Menschen in Katalonien folgen in einer Bar der Ansprache von Spaniens König Felipe | Bildquelle: REUTERS

Krise in Katalonien Auch der König überbrückt die Gräben nicht

Stand: 04.10.2017 13:52 Uhr

Zum ersten Mal hat sich Spaniens König in die Katalonien-Krise eingeschaltet. Seine deutlichen Worte gegen die Regionalregierung stoßen gleichzeitig auf Lob und Kritik. Den katalanischen Regierungschef beeindruckt das nicht.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Viele spanische Zeitung haben heute ein Foto des Königs auf dem Titelblatt - wie Felipe an seinem Schreibtisch im Palast sitzt und in die Fernsehkamera blickt. Der Kernsatz seiner Rede bildet die Schlagzeile der Blätter: Der spanische Staat müsse dafür sorgen, dass die Verfassung in Katalonien eingehalten wird. "Angesichts dieser extrem ernsten Situation ist es die Verantwortung der staatlichen Organe, die verfassungsmäßige Ordnung und die Funktionsfähigkeit der Institutionen sicherzustellen."

Felipe wirkte staatsmännisch, ernst und wenig kompromissbereit. Er verurteilte die Politik der katalanischen Regionalregierung - sie sei unverantwortlich und spalte die Bevölkerung. Bei der konservativen Regierungspartei in Spanien kommen solche Worte gut an, drücken sie doch die Linie von Ministerpräsident Mariono Rajoy aus.

Für Rafael Hernandez, den Parlamentssprecher der Konservativen, hatte die Rede eine klare Botschaft: "Überzeugend, präzise - er hat nicht nur die Einheit Spaniens verteidigt, sondern auch den Rechtsstaat und seine Institutionen, wie die Justiz. Die Legislative und die Exekutive sollen handlungsfähig bleiben."

Selbe Rede, andere Interpretation

Ganz anders interpretiert die Linkspartei Podemos die Ansprache des Königs. Ihre Sprecherin im Parlament, Irene Montero, ist enttäuscht von Felipe. Sie habe deutlich mehr von ihm erwartet: "Er hätte Lösungen anbieten, den gemeinsamen Dialog und die Demokratie ansprechen müssen. Er - als Staatschef und Repräsentant aller Spanier - hätte die Stimme des Volkes hervorheben sollen." Das habe er ihrer Ansicht nach nicht getan. "Deshalb sagen viele Menschen inzwischen: 'Nicht in meinem Namen!' Millionen Spanier denken anders - und fühlen sich nicht mitgenommen von dieser Rede."

Genau das zeigten Tausende Menschen in Katalonien noch am Abend, wenige Minuten nach der TV-Ansprache von Felipe. Sie stellten sich an die Fenster ihrer Wohnungen und schlugen mit Kochlöffeln auf Töpfe. Es ist ein Art des Protests der vergangenen Wochen - gegen die spanischen Zentralregierung und ihr Verbot des Unabhängigkeitsreferendums.

Der Katalonien-Konflikt spitzt sich weiter zu
tagesschau 20:00 Uhr, 04.10.2017, Stefan Schaaf, ARD Madrid

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Unabhängigkeitserklärung kommende Woche?

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Katalonien-Krise: Lob und Kritik für die Rede von König Felipe
Oliver Neuroth, ARD Madrid
04.10.2017 13:06 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 04. Oktober 2017 ab 13:05 Uhr im "Mittagsecho".

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