Syrien: Kerry sieht "starke Hinweise" für Chemiewaffen-Einsatz

Kerry zum Syrien-Konflikt

"Starke Hinweise" auf Chemiewaffen

US-Außenminister John Kerry (Bildquelle: AFP)
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US-Außenminister John Kerry sieht Anzeichen für den Einsatz von Chemiewaffen durch Syriens Regierung.

Nach Aussage von US-Außenminister John Kerry gibt es "starke Hinweise" darauf, dass die syrischen Regierungstruppen Chemiewaffen gegen die Aufständischen im Land eingesetzt haben. Das Assad-Regime habe eine "schreckliche Wahl" getroffen und sei bereit gewesen, zwischen 70.000 und 100.000 Menschen des eigenen Volkes zu töten, erklärte Kerry während eines vom Internetkonzern Google, dem Fernsehsender NBC und dem Außenministerium in Washington veranstalteten Online-Chats.

Erdogan sieht ebenfalls Beweise für Chemiewaffen

US-Präsident Barack Obama hatte einen Chemiewaffeneinsatz in Syrien in der Vergangenheit als "rote Linie" für ein mögliches Eingreifen der USA in den Bürgerkrieg bezeichnet. Auch der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat nach eigenen Angaben Beweise für einen solchen Einsatz von Kampfstoffen: Syrische Giftgas-Opfer seien in türkischen Krankenhäusern behandelt worden, sagte er am Freitag. Zudem gebe es Geheimdiensterkenntnisse über den Einsatz von rund 200 Raketen mit Giftgas. Dass die Opposition chemische Waffen eingesetzt haben könnte, bezeichnete Erdogan als unwahrscheinlich.

Russland bleibt bei Waffenlieferung an Assad

Russland hält derweil an der umstrittenen Lieferung von Flugabwehrtechnik an Syrien fest: Außenminister Sergej Lawrow sagte in Warschau, Russland werde so bereits geschlossene Verträge erfüllen. Syrien müsse die Möglichkeit haben, "sich gegen Luftangriffe zu wehren". Die Lieferung von Abwehrtechnik sei "durch internationales Recht nicht verboten". Außenminister Guido Westerwelle forderte dagegen, auf Waffenlieferungen an Syrien zu verzichten und einer politischen Lösung eine Chance zu geben.

Seit Beginn des Konflikts in Syrien vor mehr als zwei Jahren haben nach Angaben der Diakonie Katastrophenhilfe bereits 1,4 Millionen Menschen das Land verlassen. Zehntausende wurden getötet.

"Starke Beweise" oder "starke Hinweise"?

In einer ersten Version des Textes hatten wir Kerrys Aussage "strong evidence" mit "starke Beweise" übersetzt. Wir haben dies in "starke Hinweise" geändert. Zwar lässt sich "evidence" auch mit "Beweis" übersetzen, doch im Kontext wird deutlich, dass Kerry eher "Hinweise" oder "Anzeichen" gemeint haben dürfte. Das Originalzitat lautet: "There is no question, in my mind, that this fight is about the terrible choices that the Assad regime has made, with its willingness to kill anywhere from 70.000 to 100.000 of its own people. Now, to use gas, which we believe there is strong evidence of the use of."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. Mai 2013 um 15:00 Uhr.

Stand: 16.05.2013 11:06 Uhr

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