Ansicht von Katar | Bildquelle: picture alliance / Global Travel

Katar und die Islamisten Kontakte ja, Zusammenarbeit nein

Stand: 09.06.2017 08:41 Uhr

Unstrittig ist: Katar hat intensive Kontakte zu extremistischen Gruppen - und diese in der Vergangenheit auch für die Befreiung von Geiseln genutzt. Aber unterstützt das Emirat auch terroristische Gruppen?

Von Björn Blaschke, ARD-Studio Kairo

Es war endlich einmal eine gute Nachricht aus Syrien - im Herbst 2014: US-Journalist Peter Theo Curtis ist frei. 2012 war er verschleppt worden, die Al-Nusra-Front hatte ihn in ihren Fängen - die Gruppe, die Al-Kaida-Chef Ayman Al Zawaheri als offiziellen Syrien-Zweig des Terrornetzwerkes anerkannte. Dass die Geiselnahme dann zwei Jahre später - im Herbst 2014 - mit der Befreiung des Amerikaners glücklich ausging, hatte eine pikante Seite: die Rolle des Emirats Katar.

Peter Theo Curtis | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Curtis wurde eine Woche nach der Enthauptung James Foleys durch den IS freigelassen.

Der Nachrichtensender Al Jazeera, der seinen Hauptsitz in Katar hat und vom dortigen Herrscherhaus finanziert wird, verbreitete eine Erklärung des Außenministeriums in Doha: "Katar hat sich unnachgiebig um die Freilassung des Journalisten bemüht - aus Glauben Katars an die Prinzipien der Menschlichkeit, an das Leben des einzelnen Menschen und seines Rechtes auf Freiheit und Würde."

Katar vermittelte mehrfach

In den Folgejahren hat sich Katar mehrfach als Vermittler hervorgetan - auch im Winter 2015: Seinerzeit tauschten die libanesische Armee und die Al Nusra Gefangene aus. Al Jazeera war live dabei. Anwälte und Geheimdienstkreise mit entsprechenden Kontakten sollen die Aktionen mit der der Al-Nusra-Front vorbereitet haben.

Dieselben Quellen, die das sagen, sagen auch: Mit dem IS sei das nicht möglich gewesen. Der IS ermordete denn auch mehrere westliche Geiseln.

Vorwurf, Katar unterstütze Extremisten

Geiselbefreiung oder Gefangenenaustausch - das ging bisher allein mit der Al Nusra - und die Befreiten und ihre Angehörigen dürften den katarischen Vermittlern wohl ein Leben lang dankbar sein. Doch neben Dankbarkeit brachten derlei Aktionen der Führung von Katar auch den Vorwurf ein, Extremistengruppen zu unterstützen - wie erst jetzt wieder vom Außenminister Saudi-Arabiens formuliert.

Diesen Vorwurf bestreitet die katarische Führung immer und immer wieder. Der Emir von Katar, Scheich Tamim, sagte zum Beispiel vor Jahren während eines Deutschland-Besuchs: "Selbstverständlich unterstützt Katar kein Netzwerk und keine militante Gruppe in Syrien oder im Irak!"

Experten finden keine Beweise für Unterstützung

Dass die Führung Katars eben nicht in die Finanzierung von Terrororganisationen vom Schlage IS und Al Kaida verwickelt ist, behaupten auch viele Fachleute. Ja, so sagen sie, Katar hege Kontakte zu militanten Islamisten vom Schlage Al Kaidas; Kontakte bedeuteten aber nicht, dass die Spitze Katars mit den fraglichen Gruppen zusammenarbeitet, sie finanziert oder sonst wie unterstützt. Dafür gebe es keine bekannten Beweise.

Umgekehrt ist klar, dass zum Beispiel Saudi-Arabien in Syrien Gruppen protegiert, die der Ideologie von Al Kaida und IS kaum nachstehen. Allerdings hat Katar - das steht außer Frage - prominenten Anhängern der Muslimbruderschaft Exil gewährt. Wie auch Mitgliedern der palästinensischen Hamas, die aus der Muslimbruderschaft hervorgegangen ist. Und beide Organisationen gelten in Ägypten wie auch in Saudi-Arabien als terroristische Vereinigungen.

Das Herrscherhaus von Katar - Ein Finanzier des Terrors?
B. Blaschke, ARD Kairo
08.06.2017 21:08 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 08. Juni 2017 um 15:00 Uhr.

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