Straßenblockaden in Barcelona | Bildquelle: REUTERS

Katalonien-Konflikt Generalstreik und Proteste

Stand: 08.11.2017 13:18 Uhr

Die Demonstranten blockieren Autobahnen und Eisenbahngleise, Hunderte Firmen und Büros sind geschlossen. In der spanischen Region Katalonien legt ein Generalstreik von Unabhängigkeitsbefürwortern Teile des öffentlichen Lebens lahm.

Proteste von Unabhängigkeitsbefürwortern haben in Katalonien zu schweren Verkehrsbehinderungen geführt. An vielen Autobahnen und Schnellstraßen sind Streikposten aufgebaut: Die Demonstranten blockieren die Fahrbahnen an mehr als 70 Stellen - vor allem auf den Straßen, die ins Zentrum von Barcelona führen. Im Berufsverkehr sorgte das für kilometerlange Staus.

Busse und Bahnen boten teilweise nur einen Notdienst an. Andere Streikende haben sich an Eisenbahnstrecken postiert - die Hochgeschwindigkeitsstrecke von Barcelona in Richtung Frankreich ist unterbrochen. Der Betrieb in Geschäften und Unternehmen lief offenbar dennoch weitgehend normal.

Blockade eines Busbahnhofes in Barcelona | Bildquelle: AFP
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Polizisten versuchen eine Blockade einer Busstation in Barcelona aufzulösen.

Zu dem Streik aufgerufen hatte die Gewerkschaft CSC, die eine Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien unterstützt. Mehrere andere Gewerkschaften schlossen sich dem Aufruf an. Die Organisatoren betonen, dass sie gegen die - ihrer Meinung nach - schlechten Arbeitsbedingungen in Katalonien protestieren. Der Streik habe nicht direkt etwas mit der Unabhängigkeitsbewegung zu tun. Allerdings standen an vielen Straßen Demonstranten, die "Freiheit für politische Gefangene" riefen, wie auf Videoaufnahmen zu sehen war.

Weitere Kundgebungen geplant

Die Unabhängigkeitsbewegung will den Tag heute ebenfalls für Aktionen nutzen: Am Nachmittag sind Demonstrationen vor Gebäuden der Regionalregierung in sieben Städten gleichzeitig geplant, unter anderem in Barcelona und Girona. Für den Abend wird außerdem zu einer Kundgebung vor dem Rathaus von Barcelona aufgerufen. Der Protest richtet sich vor allem dagegen, dass katalanische Politiker in Untersuchungshaft sitzen - auf Anordnung der spanischen Justiz. Das kritisiert auch die größte Lehrergewerkschaft in Katalonien und schließt sich dem Streik an: Etliche Schulen bleiben geschlossen, Tausende Schüler und Studenten beteiligen sich an den Aktion in der Region.

Rajoy hofft auf Normalität und Gesetzestreue

Der spanische Ministerpräsident Rajoy spricht im Parlament in Madrid | Bildquelle: dpa
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Der spanische Ministerpräsident Rajoy im Parlament in Madrid

Nach der Unabhängigkeitserklärung Kataloniens hatte die spanische Regierung die Regionalregierung abgesetzt und die Verwaltung der autonomen Region übernommen. Mehrere katalanische Politiker wurden unter dem Vorwurf der Rebellion in Haft genommen. Für den 21. Dezember wurden Neuwahlen in der autonomen Region angesetzt. Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy verspricht sich von den Regionalwahlen eine Rückkehr zu Normalität und Gesetzestreue. "Ich hoffe, dass die Wahlen ein neues politisches Zeitalter der Koexistenz eröffnen, in dem die Gesetze geachtet werden und sich die Wirtschaft Spaniens erholt", sagte Rajoy in Madrid.

Generalstreik legt Teile des Öffentlichen Lebens in Katalonien lahm
Oliver Neuroth, ARD Madrid
08.11.2017 13:39 Uhr

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Mit Informationen von ARD-Korrespondent Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 08. November 2017 um 13:38 Uhr.

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