Ein Stadion in Katar | Bildquelle: REUTERS

Kritik an WM in Katar "Hören Sie etwas von der FIFA? Ich nicht!"

Stand: 07.06.2017 12:02 Uhr

Nach den Terrorismusvorwürfen wird Katar als WM-Gastgeber zunehmend infrage gestellt. Die Sportausschuss-Vorsitzende des Bundestags, Freitag, forderte eine Reaktion der FIFA. Man könne sich derzeit nur mit Mühe vorstellen, "dass dort ein sportliches Weltereignis stattfinden soll".

Dagmar Freitag | Bildquelle: Die Hoffotografen GmbH
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Die Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses, Dagmar Freitag, hat die Zurückhaltung des Fußball-Weltverbandes in der Debatte um die WM 2022 in Katar bemängelt.

Die Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses, Dagmar Freitag, hat die Zurückhaltung des Fußball-Weltverbandes in der Debatte um die WM 2022 in Katar bemängelt. "Insbesondere von der FIFA, hören Sie etwas im Moment? Ich jedenfalls nicht", sagte die SPD-Politikerin im RBB-Inforadio. "Zum jetzigen Zeitpunkt" könne man sich nur mit Mühe vorstellen, dass "dort ein sportliches Weltereignis stattfinden soll", sagte sie, betonte aber: "Wir dürfen natürlich auch nicht vergessen: Wir sprechen über das Jahr 2022, das ist noch eine Zeit hin."

Absage sehr unwahrscheinlich

Saudi-Arabien und weitere arabische Staaten hatten alle diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen. Sie werfen dem Golf-Emirat unter anderem die Unterstützung von Terrororganisationen vor. An eine Verlegung der Fußball-Weltmeisterschaft in fünf Jahren glaubt Freitag jedoch nicht wirklich. "Das sollte mich jedenfalls sehr wundern", sagte die SPD-Politikerin.

Auch von anderen deutschen Spitzenpolitikern wird Katar als WM-Gastgeber mehr denn je infrage gestellt. "Die Vorwürfe wiegen zu schwer. Die Diskussion über die Austragung der Fußballweltmeisterschaft in Katar muss ernsthaft geführt werden", sagte Unionsfraktionschef Volker Kauder der "Passauer Neuen Presse". Das Emirat müsse nun zur Aufklärung beitragen.

Roth fordert DFB zum Handeln auf

Reinhard Grindel | Bildquelle: dpa
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Reinhard Grindel schloss einen Boykott der WM nicht grundsätzlich aus.

"Die aktuelle Entwicklung ist nur ein weiterer trauriger Beleg dafür, dass Katar als Austragungsort für eine Fußball-WM denkbar ungeeignet ist", sagte die grüne Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth der "Welt". Sie forderte DFB-Präsident Reinhard Grindel auf, sich als Mitglied des FIFA-Councils für klare Kriterien bei WM-Vergaben einzusetzen.

Grindel hatte betont, dass er die Situation in Katar mit der Bundesregierung erörtern wolle. Zudem schloss Grindel einen Boykott der Fußball-WM 2022 nicht mehr grundsätzlich aus. "Es sind noch fünf Jahre bis zum Anpfiff. Aber eines steht fest: Grundsätzlich sollte sich die Fußballgemeinschaft weltweit darauf verständigen, dass große Turniere nicht in Ländern gespielt werden können, die aktiv den Terror unterstützen", sagte Grindel in einem DFB-Interview.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 07. Juni 2017 um 06:00 Uhr.

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