Einheiten der Guardia Civil gehen gegen Menschen vor, die bei Girona vor einem zum Wahllokal umfunktionierten Sportcenter warten, | Bildquelle: dpa

Unabhängigkeitsreferendum Zahlreiche Verletzte in Katalonien

Stand: 01.10.2017 18:57 Uhr

Beim Versuch der spanischen Polizei, das Referendum in Katalonien zu verhindern, sind zahlreiche Menschen verletzt worden. Barcelonas Bürgermeisterin und die katalanischen Behörden sprechen von mehr als 460 Verletzten. Madrid verteidigt das Vorgehen der Polizei.

Bei den Zusammenstößen zwischen der spanischen Polizei und Demonstranten während des Unabhängigkeitsreferendums in Katalonien sind offenbar Hunderte Menschen verletzt worden. Barcelonas Bürgermeisterin und die katalanischen Behörden sprachen von mehr als 460 Verletzten. Bürgermeisterin Ada Colau forderte die spanische Polizei auf, nicht mehr gegen die "wehrlose Bevölkerung" vorzugehen. Nach Angaben des spanischen Innenministeriums wurden auch elf Polizisten verletzt.

Videos und Bilder der Einsätze verbreiteten sich rasch in den sozialen Netzwerken. Auch entschiedene Gegner des Referendums und der Unabhängigkeit zeigten sich bestürzt. Einer der angesehensten TV-Journalisten Spaniens, Jordi Évole, der die illegale Abstimmung bisher scharf kritisiert hatte, postete auf Twitter: "Diejenigen, die sich diesen Plan zur Verhinderung des Referendums ausgedacht haben, wissen womöglich nicht, dass sie vielleicht den endgültigen Weggang Kataloniens eingeleitet haben." Der einflussreiche Chef der katalanischen Sozialisten (PSC), Miquel Iceta, ebenfalls ein Gegner der Separatisten, forderte, den "inakzeptablen" und "unverhältnismäßigen" Polizeieinsatz sofort einzustellen.

Hunderte Verletzte bei Referendum in Katalonien
tagesschau 20:00 Uhr, 01.10.2017, Stefan Schaaf, ARD Madrid, zzt. Barcelona

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Unklar bleibt, an wie vielen Wahllokalen sich solche Szenen abgespielt haben. Klar ist, dass auch Tausende Katalanen ruhig und ungestört ihre Stimme abgeben konnten. An vielen Orten war überhaupt keine Polizei zu sehen, die Wähler standen in langen Schlangen vor den Urnen an. Ebenso gibt es Bilder, die zeigen, wie eine Gruppe Unabhängigkeits-Befürworter spanische Polizisten angreift.

FC Barcelona spielt vor leeren Rängen

Die spanische Vize-Regierungschefin Soraya Saenz de Santamaria erklärte, die Polizei habe angemessen und professionell in Katalonien gehandelt. Es sei absolut unverantwortlich von der katalanischen Regionalregierung, die Abstimmung abzuhalten.

Der FC Barcelona trug aus Protest gegen den Polizeieinsatz sein Heimspiel gegen UD Las Palmas unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus. Das Spiel werde hinter verschlossenen Türen stattfinden, nachdem die spanische Fußball-Liga eine Absage der Partie abgelehnt habe, erklärte der Club auf seiner Internetseite.

Offenbar Gummigeschosse eingesetzt

Gegen Mittag hatte es Berichte über mindestens 38 Verletzte bei einem Zusammenstoß zwischen Polizei und Demonstranten in Barcelona gegeben. Dazu kam es, als Polizisten gewaltsam in eine Schule im Stadtzentrum eindrangen, um Wahlurnen zu beschlagnahmen. Als sie das Gebäude wieder verlassen wollten, versperrten ihnen Hunderte Demonstranten den Weg und versuchten, den Abtransport der beschlagnahmten Wahlurnen zu verhindern.

Laut Augenzeugen setzte die Polizei auch Gummimunition ein. Wie das Innenministerium in Madrid via Twitter mitteilte, wurden Einsatzkräfte mit Steinen beworfen.

In Girona drangen Polizisten gewaltsam in eine als Wahllokal genutzte Sporthalle ein, in der der katalanische Regionalpräsident Carles Puigdemont seine Stimme abgeben sollte. Behelmte Polizisten mit Schutzausrüstung schlugen die gläserne Eingangstür ein. Puigdemont wich daraufhin auf ein Wahllokal im Dorf Cornella del Terri aus und gab dort seine Stimme ab. Er verurteilte die "ungerechtfertigte" und "unverantwortliche" Gewalt, mit der der spanische Staat gegen friedliche Demonstranten vorgehe.

Der Vertreter der Zentralregierung in Katalonien, Enric Millo, verteidigte das Eingreifen der Polizei. "Wir mussten etwas unternehmen, was wir nicht machen wollten", sagte er. Die Aktionen der Sicherheitskräfte zielten dabei nicht auf die Wähler, "die sich aus freien Stücken den Wahlbüros genähert haben, um ihre Meinung auszudrücken", sondern auf die Beschlagnahmung von Wahlurnen und Wahlzetteln ab.

Menschen vor einem Wahllokal in Barcelona | Bildquelle: AP
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An Wahllokalen in Barcelona bildeten sich lange Schlangen.

Kurzfristig neue Wahllokale eingerichtet

Regionalpräsident Puigdemont betonte, jeder, der abstimmen wolle, könne das tun. Seine Regionalregierung verkündete am Vormittag, mehr als 70 Prozent der 6000 Wahllokale seien trotz des Polizeieinsatzes an machen Orten geöffnet. Die katalanische Regionalregierung richtete zudem kurzfristig neue Wahllokale ein.

Der katalanische Minister Raul Romeva hatte am Morgen allerdings Schwierigkeiten eingestanden. Trotzdem würden alle wählen können, die das wünschen. Es reiche, in irgendeinem Wahllokal vorstellig zu werden. Mithilfe eines Computerprogramms werde sichergestellt, dass Menschen nicht zweimal wählen können.

Katalanische Polizei untätig

Eigentlich hatte bereits die katalanische Regionalpolizei Mossos d'Esquadra den Befehl, Schulen und andere Wahllokale noch am Morgen abzuriegeln. Sie war jedoch erst vor dem Referendum Madrid unterstellt worden. Dem Befehl kam sie nicht nach und blieb passiv. Die Generalstaatsanwaltschaft will deswegen Ermittlungen aufnehmen.

Der Einsatz gegen die katalanischen Unabhängigkeitsbefürworter wurde deswegen von der Nationalen Polizei und der Guardia Civil durchgeführt. Die Einsatzkräfte waren zum Großteil bereits in der Stadt, ein massives Aufgebot hatte die spanische Zentralregierung im Hafen stationiert.

Spanien spricht von Betrug

Die spanische Regierung kritisiert die Abstimmung als eine Farce. Millo, sprach als Vertreter der Zentralregierung von Betrug - und betonte, dass die Volksabstimmung keinerlei rechtliche Wirkung habe. Am rechtlichen Status von Katalonien werde sich deshalb nichts ändern.

Mit Informationen von Marc Dugge, ARD-Studio Madrid

Katalonien stimmt ab - oder nicht
M. Dugge, ARD Madrid
01.10.2017 06:35 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Oktober 2017 um 13:15 Uhr.

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