Kim Jong Un  | Bildquelle: AP

Nordkorea-Gipfel Die Erfüllung von Kims Lebenstraum

Stand: 11.06.2018 13:02 Uhr

Auf Augenhöhe mit einem US-Präsidenten - mit dem Gipfel in Singapur könnte Nordkoreas Machthaber Kim gelingen, was keinem seiner Amtsvorgänger glückte. Für ihn wäre ein Lebensziel erreicht.

Von Jürgen Hanefeld, ARD-Studio Singapur

Sobald die Kameras aufgebaut sind, hat Kim ein wichtiges Ziel seiner Reise schon erreicht. Als erster Führer Nordkoreas auf Augenhöhe mit einem amtierenden US-Präsidenten im Blitzlichtgewitter zu stehen.

Ob es ein weiteres Ziel gibt, weiß noch niemand. Kims Visionen klangen bisher eher wolkig: "Wenn wir alle unsere Kräfte und unsere Weisheit vereinen, wird ein neues Zeitalter des Friedens beginnen - und neue Träume und Hoffnungen, auf die alle warten, werden Schritt für Schritt in eine neue Zukunft führen." So lauteten Kims feierliche Worte beim historischen Treffen mit Südkoreas Präsident Moon vor sechs Wochen.

Konkret ist einzig die Formulierung "Schritt für Schritt". Professor Ri Pyong Hwi, Leiter der Koreanischen Universität in Tokio, interpretiert das so: "Der Vorsitzende Kim Jong Un hat erklärt, dass es wegen der rapiden Entwicklung nicht mehr nötig sei, Atomwaffen oder Raketen weiter zu testen, und er hat die Atomversuchsanlage schließen lassen. Das bedeutet aber auch, dass die vorhandenen Atomwaffen weiter gewartet werden", so Ri. "Falls die USA fordern sollten, Nordkorea solle auch die vorhandenen Atomwaffen aufgeben, müsste das eine komplette Lösung aller anstehenden Fragen bedeuten, einschließlich eines Friedensvertrags und der Normalisierung der Beziehungen zwischen Nordkorea und den USA", so seine Einschätzung.

Ankunft Kims am Flughafen in Singapur | Bildquelle: AP
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Kim Jong Un bei seiner Ankunft in Singapur.

"Stimme seines Herrn"

Ri gehört zu den Parteigängern des nordkoreanischen Regimes in Japan. Er ist gewissermaßen die Stimme seines Herrn, wenn es darum geht, den Fahrplan für die Gespräche in Singapur zu erläutern.

Unter dem derzeitigen Waffenstillstandsabkommen ist eine Denuklearisierung undenkbar. Um den Sprachgebrauch von US-Präsident Donald Trump zu benutzen: Wenn wir über einen Deal zur atomaren Abrüstung reden, dann müsste der auch eine Friedenslösung für die koreanische Halbinsel einschließen. Zu einer solchen Lösung würde auch die Garantie gehören, dass US-Truppen in Südkorea den Norden nicht mit Atomwaffen angreifen und keine derartigen Waffen nach Südkorea bringen, sondern sich aus Korea zurückziehen.

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Vor dem Treffen vom US-Präsident Trump und Kim Jong Un

Doppelgänger von Trump und Kim in Singapur

Ihre Doppelgänger machen schon seit Tagen Singapur unsicher ... | Bildquelle: REUTERS

Besucht Kim die USA?

Das klingt nicht so, als könne man bereits in Singapur zur irgendwelchen Absprachen kommen - außer zu einer Einladung Kims in die Residenz Trumps in Florida im Herbst, was Washington offenbar in Aussicht stellt.

Südkoreas Präsident Moon Jae In hat dem Machthaber des Nordens geraten, die USA mit Wirtschaftsprojekten zu locken: "Ich habe dem Vorsitzenden Kim gesagt, wenn er sich zu einer vollständigen Abschaffung der Atomwaffen entschließt und sie auch in die Praxis umsetzt, wäre Präsident Trump gewillt, die feindseligen Beziehungen zu beenden und eine Wirtschaftskooperation anzubieten."

Investoren stehen angeblich Schlange

Angeblich stehen bereits Heerscharen amerikanischer Unternehmen bereit, um dieses unbeackerte Terrain zu besetzen. "Warum nicht?", fragt Ri. Aber erst, wenn ein Friedensvertrag geschlossen sei. "Dann können die USA, Japan, Südkorea, auch China und Russland in unsere Infrastruktur investieren. Und natürlich würden die Amerikaner nicht die Straßen und Stromleitungen bombardieren, die sie selbst gebaut haben. Ich denke, solche Schritte würden zu einer neuen Sicherheitsarchitektur führen, mit der sich Atomwaffen ersetzen ließen."

Kims Lebenstraum: Auf Augenhöhe mit dem US-Präsidenten
Jürgen Hanefeld, ARD Tokio zzt. Singapur
11.06.2018 12:29 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 11. Juni 2018 um 07:53 Uhr.

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