Rauch steigt zwischen Sicherheitskräften in Kiew auf | Bildquelle: dpa

Explosion vor ukrainischem Parlament Anschlag überschattet Reformdebatte

Stand: 31.08.2015 15:53 Uhr

Während im Kiewer Parlament heftig um Autonomierechte für den Osten der Ukraine gerungen wurde, kam es vor dem Gebäude zu einem Gewaltausbruch mit Schusswaffen und einer Explosion. Der Innenminister spricht von mindestens einem Toten und 90 Verletzten.

Bei Protesten vor dem Parlament in der ukrainischen Hauptstadt Kiew hat es eine Explosion gegeben, zudem kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Das Innenministerium spricht von mindestens einem Toten und 90 verletzten Sicherheitskräften. Der Polizei-Chef von Kiew berichtet gar von mehr als 100 verletzten Polizisten.

Ein Verletzter in der Nähe des Parlament-Gebäudes in Kiew | Bildquelle: REUTERS
galerie

Mindestens 30 Menschen wurden bei der Explosion verletzt.

Nach Informationen des ARD-Korrespondenten Stephan Stuchlik zündeten Unbekannte während der Demonstration eine Handgranate. Es kam auch zu Schusswechseln. Ein Soldat der Nationalgarde wurde von einer Kugel getroffen und erlag seinen Verletzungen, wie das Innenministerium mitteilte. Mehrere Menschen, offenbar auch Journalisten, sollen nach Angaben eines AFP-Reporters blutüberströmt am Boden vor dem Parlament gelegen haben.

Die Polizei nahm nach eigenen Angaben bereits einen Verdächtigen fest.

Gewalttätige Proteste gegen Verfassungsreform
tagesthemen 22:15 Uhr, 31.08.2015, Birgit Virnich, ARD Moskau

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Nationalisten lehnen Neuregelung ab

Vor dem Parlamentsgebäude hatten kurz vor der Explosion Tausende Menschen gegen eine umstrittene Verfassungsreform demonstriert. Mit dem Gesetz sollen den von Separatisten gehaltenen Gebieten im Osten des Landes mehr Autonomierechte eingeräumt werden. Die Nationalisten lehnen die Neureglung ab, weil sie eine schleichende Aufgabe ukrainischen Territoriums befürchten. Mehr Autonomie für die Ostukraine ist ein Teil des im Februar verabschiedeten Minsker Friedensplans.

Hromadske Int. @Hromadske
The number of injured policemen in clashes at #Ukraine's parliament raises to 20
http://t.co/OjIvz0fMr2

Umstrittene Verfassungsreform

Während der Abstimmung war es auch im Parlamentsgebäude zu tumultartigen Protesten gekommen. Gegen den Widerstand von Nationalisten hatte die Kammer die Verfassungsreform in erster Lesung angenommen. Für die Novelle stimmten bei der Sondersitzung am Montag in Kiew 265 von 368 registrierten Abgeordneten. Für die endgültige Verabschiedung der Verfassungsreform sind in zweiter Lesung 300 Stimmen im Parlament notwendig.

Präsident Petro Poroschenko hatte am Wochenende versucht, Gegner der Autonomiegesetze umzustimmen, um den Friedensprozess zu retten. Nicht nur rechte und nationalistische Kräfte sehen die Verfassungsreform aber als Kniefall vor Russlands Präsident Wladimir Putin.

Stephan Stuchlik, ARD Moskau, zur Explosion vor dem ukrainischen Parlament
tagesschau 14:00 Uhr, 31.08.2015

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Darstellung: