In Kenia wird ein neue Präsident gewählt. | Bildquelle: dpa

Präsidentenwahl in Kenia Denkzettel für Kenyatta?

Stand: 08.08.2017 01:16 Uhr

Bislang haben in Kenia nur wenige "fremd" gewählt, die Stimme erhielt immer der Kandidat aus der eigenen Volksgruppe. Bei der Präsidentenwahl dieses Mal könnte es anders laufen und Amtsinhaber Kenyatta für Korruption und Misswirtschaft abgestraft werden.

Von Sabine Bohland, ARD-Studio Nairobi

Wer dieser Tage durch Kenias Hauptstadt Nairobi fährt, traut seinen Augen nicht. Die Straßen sind frei, kaum Autos unterwegs und auch keine Matatus, die kleinen öffentlichen Busse, die oft wie Kanonenkugeln die Straßen auf und ab rasen. Friedlich sieht es aus, doch das Bild trügt. Sehr viele Menschen haben die Stadt im Vorfeld der Wahlen, die am Dienstag stattfinden, verlassen. Aus Angst vor Gewalt.

Knapp zehn Jahre ist es her, dass das Land der Safaris, der traumhaften Strände am Indischen Ozean, das Land, das jährlich 90.000 deutsche Touristen besuchen, in Flammen aufging. Etwa 1500 Menschen starben in einer Gewaltorgie nach der Präsidentschaftswahl. 600.000 Menschen flohen in Lager - aus Furcht vor ihren Nachbarn aus einer anderen Volksgruppe.

Präsidentenwahl in Kenia
tagesschau 16:00 Uhr, 08.08.2017, Sabine Bohland, ARD Nairobi

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Ethnie immer noch wichtig

Die Zugehörigkeit zu einer der 42 Ethnien ist in Kenia noch immer wichtig. Manche sagen, sie sei wieder entscheidend. In den Jahren nach der Unabhängigkeit sei man vor allem stolz gewesen, Kenianer zu sein. Mit der Zeit und nach immer bittereren politischen Auseinandersetzungen, sei die Volksgruppe wieder wichtiger geworden. Es gipfelte in den Exzessen nach den Wahlen Ende 2007. Vor allem Kikuyus, Kalenjins und Luos gingen aufeinander los. Der amtierende Präsident Uhuru Kenyatta und sein Vize William Ruto mussten vor dem Internationalen Strafgerichtshof erscheinen. Sie hätten angeblich die Volksgruppen gegeneinander aufgehetzt. Das Verfahren wurde aus Mangel an Beweisen eingestellt.

Dieses Mal tritt Präsident Kenyatta, ein Kikuyu, gegen seinen Hauptherausforderer Raila Odinga, einen Luo, an. Kenyatta ist der Sohn des ersten Präsidenten des unabhängigen Kenias, Jomo Kenyatta. Raila, wie er allgemein genannt wird, ist der Sohn von Oginga Odinga, dem Premierminister der ersten unabhängigen Regierung. Beide Kandidaten stammen aus weit verzweigten, wohlhabenden Familien, die schon immer politisch aktiv waren. Raila Odinga tritt mittlerweile zum vierten Mal im Rennen um die Präsidentschaft an. Klappt es diesmal wieder nicht, wird der 72-Jährige wohl aufgeben. Für ihn geht es um alles.

Nur wenige wählen "fremd"

Die Wähler entscheiden streng entlang ethnischer Linien. Nur wenige wählen "fremd", das heißt, einen Kandidaten, der nicht zur eigenen Volksgruppe gehört. Es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Kenyatta und Odinga erwartet. Viel hängt dabei von ihren "running-mates" ab, ihren Vizes, die jeweils aus anderen ethnischen Gruppen stammen.

Doch es gibt auch eine große Unbekannte bei der diesjährigen Wahl: Nämlich die Tatsache, dass viele Menschen die Nase voll von ihren Politikern haben. Völlig unabhängig davon, ob sie Kikuyu, Luo, Kalenjin oder Maasai sind. Seit Jahrzehnten sind kenianische Politiker groß darin, in die eigene Tasche zu wirtschaften und die "einfachen Leute" zu vergessen.

Gute Gesundheitsversorgung oder Schulbildung ist noch immer ein Privileg der Besserverdienenden. Selbst in den kostenfreien Grundschulen kann ein Kind nur dann mitkommen, wenn die Eltern bereit sind, die Lehrer zu bezahlen - selbstverständlich ohne Quittung. Eine Geburt ist nur dann kostenlos, wenn es keine Komplikationen gibt. Zwar gibt es in Kenia eine stetig wachsende Mittelschicht, aber in den Slums der Hauptstadt und in vielen ländlichen Regionen hat sich seit Jahrzehnten kaum etwas verbessert.

Kenia: Wahlkampf mit dem Fahrrad
Mittagsmagazin, 08.08.2017, Caroline Hoffmann, ARD Nairobi

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Chef der Wahlkommission ermordet

"Zynisch" nennt Murithi Mutiga von der International Crisis Group die kenianischen Politiker: "Statt Rechenschaft abzulegen über Korruption oder nicht gehaltene Versprechen gegenüber der Bevölkerung, legen sie Wert auf etwas viel Einfacheres: Du bist einer von uns. Warum wählst du mich also nicht, wo wir doch den gleichen Namen und das gleiche Blut haben?"

Die Frage ist nun, ob die Wählerinnen und Wähler der Kenyatta-Regierung einen Denkzettel verpassen und für die Opposition stimmen. Eine andere Frage ist, ob die jeweiligen Parteien einen Sieg der Gegner anerkennen oder versuchen, das Wahlergebnis zu ihren Gunsten zu manipulieren. Das neue elektronische System der kenianischen Wahlkommission IEBC soll dies verhindern. Aber nachdem der IEBC-Verantwortliche Chris Msando vergangene Woche gefoltert und ermordet aufgefunden wurde, gilt dies als böses Omen für faire und freie Wahlen.

Und eine weitere Frage: Würde sich unter einer anderen Regierung viel ändern im Land? Ja, Raila Odinga verspricht, die horrend hohen Lebensmittelpreise zu senken. Ja, er verspricht, Bildung kostenlos zu machen; Lehrer und Ärzte besser zu bezahlen. Er verspricht, die Wirtschaft anzukurbeln und sich um die "kleinen Leute" zu kümmern. Aber verspricht er nur das Blaue vom Wahlkampfhimmel oder würde sich wirklich etwas verbessern für die rund 45 Millionen Kenianer?

Angst vor Gewalt

Seit Jahrzehnten erdulden sie Korruption, Willkür der Institutionen, machtbesessene Politiker. Die allermeisten lieben dabei ihr Land und machen sich in der Regel trotz Arbeits- und Perspektivlosigkeit nicht nach Europa auf. Kenianer, egal welcher Ethnie, sind bodenständig und träumen eher von einem Häuschen in ihrem Heimatdorf als von einer Flucht übers Mittelmeer.

Die Stimmung im Land ist angespannt - viele haben Angst vor Gewalt. In den Zeitungen ist dieser Tage viel von Frieden die Rede. Die Bevölkerung betet für die Besonnenheit der Politiker. Eine weitere Krise kann Ostafrika wahrlich nicht gebrauchen.

Kenia: Lange Schlangen bei Präsidentenwahl
Linda Staude, ARD Nairobi
08.08.2017 14:43 Uhr

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Über dieses Thema berichtete das ARD Morgenmagazin am 08. August 2017 um 05:40 Uhr.

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