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Demonstration für die Unabhängigkeit kataloniens in Arenys de Munt (229)

Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien

"Wir ähneln eher Deutschland als Spanien"

Die Finanzkrise hat nicht nur Auswirkungen auf die spanische Wirtschaft: Auch die Unabhängigkeitsbewegung der autonomen Region Katalonien bekommt großen Zulauf. Die Katalanen sehen sich als Zahlmeister für das ganze Land - und wollen sich daher von Spanien lossagen.

Von Reinhard Spiegelhauer, ARD-Hörfunkstudio Madrid

Arenys de Munt ist für viele Katalanen, die sich einen eigenen Staat wünschen, eine Vorzeigestadt. Bei den letzten Kommunalwahlen haben fast drei Viertel der Wähler ihr Kreuz für eine von drei Parteien gemacht, die mehr oder minder offen für die Abspaltung von Spanien eintreten.

Und an den Balkonen vieler Häuser hängt nicht einfach die Senyera, die gelb-rot gestreifte Flagge Kataloniens, sondern die Estelada, die zusätzlich einen weißen Stern auf blauem Dreieck zeigt. Sie ist die Flagge der Separatisten, die gerne Katalonien, die Balearen, Teile der Region Valencia und sogar einige in Frankreich liegende Gebiete in einem eigenständigen katalanischen Staat vereint sähen.

"Ich glaube, wir sind einfach anders, als der Rest Spaniens. In allem", sagt Jose, einer der Einwohner von Arenys de Munt. "Es ist nicht nur die Sprache - es ist unsere Kultur, unser Denken und Fühlen. Ich denke, es ist eine Frage der Lebenseinstellung, das ist es. Wir ähneln eher bestimmten Gegenden Deutschlands als Spaniens."

Unabhängigkeitsdebatte Katalonien: „Wir sind ja vielleicht eher Deutsche als Spanier“
R. Spiegelhauer, ARD Madrid
31.10.2012 16:20 Uhr

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95 Prozent der Wahlteilnehmer wollen Unabhängigkeit

Vor gut drei Jahren veranstalteten Separatisten in Arenys de Munt ein inoffizielles Referendum über die Zukunft Kataloniens. 40 Prozent der Wahlberechtigten nahmen Teil - und 95 Prozent davon votierten dafür, dass Katalonien ein unabhängiger EU-Mitgliedsstaat werden solle. Ein deutliches Ergebnis, gemessen daran, dass auch die Wahlbeteiligung an den letzten Kommunalwahlen nur 55% betrug.

Wahllokal in Arenys de Munt
galerie

Vor drei Jahren stimmten die Bewohner von Arenys de Munt über die Unabhängigkeit ab - mit eindeutigem Ergebnis.

Arenys de Munt wurde damit zum Zündfunken für eine Serie ähnlicher Referenden in ganz Katalonien. Auch in Palafrugell, gut 50 Kilometer nordöstlich an der Costa Brava gelegen, gab es ein inoffizielles Referendum. Ja, auch hier seien viele für die Unabhängigkeit, sagt Juan Carlos, der ein kleines Familienhotel direkt am Strand führt: "Natürlich sind die Kultur und die Wurzeln wichtig, aber angesichts der weltweiten Krise ist es doch so: Wenn Katalonien in den vergangenen drei Jahren eigenständig gewesen wäre, hätten uns die Folgen weit weniger getroffen."

"Ganz Katalonien wird kämpfen müssen"

Viele Katalanen sehen nicht ein, dass zwei Drittel des Einkommensteuer-Aufkommens in Madrid landen. "Wir füttern den Süden durch", beschweren sie sich. Und deswegen wolle Madrid Katalonien auf keinen Fall in die Unabhängigkeit entlassen.

Er rechne fest mit einem Warenboykott, und damit, dass Kapital abgezogen werde, wenn Katalonien unabhängig würde, sagt Juan Carlos. Aber Angst habe er nicht: "Es wird passieren und wir müssen stark sein, ich bin mir dessen bewusst. Ganz Katalonien wird kämpfen müssen, die kleinen, mittelständischen und großen Unternehmen. Sicher werden auch einige von hier weggehen. Wenn wir die Tür aufstoßen, müssen wir alle hindurch gehen, Unternehmer und Arbeiter, alle zusammen."

Von den Wahlen am 25. November erhofft sich Juan Carlos den endgültigen Aufbruch. Denn der bisher gemäßigte Ministerpräsident Artur Mas stellt sich mit einem offen separatistischen Programm zur Wiederwahl. Das Ziel: bis 2020 einen unabhängigen katalanischen Staat innerhalb der EU zu errichten.

Dieser Beitrag lief am 31. Oktober 2012 um 14:21 Uhr auf NDR Info.

Stand: 31.10.2012 20:12 Uhr

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