Mit spanischen Flaggen für die Einheit des Landes: Männer in Barcelona | Bildquelle: AP

Katalonien Unabhängigkeitsgegner machen mobil

Stand: 29.10.2017 10:56 Uhr

Die Separatisten haben in Katalonien offiziell nicht mehr das Sagen, doch die abgesetzte Regionalregierung erkennt ihre Entmachtung weiter nicht an. Umfragen zufolge bröckelt aber ihre Unterstützung. Und die Befürworter der Einheit des Landes machen mobil.

Nach der Entmachtung der katalanischen Separatisten durch die spanische Zentralregierung in Madrid ist es in der Region ruhig geblieben. Die allgemein befürchteten Proteste der Unabhängigkeitsbefürworter gegen die Absetzung der Regierung von Carles Puigdemont blieben bislang sowohl in Barcelona als auch in anderen Gebieten Kataloniens aus.

Die abgesetzte Regionalregierung samt Präsident Carles Puigdemont erkennen ihre Entmachtung nicht an. Puigdemont "ist und wird Präsident des Landes bleiben", er weise den "Staatsstreich" Madrids zurück, schrieb Vizepräsident Oriol Junqueras in einem Beitrag für die katalanische Zeitung "El Punt Avui". Der Beitrag ist mit "Vizepräsident der Regierung Kataloniens" unterzeichnet. Puigdemont hatte zuvor die Katalanen zum "demokratischen Widerstand" gegen die Zwangsverwaltung durch die Zentralregierung in Madrid aufgerufen.

Umfrage sieht Pro-Spanier vorn

In Umfragen bröckelt jedoch die Basis für die Separatisten. Demnach verlieren die Unabhängigkeitsbefürworter ihre Mehrheit, die Gegner einer Loslösung von Spanien liegen vorn. Die Umfrage von Sigma Dos wurde in der pro-spanischen Zeitung "El Mundo" veröffentlicht. Sie bekommt mit Blick auf die von Madrid angesetzten Wahlen in der Region am 21. Dezember besondere Brisanz.

Kataloniens entmachteter Regierungschef Carles Puigdemont hält eine Fernsehansprache | Bildquelle: AP
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Kataloniens entmachteter Regierungschef Puigdemont ...

Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy auf einer Pressekonferenz. | Bildquelle: REUTERS
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... und Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy.

Ministerpräsident Mariano Rajoy will den katalanischen Unabhängigkeitsbestrebungen mit Neuwahlen den Wind aus den Segeln nehmen. Damit sollen die Kräfteverhältnisse im Regionalparlament geklärt und letztlich wohl eine Nachfolgerin der von ihm abgesetzten Regierung von Regionalpräsident Puigdemont bestimmt werden. Rajoy hat für seine Katalonien-Politik die oppositionelle Sozialistische Partei, die liberale Ciudadanos-Partei, die die Opposition im katalanischen Regionalparlament anführt und auch die Europäische Union und viele EU-Staats- und Regierungschefs hinter sich. "Niemand wird Katalonien jemals als unabhängiges Land anerkennen. Das Referendum war illegal. Die Rechtsordnung muss wieder hergestellt werden", bekräftigte der Präsident des Europäischen Parlaments, Antonio Tajani, die Position der EU. Eine EU-Vermittlung zwischen Spanien und Katalonien lehnte er erneut ab.

Gegner der Unabhängigkeit wollen demonstrieren

Bis zum 21. Dezember ist es aber noch lange hin - und bislang war die Lobby in der Region für eine Abspaltung von Spanien lauter und energischer darin, ihre Forderungen kund zu tun. Immer wieder mobilisierte sie Zehntausende Menschen. Doch es gibt auch die andere Seite. Gestern demonstrierten in Madrid mehrere Tausend Menschen für die Einheit des Landes. In die Fahne Spaniens gehüllt oder fahnenschwenkend riefen sie: "Es lebe Spanien!". Die Demonstranten ließen Rajoy hochleben und forderten die Festnahme Puigdemonts.

Für heute Mittag ist eine pro-spanische Demonstration in Barcelona geplant. Die Organisatoren, Societat Civil Catalan, gaben als Ziel der Kundgebung den Schutz der spanischen Einheit und die "Ablehnung eines beispiellosen Angriffs in der Geschichte der Demokratie" aus. Das Motto sei: "Wir sind alle Katalonien. Gesunder Menschenverstand für Koexistenz!" Vor drei Wochen hatte die Societat Civil Catalan bereits zu einer Demonstration aufgerufen, zu der Hunderttausende kamen.

Spanier demonstrieren in Madrid für die Einigkeit ihres Landes. | Bildquelle: AP
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Tausende demonstrierten am Samstag in Madrid für die Einigkeit ihres Landes.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 29. Oktober 2017 um 11:00 Uhr.

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