Kim Jong Un | Bildquelle: REUTERS

Neujahrsansprache in Nordkorea Dieses Mal droht Kim nicht mit der Bombe

Stand: 01.01.2016 10:56 Uhr

Eine Rede voller aggressiver Propaganda - die aber doch als gemäßigt gilt: Nordkoreas Diktator Kim hat zumindest indirekt Dialogbereitschaft signalisiert. Er verzichtete auch auf Drohungen mit dem Atomprogramm. Und selbst beim Thema Wirtschaft scheint es eine neue Rhetorik zu geben.

Anders als früher hat Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un in seiner Neujahrsansprache auf Drohungen mit Atomwaffen und Langstreckenraketen verzichtet.

Südkorea und den USA bot Kim zwar in seiner Rede nicht direkt einen Dialog an - sagte aber, er sei offen für Gespräche mit denjenigen, die wirklich an "Aussöhnung und Frieden" auf der Koreanischen Halbinsel interessiert seien.

"Wenn sie uns auch nur leicht berühren..."

Ansonsten hielt sich Kim weitgehend an die übliche Propaganda. Der Diktator betonte seine Bereitschaft zum Krieg im Falle von Provokationen "invasiver" Außenstehender. "Wenn Aggressoren und Provokateure uns auch nur leicht berühren, werden wir nicht zögern, mit einem gnadenlosen heiligen Krieg für Gerechtigkeit und nationale Wiedervereinigung zu reagieren." Nordkorea betrachtet Südkorea und dessen Verbündeten USA als seine Erzfeinde.

Kim kritisierte insbesondere die gemeinsamen Militärübungen Südkoreas mit den USA. Auch warnte er die Regierung in Seoul davor, die Vereinbarung aus dem August zur Reduzierung der Grenzspannungen zu gefährden. Kims Ansprache wurde trotz der Warnungen an Südkorea als eher zurückhaltend gewertet.

"Wende in der wirtschaftlichen Entwicklung"

Kim versprach zudem, den Lebensstandard in dem verarmten Land zu verbessern. Dies habe oberste Priorität: "Wir müssen eine Wende in der wirtschaftlichen Entwicklung bewirken." Seit der Machtübernahme von seinem Ende 2011 verstorbenen Vater Kim Jong Il legte er den Fokus auf die wirtschaftliche Entwicklung: Kontrollen über Bauern und Staatsfirmen wurden gelockert, mehr als ein Dutzend Sonderwirtschaftszonen eingerichtet. Es wird erwartet, dass sich Kim im Mai näher zum weiteren Kurs äußert - dann wird erstmals seit 35 Jahren ein Parteitag der Arbeiterpartei stattfinden.

Kim hielt die Rede einen Tag nach dem Staatsbegräbnis von Kim Yang Gon, der für die Beziehungen mit Südkorea zuständig gewesen war. Offiziellen Angaben zufolge starb der einflussreiche Politiker am Dienstag bei einem Autounfall. Sein Tod gilt als Rückschlag für eine Entspannung im Verhältnis mit Südkorea.

Darstellung: