Ansicht von Katar | Bildquelle: picture alliance / PIXSELL

Nach Blockade des Emirats Widersprüchliche US-Signale zu Katar

Stand: 09.06.2017 22:56 Uhr

Die USA schlagen in der Krise um Katar gegensätzliche Töne an: US-Außenminister Tillerson rief die Golfstaaten auf, das Embargo gegen Katar aufzuheben - es erschwere unter anderem den Kampf gegen den IS. Trump und das US-Verteidigungsministerium äußerten sich ganz anders.

Die US-Regierung hat widersprüchlichen Signale zur schwelenden Krise am Golf gesendet: Nur eine Stunde nachdem US-Außenminister Rex Tillerson an die arabischen Länder appelliert hatte, die Streitigkeiten untereinander zu beenden und die Blockade gegen Katar aufzuheben, äußerte sich US-Präsident Donald Trump ganz anders.

Während einer Pressekonferenz mit dem rumänischen Staatschef Iohannis brandmarkte er Katar als langjährigen finanziellen Unterstützer extremistischer Gruppen. Wörtlich sagte Trump: "Katar ist leider seit Jahren ein Finanzier von Terrorismus und das auf sehr hohem Niveau". Damit müsse endlich Schluss sein.

Donald J. Trump @realDonaldTrump
So good to see the Saudi Arabia visit with the King and 50 countries already paying off. They said they would take a hard line on funding...

Der US-Präsident hatte schon zu Beginn der Krise den Konflikt mit seinen Twitterbotschaften zusätzlich angeheizt. Trump stellte sich voll hinter Saudi-Arabien und lobte die Strafmaßnahmen der arabischen Länder gegen Katar als Erfolg seiner Nahostreise.

Tillerson weist auf "humanitäre Folgen" hin

Dagegen rief der amerikanische Außenminister alle beteiligten Länder zu einer Deeskalation der Krise auf. Er begründete dies unter anderem mit dem Kampf gegen die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat". Die von mehreren Staaten des Nahen Ostens gegen Katar verhängte Blockade "behindert die US-Militäraktionen in der Region und die Offensive gegen den IS", sagte er.

Außerdem begründete Tillerson seine Forderung damit, dass das Embargo "humanitäre" Folgen für die katarische Bevölkerung habe. Dazu zählten zum Beispiel Nahrungsmittelknappheit und dass Geschäftsaktivitäten der USA und anderer Länder in der Region erschwert würden.

Zugleich appellierte Tillerson an Katar, die Anliegen der anderen Länder ernst zu nehmen. Der katarische Emir Tamim bin Hamad Al Thani müsse noch mehr im Kampf gegen den Terrorismus tun.

In Washington wurde gerätselt, ob sich Trump und Tillerson bewusst mit verteilten Rollen äußern oder ob es an Abstimmung zwischen Weißem Haus und Außenministerium mangelt.

Gegensätzliche Position zum Pentagon

Kurz vor Tillerson hatte bereits ein Pentagon-Sprecher eine gegensätzliche Position bezogen und gesagt, die Katar-Blockade habe bislang "überhaupt keine Auswirkungen" auf die US-Operationen. Die USA haben in Katar ihre größte Militärbasis in der Region. Rund 10.000 Soldaten sind dort stationiert.

Sanktionen seit Montag

Saudi-Arabien und seine Verbündeten hatten am Montag überraschend die diplomatischen Beziehungen zu Katar gekappt und eine Blockade gegen das Golfemirat verhängt. Begründet wurde das Vorgehen mit Katars Verbindungen zu "Terrororganisationen" sowie seiner freundschaftlichen Beziehungen zum Iran, die besonders Riad verärgern.

Katar bereit, zu verhandeln

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel hatte nach einem Treffen mit seinem katarischen Kollegen Mohammed al-Thani gefordert, im Dialog müsse alles für eine Aufhebung der See- und Luftblockade und eine Lösung der Probleme getan werden.

Katar erklärte indes, man sei bereit zu Verhandlungen mit seinen Widersachern. Sein Land halte die Diplomatie für den besten Weg zur Lösung der Krise und nicht eine Eskalation, sagte Katars Außenminister Al Thani nach dem Gespräch mit Gabriel in Wolfenbüttel.

Mit Informationen von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Juni 2017 um 21:00 Uhr

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