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Zum ersten Mal seit seinem umstrittenen Wahlsieg geht der kenianische Präsident Kibaki einen Schritt auf die Opposition zu. Er sei zu Gesprächen bereit, sobald sich das Land beruhigt habe, so Kibaki. Allerdings kündigte die Opposition bereits neue Proteste an.
Von Wim Dohrenbusch, ARD-Hörfunkstudio Nairobi
[Bildunterschrift: Eine Frau beobachtet gewaltsame Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten - für heute sind neue Proteste angekündigt. ]
Kenia bewegt sich weiterhin zwischen Hoffen und Bangen, zwischen anhaltenden Unruhen und Vermittlungsbemühungen. Nachdem die Oppositionsbewegung ihre für gestern geplante Großdemonstration abgeblasen hatte, will sie heute erneut versuchten, gegen die gefälschten Präsidentschaftswahlen auf die Straße zu gehen. Die Internationale Gemeinschaft verstärkte den Druck auf Regierung und Opposition, eine friedliche Lösung des Konflikts zu suchen. In der Nacht hatte das US-Außenministerium seine Afrika-Beauftragte Jendayi Frazer nach Kenia geschickt, um zwischen Präsident Mwai Kibaki und Oppositionsführer Raila Odinga zu vermitteln.
Seit gestern hält sich der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu in Nairobi auf. Nach einem zweistündigen Gespräch mit Odinga und anderen Oppositionspolitikern äußerte sich Tutu zuversichtlich. Die Opposition sei bereit und freue sich darauf, eine Vermittlungslösung zur Beilegung der Krise in Kenia anzugehen, so Tutu. "Sie will ihre Ideen und Beiträge einbringen. Das halte ich für ein sehr gutes Ergebnis" Heute traf Tutu dann Präsident Kibaki.
Bilder:
[Bildunterschrift: Kenias Präsident Mwai Kibaki signalisierte Gesprächsbereitschaft. ]
Der hatte sich gestern nach tagelangem Schweigen erstmals in der Öffentlichkeit gezeigt und Gesprächsbereitschaft mit der Opposition signalisiert. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass sich die Lage im Land und das politische Klima beruhige, so Kibaki. Die Chancen dürften allerdings sehr gering sein, da die Fronten weiterhin verhärtet sind. Odinga hatte sich bereits vor einigen Tagen zu einem Treffen mit Kibaki bereit erklärt, allerdings müsse der Präsident zuerst von seinem Amt zurücktreten.
Interview:
In der Nacht war es überwiegend ruhig geblieben. Polizei und Militär haben das Regierungs- und Finanzviertel von Nairobi immer noch weiträumig abgeriegelt. Deshalb dürfte es für Demonstranten auch heute schwierig werden, gewaltlos in die Innenstadt zu marschieren. Gestern hatte die Polizei Tränengas und Wasserwerfer eingesetzt.
Die Weltbank hat inzwischen davor gewarnt, dass die Volkswirtschaften Kenias und ganz Ostafrikas unter der derzeitigen Situation nachhaltig leiden könnten. In den Nachbarstaaten Uganda, Burundi und Ruanda kommt es bereits zu Benzinknappheit. Nach Einschätzung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz sind bei den Unruhen bisher mehrere hundert Menschen ums Leben gekommen. Genaue Zahlen seien kaum zu ermitteln, da die Helfer nur schwer Zugang zu den betroffenen Gebieten hätten.
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