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Kenias Wahlsieger Kenyatta im Porträt
Präsident, Multimillionär, Angeklagter
Er ist einer der reichsten Männer Afrikas und der Sohn des legendären ersten Präsidenten der Republik Kenia, Jomo Kenyatta: Knapp 50 Jahre nach seinem Vater wird Uhuru Kenyatta Staatschef des Landes. Nebenbei hat der Politiker mit einem Verfahren in Den Haag zu tun - er ist dort angeklagt wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Von Antje Diekhans, ARD-Hörfunkstudio Nairobi
Wie ein strahlender Sieger sieht er nicht aus. Ernsthaft, als würde die Bürde des Amtes ihn schon niederdrücken, bedankt sich der neue kenianische Präsident Uhuru Kenyatta bei seinen Wählern. Dabei hat er doppelten Grund zum Feiern. Der 51-Jährige tritt nicht nur in die Fußstapfen seines Vaters Jomo Kenyatta, dem Staatsgründer und ersten Präsidenten des Landes.
Der Stimmenanteil von mehr als 50 Prozent zeigt ihm auch: Die Kenianer stehen hinter ihm. Trotzdem oder gerade weil er vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag als Kriegsverbrecher angeklagt ist. Kenyatta soll nach den vorigen Wahlen wochenlange Unruhen angezettelt, zu Morden und Vergewaltigungen aufgerufen haben. Vorwürfe, die er zurückweist: "Wir müssen alle akzeptieren, dass jemand so lange als unschuldig gilt, bis das Gegenteil bewiesen ist."
Kenias neuer Präsident Kenyatta - mutmaßlicher Kriegsverbrecher und Multimillionär
A. Diekhans, ARD Nairobi
09.03.2013 20:49 Uhr
Kenyatta und sein heutiger Mitstreiter William Ruto standen sich vor fünf Jahren noch in unterschiedlichen Lagern gegenüber. Sie sollen ihre Anhänger aufeinander gehetzt haben. Kenyatta zählt zu den Kikuyu, der größten Volksgruppe des Landes. Ruto ist Kalenjin. In Zentralkenia konkurrieren diese Ethnien seit langem um Land.
Situation wie im Sudan?
Der beiden Politikern drohende Prozess reichte aus, um aus den früheren Feinden jetzt Verbündete zu machen. Das bereitet Organisationen Sorgen, die sich in Kenia für die Opfer einsetzen. So ist die Menschenrechtlerin Gladwell Otieno sicher: Kenyatta werde die neue Macht als erstes nutzen, um seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen und den Gerichtshof zu ignorieren. "Wenn er Präsident wird, dann kann er so wie Omar Hassan al Baschir im Sudan sich irgendwie retten. Es würde darauf hinauslaufen, dass er da nicht erscheinen würde und dass dann ein Haftbefehl ausgestellt werden würde. Dann wären wir in einer Situation wie der Sudan, dass unser Präsident in die meisten Länder nicht reisen kann - auch in Afrika."
Kenyatta versichert bisher, dass er in Den Haag erscheinen wird. Die Regierungsaufgaben wolle er sich während des Verfahrens mit seinem Stellvertreter Ruto teilen.
In das "State House", den Sitz des Präsidenten in Kenia, wird Kenyatta keinen weiten Weg haben. Seine Familie wohnt direkt nebenan. Sie ist die reichste Familie im Land. Ihr gehört viel Grund und Boden, den sie nach der Unabhängigkeit für verschwindend wenig Geld erworben haben soll. Außerdem nennen die Kenyattas eine Fabrik für Molkereiprodukte ihr Eigen und haben Anteile an Fernsehsendern, Radiostationen und Zeitungen. Ein Imperium, mit dem der neue Präsident auch die Meinung im Land gut lenken kann.
In den ersten 100 Tagen werde seine Regierung vieles auf den Weg bringen, versprach Kenyatta vor der Wahl. Er werde für Gerechtigkeit sorgen und sich um die Gesundheit und Bildung kümmern.
Außer mit dem Verfahren in Den Haag wird Kenyatta gleich zu Beginn allerdings noch mit einem anderen Prozess zu tun haben. Sein stärkster Gegenkandidat, Ministerpräsident Raila Odinga, will das Wahlergebnis vor dem Obersten Gerichtshof anfechten. Da ist es praktisch, dass Kenyatta genug Geld hat, um ein ganzes Heer von Anwälten zu bezahlen.
Unterlegener Odinga will Wahlsieg Kenyattas nicht akzeptieren
tagesthemen 22:50 Uhr, 09.03.2013, Shafagh Laghai, ARD Nairobi
Stand: 09.03.2013 22:47 Uhr
