Spanische und katalanische Flagge an einem Balkon-Geländer | Bildquelle: dpa

Katalonien Abspaltungsgegner drohen mit Abspaltung

Stand: 28.12.2017 04:25 Uhr

Skurrile Wendung im Katalonien-Konflikt: Innerhalb der Region gibt es eine Region, die sich von den Abspaltern abspalten möchte. Gedacht war das als Gag. Doch die Kampagne findet immer mehr Unterstützer.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Die Idee ist nicht neu: Seit Jahren schon wollen viele Katalanen an der Mittelmeerküste nicht mehr zum Rest Kataloniens gehören. Sie nennen ihr Gebiet "Tabarnia". Es umfasst die Städte Barcelona und Tarragona, außerdem die angrenzenden Landstriche. Das Besondere: In diesem Bereich sind die Befürworter einer Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien schwach. Bei der Regionalwahl vergangene Woche hat eine deutliche Mehrheit dort für Parteien gestimmt, die Katalonien nicht von Spanien abspalten wollen.

Nach der Wahl entstand die Idee, eine Online-Petition zu starten. Das Ziel: "Tabarnia" zu einer eigenen spanischen Region zu machen, die nichts mit den katalanischen Gebieten zu tun hat, in denen die Separatisten stark sind.

Eine "sehr erfinderische Idee"

Francisco Marhuenda, Direktor der konservativen Zeitung "La Razón", hält das für einen interessanten Vorstoß. Es sei eine "sehr erfinderische Idee", sagt er. "Das Ganze macht den Unabhängigkeitsprozess ein Stück weit kaputt. Denn bei der Wahl hat sich ja klar gezeigt, dass es zwei Katalonien gibt: Ein Katalonien, das weltoffen ist, europäisch, fortschrittsdenkend, das bei Spanien bleiben will. Und ein Katalonien, das Herrn Puigdemont repräsentiert, das rückwärtsgewandt ist."

Die Macher der Kampagne zählen weitere Argumente auf, warum "Tabarnia" nicht zu Katalonien gehöre. So hätten etwa Umfragen ergeben, dass die meisten Bewohner dort hauptsächlich Spanisch sprechen und nicht Katalanisch. Auf der Website heißt es, "Tabarnia" sei "eine Region, die sich in vielen Aspekten vom Rest der Region unterscheidet, zu der sie gehört". Die Initiatoren der Petition wählen damit ähnliche Worte wie die Unabhängigkeitsbefürworter - die immer wieder die ihrer Meinung nach deutlichen Unterschiede zwischen Spanien und Katalonien herausstellen.

Carlos Carrizosa, katalanischer Parlamentsabgeordneter der liberalen Partei Ciudadanos, sieht weitere Parallelen in der "Tabarnia"-Kampagne: "Die Macher sagen, dass die Menschen in 'Tabarnia' sehr wütend seien, weil Katalonien das Gebiet ausraube. Denn diese Zone ist die reichste Kataloniens und füttert die anderen ein Stück weit mit durch." Man sei nicht auf der Seite der "Tabarnia"-Unterstützer, sagt er. "Aber die Kampagne hält den Separatisten und ihren Forderungen quasi den Spiegel vor und zeigt, dass sie absolut unvernünftig sind."

Eigene Fahnen geplant

Ciudadanos-Chef Albert Rivera twitterte: "Wenn die Nationalisten das nicht existierende Recht auf Teilung beanspruchen, dann kann es jeder tun. Aber ich bevorzuge die Einheit." Und für die spanischen Sozialisten ist der einzige Zweck der Kampagne, die Schwächen der Unabhängigkeitsbewegung aufzuzeigen - so formuliert es jedenfalls ein Sprecher.

Die Initiatoren der "Tabarnia"-Kampagne wollen als nächsten Schritt eigene Fahnen herstellen. Diese sollen sowohl das Logo der Flagge von Barcelona beinhalten als auch das der Flagge von Tarragona. Auf der Website heißt es, mit den neuen Fahnen sollten die Balkone der betroffenen Region geflutet werden.

Sollte die Petition sechs Millionen Unterstützer haben, wollen die Initiatoren einen Weg einschlagen, der ebenfalls sehr an den der Unabhängigkeitsbewegung erinnert: Sie verlangen dann ein Referendum über die Loslösung "Tabarnias" von Katalonien. Allerdings sind sechs Millionen Unterstützer hoch gepokert – wo Katalonien doch gerade einmal siebeneinhalb Millionen Einwohner hat.

Unabhängiges Barcelona? Jetzt drohen Spanien-Anhänger mit Abspaltung
Oliver Neuroth, ARD Madrid
27.12.2017 20:01 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Dezember 2017 um 05:45 Uhr.

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