Junge Männer mit katalanischen Unabhängigkeitsflaggen gehen an einem geschlossenen Geschäft vorbei | Bildquelle: AFP

Generalstreik in Katalonien Geschlossene Läden, Staus und Demos

Stand: 03.10.2017 13:54 Uhr

In Teilen von Katalonien geht fast nichts mehr: Ein Generalstreik hat vor allem die Regionalhauptstadt Barcelona lahmgelegt. Tausende Menschen demonstrieren gegen die Polizeigewalt beim Referendum vom Sonntag und für eine Unabhängigkeit von Spanien.

Geschlossene Schulen, Geschäfte und Cafés: In Katalonien hat der Generalstreik begonnen. Am Ausstand beteiligten sich auch Hafenarbeiter, Verkehrsbetriebe, Universitäten und Museen. Dazu aufgerufen hatten unter anderem Gewerkschaften, die separatistische Bürgerinitiative ANC sowie der nationalistische Kulturverein "Omni Cultural". Mit der Maßnahme wollen sie ihren Protest gegen die Polizeigewalt beim Unabhängigkeitsreferendum vom Sonntag zum Ausdruck bringen.

Besonders betroffen vom Generalstreik ist die Regionalhauptstadt Barcelona: Hier stehe das öffentliche Leben fast komplett still, berichteten Medien. Viele Büros und U-Bahn-Stationen seien geschlossen, die öffentlichen Verkehrsmittel funktionierten nur im Minimalbetrieb. Streikposten blockierten große Straßen, auf einigen stauten sich bereits in den frühen Morgenstunden kilometerlang Autos. Tausende Menschen versammelten sich zu Demonstrationen. In Barcelona sangen die Menschen auf dem Universitätsplatz die Nationalhymne und skandierten: "Die Straßen gehören uns!" In Girona fanden sich mehr als 30.000 Menschen ein, auch in Reus und anderen Städten gab es große Demonstrationen.

In Barcelona protestieren Tausende Menschen während des katalonischen Generalstreiks | Bildquelle: REUTERS
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In Barcelona versammelten sich Tausende Menschen zu Demonstrationen.

Auch der Fußballclub FC Barcelona beteiligt sich und ließ das Training ausfallen. Auch das Personal der Sagrada Familia, der berühmten Basilika in der Regionalhauptstadt, legte die Arbeit nieder. Die beiden größten Gewerkschaftsverbände Spaniens, CCOO und UGT, hatten sich ursprünglich dem Aufruf angeschlossen, zogen aber ihre Teilnahme am Montag zurück.

Auch Unabhängigkeitsgegner demonstrieren

Kataloniens Regierungschef Carles Puigdemont rief Demonstranten zu friedlichen Protesten auf: "Heute ist ein Tag des demokratischen, staatsbürgerlichen und würdigen Protests", schrieb er auf Twitter. "Lasst Euch nicht durch Provokationen aufregen. Die Welt hat es gesehen: Wir sind friedliche Menschen", fügte er hinzu.

Auch Gegner der Unabhängigkeit wollten mit einer großen Demonstration gegen die Abspaltung Kataloniens von Spanien protestieren. Es gehe darum, "in dem ganzen Prozess wieder die Vernunft zurückzugewinnen", sagte Alex Ramos, der Vizepräsident der zivilen Organisation Societat Civil Catalana (SCC) in einem TV-Interview. Ramos rief auch Parteien und Unternehmen auf, sich an der Demonstration zu beteiligen.

Die spanische Regierung prangerte unterdessen eine "Verfolgung von Staatspolizisten" durch Separatisten in Katalonien an. Innenminister Juan Ignacio Zoido warnte, man werde "alles Nötige unternehmen", um die Verfolgung zu stoppen. Die Beamten waren in der Region im Einsatz, um die gerichtlich verbotene Abstimmung zu verhindern. Zoido hatte zuvor eine Dringlichkeitssitzung mit den Chefs der Polizeieinheiten Guardia Civil und Policía Nacional abgehalten. Danach hatte er sich auch mit Ministerpräsident Mariano Rajoy beraten. In den vergangenen Tagen hatte es in Katalonien bereits zahlreiche Proteste gegen die Polizei gegeben - unter anderem vor den Hotels, in denen die aus Madrid entsandten Beamten untergebracht sind.

Etwa 900 Verletzte nach Zusammenstößen am Sonntag

Bei dem untersagten Referendum hatten am Sonntag den Angaben der Regionalregierung zufolge rund 90 Prozent der Teilnehmer für eine Unabhängigkeit von Spanien gestimmt, die Beteiligung lag demnach bei 42 Prozent. Die Zentralregierung in Madrid hatte betont, das Referendum sei nach der Verfassung vollkommen illegal. Bei Polizeieinsätzen, die die Abstimmung verhindern sollten, wurden knapp 900 Menschen verletzt.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 03. Oktober 2017 um 13:00 Uhr.

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