Kim Dotcom | Bildquelle: REUTERS

Auslieferung an USA wahrscheinlicher Für Kim Dotcom wird es immer enger

Stand: 23.12.2015 08:35 Uhr

Er sieht sich als Freiheitskämpfer für das Internet - vor allem die Behörden in den USA sehen das aber anders: Dort drohen Kim Dotcom 20 Jahre Haft. Noch ist er aber in Neuseeland. Doch seine Auslieferung ist jetzt deutlich wahrscheinlicher geworden.

Von Peter Kujath, ARD-Studio Südostasien

Er war und bleibt eine der schillerndsten Figuren des Internets: Kim Dotcom oder mit bürgerlichem Namen Kim Schmitz. Allerdings wird der Spielraum für Kim Dotcom immer enger.

Nach beinahe vierjährigem Rechtsstreit hat ein Richter im neuseeländischen Auckland entschieden, dass Kim Dotcom zusammen mit drei weiteren Angeklagten in die USA ausgeliefert werden darf. Dort wird er vom FBI gesucht. Dem Deutschen, der seit 2010 in Neuseeland lebt, wird in den USA unter anderem Copyright-Verletzungen, Internet-Piraterie und Geldwäsche vorgeworfen. Innerhalb von 15 Tagen kann er gegen das Urteil Berufung einlegen.

Ein Freiheitskämpfer?

Kim Dotcom bestreitet die Vorwürfe und sieht sich selbst als Freiheitskämpfer des Internets. Seine damalige Firma Megaupload bot Speicherkapazitäten für Filme, Musik und Bilder an und war zu ihrer Hochzeit für allein vier Prozent des weltweiten Internet-Traffics verantwortlich.

Im Jahr 2012 durchsuchte die Neuseeländische Polizei in einem Filmreifen Auftritt das Anwesen von Kim Dotcom, der mit seinen überdimensionierten Limousinen ebenso nach Aufmerksamkeit gierte wie mit seinen Partys. Damals wurden Konten eingefroren und Wertgegenstände beschlagnahmt. Seitdem läuft der Rechtsstreit.

Die Villa von Kim Schmitz in Neuseeland | Bildquelle: dpa
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Hier veranstaltete er legendäre Partys: Die ehemalige Villa Kim Dotcoms in Neuseeland

"Wir werden die Berufung durchfechten"

Der Richter in Auckland betonte, dass er eine große Anzahl an Beweisen sehe, die eine Auslieferung rechtfertigen. Nach dem Urteil äußerte sich Kim Dotcom gegenüber dem neuseeländischen Radio auf die Frage, ob er etwas zu sagen hätte: "Nicht viel", antwortete  er. Aber er wolle betonen, dass es nicht das letzte Wort in dieser Angelegenheit sei. "Wir werden die Berufung durchfechten und ich bin nach wie vor auf Kaution. Wir werden durch diesen Prozess gehen bis zum bitteren Ende."

Auf die Frage, ob er enttäuscht sei, antwortete Kim, das sei er - und wünsche allen frohe Weihnachten und ein glücklichen neues Jahr.

Vermögen fast verbraucht

Das, was ihm an Geld aus seiner Glanzzeit verblieben ist, ist durch den Rechtsstreit angeblich fast aufgebraucht. Kim Dotcom darf Neuseeland nicht verlassen und muss sich bisher zweimal in der Woche bei der Polizei melden. Die zuständige Staatsanwältin betonte, dass die Kautionsregelung für Kim weiterhin gelte - die Auflagen aber unter Umständen verschärft werden müssten.

Sollte Kim Dotcom auch das Berufungsverfahren verlieren, müsste am Ende der neuseeländische Justizminister zustimmen, ehe er endgültig an die USA ausgeliefert werden kann.

Kim Dotcom kann an die USA ausgeliefert werden
P. Kujath, ARD Südostasien
23.12.2015 07:07 Uhr

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