Ein Mann gibt bei der Präsidentschaftswahl in Kenia seine Stimme ab  | Bildquelle: dpa

Wahlwiederholung in Kenia Zwischen Boykott und Begeisterung

Stand: 26.10.2017 13:08 Uhr

Nach wochenlangem Streit läuft in Kenia die Neuwahl zur Präsidentschaft. Sie wird von Ausschreitungen überschattet, mindestens ein Demonstrant wurde getötet. Oppositionsführer Odinga hatte zum Boykott aufgerufen.

Von Alexander Göbel, ARD-Studio Nairobi

Viele Stunden soll Kenias Präsident Uhuru Kenyatta am Mittwoch an seiner Rede gefeilt haben. Am Abend eines turbulenten Tages trug er sie dann vor - staatstragend, präsidial. Es war der dramatische Showdown zur Neuauflage der Präsidentschaftswahl, bei der nun feststeht: Sie findet statt.

"Wir werden zur Wahl gehen", verkündete Kenyatta. "Wir bitten Gott, er möge uns leiten, beschützen, er möge uns allen Weisheit und Frieden geben, in diesen schwierigen Zeiten."

Straßenschlachten bei Neuwahl in Kenia
tagesschau 12:00 Uhr, 26.10.2017, Caroline Hoffmann, ARD Nairobi

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Oberstes Gericht stoppte Abstimmung nicht

Nur Kenias Supreme Court hätte die Abstimmung in letzter Minute noch stoppen können - doch am Mittag hieß es, das Oberste Gericht sei in einer der letzten offenen Klagen gegen die Wahl nicht beschlussfähig. Dann beeilte sich der Vorsitzende der Wahlkommission und gab grünes Licht.

Fast 20 Millionen Wähler sind registriert, die Wahlunterlagen sind ausgeliefert, auf dem Wahlzettel stehen sieben Kandidaten, allen voran Amtsinhaber Kenyatta.

Seine Anhänger sind siegessicher. Einer von ihnen, Bernard Kimani, zeigte sich begeistert, dass es jetzt endlich eine Entscheidung gebe. "Wir haben vor dem Wahlbüro übernachtet, wir werden wählen, und wir hoffen, dass es friedlich bleibt."

Raila Odinga (r) und Uhuru Kenyatta | Bildquelle: REUTERS
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Die Konkurrenten Odinga (r) und Kenyatta vertreten auch unterschiedliche Volksgruppen.

Protest der Opposition

Ein Mann in Kibera hält einen Stock vor brennenden Barrikaden | Bildquelle: AFP
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Schon am Tag vor der Wahl hatten Oppositionsanhänger protestiert. Sie halten die Wahl für nicht fair.

"Und was macht ihr", fragte Oppositionsführer Raila Odinga im Uhuru Park von Nairobi, unter dem Jubel Tausender Anhänger. Für sein Oppositionsbündnis ist die Antwort klar: Vehement hatte Odinga Reformen und eine Neubesetzung der Wahlkommission gefordert.

Als diese Forderung nicht erfüllt wurde, gab er bekannt, er werde zur Neuwahl nicht antreten. Wenn Präsident Kenyatta die Abstimmung nun mit allen Mitteln durchsetze, sei das eben keine "uchaguzi bora", keine gute, freie, faire Wahl, sondern eine Farce.

Aufruf zu zivilem Ungehorsam

"Wir werden auf gar keinen Fall an dieser Wahl teilnehmen", so Odinga. Er rief seine Anhänger auf: "Überzeugt Eure Familien, Eure Freunde, es genauso zu machen. Bleibt weg von den Wahlbüros, betet, bleibt zu Hause." 

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Wahlen in Kenia

Menschen stehen in einer Schlange, um zu wählen.
Menschen stehen in einer Schlange, um zu wählen.

Im Vergleich zum August nahmen bislang viel weniger Menschen an der Wahl teil. Herausforderer Raila Odinga hatte seine Unterstützer zum Boykott aufgerufen.

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Odinga forderte seine Anhänger zu zivilem Ungehorsam auf, mahnte aber gleichzeitig auch zu Besonnenheit - möglicherweise zu spät: Denn zuletzt hatte er selbst die Stimmung immer wieder angeheizt und zu Massenprotesten aufgerufen. 

Tränengas und Verletzte

Und so brannten schon am Nachmittag vor der Wahl wieder Autoreifen und Holzgerüste, dichter schwarzer Rauch lag über Kisumu, einer Hochburg des Odinga-Lagers, wo Wahlhelfer eingeschüchtert werden. In Kibera, einem der größten Slums von Nairobi, gingen Hundertschaften der Polizei auch in der Nacht mit Tränengas gegen Demonstranten vor, einige Menschen wurden von scharfer Munition verletzt. 

Polizist mit Tränengaskanone in Kenia | Bildquelle: REUTERS
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Polizisten feuern mit Tränengas auf protestierende Oppositionsanhänger.

In Mathare, einer anderen großen Armensiedlung in Nairobi, haben Odinga-Sympathisanten sogar Wahlbüros zugeschweißt, um die Abstimmung zu verhindern.

Sorge vor Gewalt

Die Sorge ist groß, dass der alte Konflikt zwischen den Ethnien wieder ausbricht und es wieder viele Tote gibt, wie schon nach der Wahl 2007. Präsident Kenyatta gehört zu den Kikuyu, die in Kenia seit Jahrzehnten Macht und Einfluss haben. Widersacher Raila Odinga gilt als ewiger Hoffnungsträger der Luo.

Deswegen wollen diese für ihn kämpfen, wie beispielsweise Nelson Otiengo in Mathare, der alles tun will, damit diese Wahl nicht stattfinde. "Wir werden uns gegen die Polizei stellen und für unsere Rechte kämpfen. Wenn der Präsident uns töten will, soll er das tun." Kenia brauche auf jeden Fall einen politischen Wechsel, sagt Otiengo. "Und wie bei jedem Umsturz sterben Leute, und andere überleben."

Sieben Tage hat die Wahlkommission Zeit, um das Ergebnis zu verkünden. Doch zuerst muss Kenia diesen Wahltag überstehen. 

Tag der Entscheidung in Kenia: Präsidentschaftswahl 2.0
Alexander Göbel, ARD Rabat, zzt. Nairobi
26.10.2017 08:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Oktober 2017 um 07:00 Uhr.

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