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16.03.2010

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Ausland
Kibaki
Kenia: Verheerende Situation in den Slums von Nairobi
Reportage aus den Slums von Nairobi

"Die kleinen Leute sind es, die leiden"

Seit Tagen gibt es in Kenia blutige Unruhen. Besonders dramatisch ist die Lage in den Slums von Nairobi. Auf den Müllkippen liegen Leichen, Plünderer und Kriminelle ziehen durch die Straßen - und inzwischen fürchtet jeder jeden.

Von Wim Dohrenbusch, ARD-Hörfunkstudio Nairobi

Ein Kind in Nairobi  (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Insbesondere die Kinder in den Slums von Nairobi leiden unter den verheerenden Zuständen. ]
Dennis Katende ist nassgeschwitzt. Der Gärtner hat gerade einen vierstündigen Fußmarsch hinter sich, um seine Arbeitsstelle zu erreichen. "Das sind ungefähr 20 Kilometer von Dandora aus, wo ich wohne", sagt er. "Seit Tagen fahren keine Busse mehr, also muss ich laufen. Das Leben ist schon verdammt schwierig geworden."

In Dandora, einem der übelsten Slumviertel herrschte in den letzten Tagen das blanke Chaos. Noch immer liegen Leichen auf der benachbarten Müllkippe. Es gibt keine Lebensmittel mehr, kein Petroleum zum Kochen. Und das wenige, was noch zu bekommen ist, kann sich keiner mehr leisten. "Die Preise haben sich verdoppelt und man muss lange suchen, um überhaupt etwas zu bekommen", berichtet Katende.

Interview:

Viele Menschen in Kenia ziehen derzeit schwer bewaffnet durch die Straßen. (Foto: dpa)
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Nicht anders ist es im Kawangware-Slum. Seit die politischen Unruhen abgeflaut sind, kommen die Trittbrettfahrer, sagt Edwin Obima: "Kriminalität wohin du schaust, der Mob marodiert, überall sind Plünderer." Gemeinsam mit seinen Nachbarn hat er deshalb eine Art Bürgerwehr gegründet. "Nachts schlafen wir in Gruppen im Freien, aus Angst vor Überfällen oder dass jemand die Hütten abfackelt", erzählt er.

"Nachts treten Gangster die Tür ein"

Plünderungen in Nairobi (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die Polizei geht gegen Plünderungen im Slum Kibera vor. ]
Auch in Kangemi, wo Florence Keya mit ihrer Familie wohnt, ist die Lage dramatisch. "Nachts treten Gangster die Tür ein und überfallen dich. Also sind wir ganz still und warten ab", berichtet sie. Dennis Katende fasst die Situation wie folgt zusammen: Vor den Unruhen habe die Armut die Leute eher zusammengeschweißt, jetzt herrsche überall Misstrauen. "Früher haben wir wie Brüder und Schwestern zusammengelebt", sagt er. "Aber jetzt gehen sich selbst engste Nachbarn aus dem Weg." Florence, Mutter von zwei Kindern, ist nur noch traurig: "Wir haben uns noch nicht einmal ein neues Jahr gewünscht, das ist doch kein Leben. Und wie kann ich etwas Essen, wenn die Nachbarn nichts haben?"

Bilder:

In Nairobis Slumsiedlung Mathare steht ein Haus in Flammen (Foto: dpa)
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"Ich schäme mich für meine Wahlentscheidung"

Dennis Katende ärgert sich inzwischen über seine Wahlentscheidung. "Ich dachte Präsident Kibaki ist der Richtige. Aber nach allem, was passiert ist, muss ich mich schämen", sagt er.

Schluss mit den Unruhen, Schluss mit Gewalt und Angst, dafür beten sie jetzt in Kangemi, Dandora oder Kawangware. "Kibaki und Odinga sollen sich endlich zusammensetzen und miteinander reden", findet Edwin Obima. Und Dennis Katende bestreitet, dass das Chaos ein Stammeskonflikts ist: "Es geht nicht um Kikuyu oder Luo, alle Kenianer schreien nach Frieden und Einigkeit." Schluss mit den Kämpfen und dem Politikerstreit, bittet auch Florence Keya. "Wir, die kleinen Leute sind es, die darunter leiden. Die Politiker selbst haben ihre Familien doch aus dem Land geschafft, wir aber sterben vor Angst um unsere Kinder."

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Stand: 04.01.2008 14:26 Uhr
 

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