatsfernsehen meldete, verstarb der 69-Jährige bereits am Samstagmorgen um 08:30 Uhr Ortszeit an Herzversagen. Kim Jong Il galt bereits seit längerer Zeit als gesundheitlich angeschlagen, im Jahr 2008 soll er einen Schlaganfall erlitten haben.

Das Staatsfernsehen unterbrach sein Programm und berichtete in einer Sondersendung vom Tod des "Geliebten Führers", wie Kim sich nennen ließ. Demnach verstarb er während einer Zugfahrt an den Folgen "geistiger und körperlicher Ermüdung". "Es ist der größte Verlust für unsere Partei und der größte Trauerfall für unser Volk", erklärte eine in Schwarz gekleidete Nachrichtensprecherin unter Tränen. Das Land müsse "unsere Traurigkeit nun in Stärke umwandeln und unsere Schwierigkeiten überwinden".

Machterhalt um jeden Preis

Am kommenden Mittwoch sollen die Trauerfeierlichkeiten für den Diktator stattfinden, der das Land seit 1997 hart und weitgehend isoliert geführt hatte. Wenig ist bekannt über den kleinen Mann mit den toupierten Haaren: Während Kim ein extravagantes Leben in Luxus lebte mit Vorliebe für Schauspielerinnen, französischen Cognac und Hollywood-Filme, führte er sein Land an den Abgrund.

Trauer in Nordkorea (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Massentrauer in Pjöngjang: Bilder wie dieses verbreitete das Staatsfernsehen. ]
Allein in den 1990er-Jahren sollen in Nordkorea aufgrund der katastrophalen wirtschaftlichen Lage schätzungsweise zwei Millionen Menschen verhungert sein. Ein Massensterben - auch weil Kim das Ausmaß der Nahrungsmittelknappheit lange verschwiegen hatte.

Kim setzte dagegen lieber auf die Festigung seines Regimes: Etwa 200.000 Menschen, darunter Familien mit Kindern, leben Schätzungen zufolge mittlerweile in Arbeitslagern für politische Häftlinge. Als Abschreckung nach außen trieb er das Atomprogramm des Landes voran. Im Jahr 2006 schreckte er die Welt mit Berichten über den ersten Atomwaffentest Nordkoreas.

Südkoreas Armee in Alarmbereitschaft

Der Tod Kims löste auch Sorgen über Instabilität in der Region aus. Das Nachbarland Südkorea versetzte seine Streitkräfte in höchste Alarmbereitschaft. Die Aktivitäten entlang innerkoreanischen Grenze sind verstärkt worden, wie der Generalstab in Seoul mitteilte. Für Unruhe sorgte kurzzeitig die Nachricht aus Südkorea, wonach Nordkorea offenbar eine Kurzstreckenrakete abgeschossen habe. Das berichtete die südkoreanische Agentur Yonhap unter Berufung auf einen Regierungsvertreter. Es habe jedoch keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Test und der Todesnachricht gegeben.

Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel hatten sich seit dem Untergang eines südkoreanischen Kriegsschiffes im März 2010 und dem Beschuss einer zu Südkorea gehörenden Insel im November desselben Jahres spürbar verschärft. Beide Staaten befinden sich völkerrechtlich seit dem Ende des Korea-Kriegs (1950-53) noch im Kriegszustand.

Japan beruft nationalen Sicherheitsrat ein

Auch Japan reagierte unmittelbar auf die Nachricht vom Tod des Diktators. Ministerpräsident Yoshihiko Noda rief den japanischen Sicherheitsrat ein und wies das Verteidigungsministerium und andere Regierungsstellen an, sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten. Japan stehe mit seiner Schutzmacht USA sowie China und Südkorea bereits in engem Kontakt, wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo meldete.

Aus dem Weißen Haus in Washington hieß es, US-Präsident Barack Obama stehe im engen Kontakt "mit unseren Verbündeten in Südkorea und Japan". Die USA engagierten sich weiterhin für Stabilität auf der koreanischen Halbinsel und "für Freiheit und Sicherheit unserer Verbündeten". China hingegen drückte Nordkorea sein "tiefstes Beileid" aus. Dem nordkoreanischen Volk gelte das "aufrichtige Mitgefühl" seines Landes, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua einen Sprecher des Außenministeriums.

Audio: China blickt mit Sorge nach Nordkorea

AudioRuth Kirchner, ARD-Hörfunkstudio Peking 19.12.2011 13:53 | 2'33
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Sohn zum Nachfolger aufgebaut

Kim Jong Il mit seinem Sohn und designierten Nachfolger Kim Jong Un während einer Militärparade im Oktober 2010 (Foto: dapd) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Kim Jong Il mit seinem Sohn Kim Jong Un während einer Militärparade im Oktober 2010 ]
Wohin sich das Land nach dem Tod Kims entwickeln wird, ist unklar: Sicher scheint, dass Kims Sohn Kim Jong Un die Amtsgeschäfte übernehmen wird. Er soll bereits in den vergangenen Jahren von seinem gesundheitlich angeschlagenen Vater zum Nachfolger aufgebaut worden sein. Bereits im September 2010 war Kim Jong Un in die erweiterte Führungsriege der Arbeiterpartei aufgenommen worden.

Die amtliche Nachrichtenagentur KCNA verkündete wenige Stunden nach der Todesnachricht, dass Kim Jong Un nun "an der Spitze der koreanischen Revolution" stehe. KCNA rief alle Parteimitglieder, Beamten und Bürger auf, der Führung des neuen Staatschefs treu zu folgen.

Beobachtern zufolge wird aber letztlich wohl das Militär die entscheidende Rolle bei der Zukunftsgestaltung Nordkoreas spielen: Aus Sicht vieler Generäle gilt der noch nicht einmal 30-jährige Kim Jong Un als viel zu jung, um die Staatsgeschäfte zu übernehmen.

Audio: Kim tot - Sohn soll folgen

AudioJürgen Hanefeld, ARD-Hörfunkstudio Tokio 19.12.2011 14:03 | 3'02
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Stand: 19.12.2011 16:43 Uhr
 

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