Menschen protestieren gegen die Verhaftung von Aktivisten in Katalonien | Bildquelle: AP

Nach Verhaftungen Sie mobilisieren Katalonien

Stand: 17.10.2017 17:11 Uhr

Zehntausende Menschen sind in Barcelona gegen die Inhaftierung zweier Aktivisten auf die Straße gegangen. Sie legten in mehreren Städten die Arbeit nieder. Die beiden Aktivisten spielen eine entscheidende Rolle in der Unabhängigkeitsbewegung.

Von Marc Dugge, ARD-Studio Madrid

In Spanien kennt man sie als "die zwei Jordis": Jordi Sanchez und Jordi Cuixart. Beide haben aber viel mehr gemein als nur den Vornamen. Sie sind die Frontmänner von zwei Organisationen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen: Die Unabhängigkeit Kataloniens. Nach ihrer Verhaftung zirkulierten zwei Videos, in denen sie ihren Anhängern auf Katalanisch Mut machen. "Sie werden uns nicht einknicken lassen, wir bleiben entschlossen", sagt Jordi Sanchez. "Visca la República Catalana - Es lebe die Republik Katalonien", ruft Jordi Cuixart seinen Unterstützern zu.

Katalanische Aktivisten festgenommen
tagesschau 20:00 Uhr, 17.10.2017, Natalia Bachmayer, ARD Madrid

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Cuixart ist Vorsitzender von Òmnium Cultural, einer Organisation, die sich schon seit der Zeit der Franco-Diktatur dafür einsetzt, die katalanische Sprache und Kultur zu fördern - und die seit fünf Jahren offen für die Unabhängigkeit eintritt. Sie hat nach eigenen Angaben rund 70.000 Mitglieder und ein Jahresbudget von rund viereinhalb Millionen Euro - bei besonderen Anlässen kann es aber auch kräftig steigen.

"Unsere beiden Organisationen finanzieren sich aus privaten Quellen, dem, was uns unsere Mitglieder geben", sagte Jordi Cuixart kürzlich vor Journalisten. "Wir bei Òmnium setzen uns für sozialen Zusammenhalt ein, wir geben beispielsweise Katalanischkurse für Neuankömmlinge in Katalonien. Hier arbeiten wir mit mehreren Stadtverwaltungen zusammen. Wir setzen auf absolute Transparenz."

Umstrittene Geldgeber

Für ihre Finanzierung erntet Òmnium aber auch viel Kritik. Denn zu den besonders großzügigen Spendern gehörte spanischen Medienberichten zufolge auch die Regionalregierung von Katalonien. Sie soll die Organisation über Jahre mit Millionenbeträgen subventioniert, diese Hilfen aber mittlerweile eingestellt haben.

Sicher ist: Die Politiker Kataloniens sind eng mit diesen Organisationen verbunden. Wie eng die Verknüpfung ist, zeigt sich am Beispiel der aktuellen Präsidentin des Regionalparlaments in Barcelona: Sie war bis 2015 Vorsitzende der anderen großen Separatistenorganisation Kataloniens, der Assemblea Nacional Catalana, kurz ANC. Die Vizepräsidentin Natalia Esteve: "Die Assamblea ist eine politische Lobbygruppe, auch wenn Lobby nicht gut klingt. Aber wir üben politischen Druck aus, um die Bedingungen dafür zu schaffen, einen unabhängigen Staat zu errichten."

Menschen protestieren gegen die Verhaftung von Aktivisten in Katalonien | Bildquelle: AP
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Zehntausende Menschen sind in Barcelona gegen die Inhaftierung zweier Aktivisten auf die Straße gegangen.

Organisationen wollen mobilisieren

Der ANC ist eine mächtige Bürgerinitiative, die in Gemeinden, Stadtteilen und Landkreisen präsent ist. Außerdem ist sie in verschiedenen Berufsbranchen organisiert. Sie soll aktuell über 30.000 aktive Mitglieder haben. Ihre Schlagkraft zeigen die Organisationen jedes Jahr am 11. September bei der "Diada", dem Nationalfeiertag in Katalonien. Sie kümmern sich um die Busse, die Tausende aus ganz Katalonien nach Barcelona zur Massendemonstration bringen. Und sie kümmern sich um die Inszenierung: In diesem Jahr formten die Menschen zusammen ein großes X - wie das Kreuz für einen Stimmzettel. Die Separatisten, sagen manche Katalanen spöttisch, müssen sich in Sachen Masseninszenierung nicht hinter Nordkorea verstecken.

Auch am 1. Oktober, am Tag des Referendums, machten die Organisationen mobil. Natalia Esteve vom ANC gab Anfang September ihre Prognose ab, was an jenem Tag geschehen würde: "Der spanische Staat wird wieder einmal verschwunden sein, er wird wieder einmal die Kontrolle über sein Staatsgebiet verlieren - was das schlimmste ist, was einem Staat passieren kann. Der Staat wird abwesend sein. Wieder einmal wird sich zeigen, dass ihm die Bürger einen Schritt voraus sind."

Solche Äußerungen sorgen auch in Katalonien für Empörung. Die Gegner der Unabhängigkeit unterstellen den Separatisten-Organisationen teils sogar Nazi-Methoden, Demagogie und geistige Brandstiftung. Cuixart und Sanchez dagegen betonen immer wieder, dass es ihnen um friedlichen Protest geht, dass sie sich für Demokratie und Rechtsstaat einsetzen. Klar ist aber, dass ihre Organisationen die Macht haben, die Straße zu mobilisieren. Und das macht viele spanische Politiker im Moment ziemlich nervös.

Katalonien: Die Separatisten-Anführer und ihre Organisationen
Marc Dugge, HR, Madrid
17.10.2017 16:46 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 17. Oktober 2017 MDR aktuell um 15:21 Uhr und die tagesschau um 17:00 Uhr.

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