Diese Illustration der NASA zeigt die Erde (links) im Vergleich mit dem "Kepler-452b" getauften Planeten

NASA entdeckt erdähnlichen Planeten Ganz wie zu Hause

Stand: 24.07.2015 09:54 Uhr

"Kepler-452b" hat viele Ähnlichkeiten mit unserem Planeten. Sogar die Wärme des Sonnenscheins soll sich anfühlen wie auf der Erde. Die Evolution jedenfalls hätte viel Zeit gehabt, Leben entstehen zu lassen auf dem Planeten, dessen Entdeckung die NASA gestern bekannt gab.

Von Jan Bösche, ARD-Hörfunkstudio Washington

Die Wissenschaftler wollen noch nicht von einem Zwilling der Erde sprechen - aber doch von einem engen Cousin. In den Daten des Weltraumteleskopes Kepler haben sie einen Planeten gefunden, der bislang der Erde am ähnlichsten ist. Sein Name ist "Kepler-452b".

Bei ihm kommen alle nötigen Zutaten zusammen: Die Sonne, um die er kreist, ist groß und hell genug, der Planet genau richtig von ihr entfernt. Jon Jenkins leitet die Daten-Analyse:

"Der Stern hat dieselbe Oberflächentemperatur wie unsere Sonne. Es ist ein G2-Stern. Er ist zehn Prozent größer als unsere Sonne und etwas älter. Der Planet umkreist seine Sonne alle 385 Tage. Er ist 60 Prozent größer als die Erde. Darum ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er felsig ist."

Nasa-Grafik des Kepler-Systems
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Nasa-Grafik des Kepler-Systems

Fotosynthese würde gut funktionieren

Die NASA zeigte Bilder von einem Planeten mit Wolken, Vulkanen und Ozeanen. Dass er wirklich so aussieht, können die Wissenschaftler aber nur vermuten. Das entscheidende Kriterium ist, wie weit der Planet von seiner Sonne entfernt ist: "Der Sonnenschein des Sterns ist sehr ähnlich dem Sonnenschein von unserem Stern. Die Fotosynthese würde gut funktionieren. Wenn man dort wäre, würde sich zumindest der Sonnenschein anfühlen wie zuhause."

Ob es jemanden gibt, der auf "Kepler-452b" sitzt und sich sonnt - auch das wissen wir natürlich nicht. Aber die Evolution hätte genügend Zeit gehabt, meint Jenkins:

"Dieser Planet befindet sich seit sechs Milliarden Jahren in der bewohnbaren Zone seines Sterns, er ist älter als die Erde. Das ist genug Zeit, dass Leben entstehen konnte, auf der Oberfläche oder in den Ozeanen, angenommen - alle nötigen Zutaten und Bedingungen sind vorhanden."

1400 Lichtjahre entfernt

Leider kann man nicht mal eben vorbeifliegen und schauen, wie dieser Planet aussieht. Er ist nämlich 1400 Lichtjahre von uns entfernt. Das Kepler-Teleskop war 2009 ins Weltall geschossen worden, um nach erdähnlichen Planeten zu suchen. Dafür beobachtete es in den ersten vier Jahren seiner Mission 150.000 Sterne gleichzeitig. Licht-Veränderungen deuten an, dass ein Planet um einen Stern kreist. Alles Weitere müssen die Astronomen dann errechnen.

Das Teleskop fand bisher Hinweise auf fast 4700 Planeten. Sie sind erst zum Teil ausgewertet. Die NASA-Wissenschaftler sind sich sicher, dass sie weitere Planeten finden werden, die der Erde möglicherweise noch ähnlicher sind. Zukünftige Weltraum-Observatorien sollen dann Planeten intensiver untersuchen, sagte NASA-Chefwissenschaftler John Grunsfeld: "Sie können das Spektrum der Atmosphäre eines erdähnlichen Planeten erfassen und nach Kennzeichen suchen, dass es Leben auf dem Planeten gibt." Es gehe weiterhin um die große Frage: Sind wir allein im Universum?

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Juli 2015 um 20:00 Uhr.

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