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Weihe für Frauen und Homosexuelle – damit hat die anglikanische Kirche viele konservative Geistliche verprellt. Eben diese wolle der Vatikan nun mit neuen Regeln zum Übertritt zum Katholizismus ermutigen, meinen die Anglikaner. Heute ist der Streit Thema eines Spitzentreffens.
Von Stefan Troendle, ARD-Hörfunkstudio Rom
Bei dem Gespräch zwischen dem Oberhaupt der anglikanischen Kirche und Papst Benedikt XVI. dürfte es vor allem um die päpstliche Konstitution gehen, die anglikanischen Geistlichen den Übertritt zum Katholizismus ermöglicht. Rom will diesen eine eigene Kirchenstruktur in der Form eines Personalordinariats anbieten - eine Art fiktives Bistum mit besonderen Spielregeln. So können beispielsweise auch verheiratete anglikanische Geistliche zum katholischen Glauben übertreten und Priester bleiben.
Seit dem Angebot Roms ist das Verhältnis zwischen beiden Kirchen belastet. Denn die Offerte wird auch als Aufforderung an konservative Anglikaner verstanden, doch den Glauben zu wechseln, wenn sie mit dem Kurs ihrer Kirche nicht mehr einverstanden sind. Zum Beispiel wegen der Bischofsweihe für Frauen oder der Ordination von Homosexuellen.
Der Vatikan betonte, es handle sich nicht um mutwilliges Abwerben sondern um ein Gesuch von anglikanischer Seite. Deren Chef, Erzbischof Williams von Canterbury, sprach im Vorfeld seines Rom-Besuchs von einer "notwendigen Klärung". Und bei einem Vortrag in der päpstlichen Universität Gregoriana sagte der anglikanische Primas vor zwei Tagen, katholische und anglikanische Kirche stünden sich näher, als der Vatikan eingestehe. Es gebe zwar theologische Unterschiede, aber die rechtfertigten nicht die Spaltung.
Freitagabend nun hat Bischof Williams zudem in einer Vesper mit dem für Ökumene zuständigen Kardinal Kasper eine Predigt gehalten. Dieser hatte betont, die Katholische Kirche wolle keine Mitglieder anderen Konfessionen abwerben. Aber man könne schließlich die Türen nicht verschließen, wenn jemand zum katholischen Glauben übertreten wolle.
Die Anglikaner hatten sich 1533 von der katholischen Kirche abgespalten, weil der Papst damals nicht die Ehe von König Heinrich dem VIII. annullieren wollte. Dieser machte sich anschließend selbst zum Oberhaupt der neuen Staatskirche, die weitgehend dem katholischen Glauben folgte. Kirchenkritiker werfen dem Vatikan nun vor, mit dem Angebot an die Anglikaner bemühe sich Rom einmal mehr um konservative Kreise. Bischof Williams war bereits 2006 und 2008 zu Gesprächen mit Benedikt XVI. im Vatikan zu Gast.
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