Katalanische Separatisten | Bildquelle: dpa

Stimmung vor der Regionalwahl Katalanen hängen an EU - und an Madrid

Stand: 27.08.2015 21:51 Uhr

Vor knapp einem Jahr gingen Hunderttausende für ein unabhängiges Katalonien auf die Straße - doch einen Monat vor der Regionalwahl ist die Stimmung nun gekippt: Die Separatisten verlieren an Rückhalt. Das liegt auch an der Haltung der EU.

Von Oliver Neuroth, ARD-Hörfunkstudio Madrid

Die Zahl 36 trifft die Unabhängigkeits-Befürworter in Katalonien heute wie ein Schlag: Das Bündnis aus rechten und linken Parteien käme aktuell auf 36 Prozent der Stimmen und wäre weit entfernt von einer Mehrheit im Parlament in Barcelona. Die Koalition will im Falle eines Wahlsieges innerhalb von 18 Monaten die Unabhängigkeit ausrufen, auch gegen den Willen der spanischen Regierung.

Teilnehmer der Demonstration in Barcelona | Bildquelle: REUTERS
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Auch im Oktober vergangenen Jahres gingen Tausende Menschen für die Unabhängigkeit Kataloniens auf die Straße.

Vor knapp einem Jahr sah es noch so aus, als wäre die Stimmung in Katalonien eindeutig für eine Abspaltung von Spanien: Die Unabhängigkeits-Befürworter kamen in Umfragen auf bis zu 50 Prozent. Am 11. September 2014 gingen in Barcelona rund eineinhalb Millionen Menschen für einen Staat Katalonien auf die Straße: "Wir wollen unabhängig sein, weil wir unsere eigene Kultur haben und unser eigenes Geld verdienen durch den Handel mit dem Europa. Wir sind eine offene Region."

Sollte Katalonien unabhängig werden, würde sich das wohl ändern. Grenzen kämen zurück. Der Chef der Unabhängigkeitsbewegung, Jordi Sanchez, sprach heute das aus, wovor viele Beobachter schon lange warnen: Ein Staat Katalonien wäre erst einmal kein Mitglied der Europäischen Union. "Am Anfang wäre das so, darüber müssen wir gar nicht diskutieren", räumt Sanchez ein. Denn die EU sei ja gegen die Unabhängigkeit. "Da müsste man also grundlegend verhandeln, damit ein Staat Katalonien in die EU kommt."

Sorge der Unternehmen

Bisher hatte sich die Führungsspitze der Unabhängigkeitsbewegung nicht klar dazu geäußert, wie die Zukunft Kataloniens in Europa aussehen würde. Auch deshalb hatten sich möglicherweise so viele Menschen der Bewegung angeschlossen - weil sie im Unklaren gelassen wurden, was eine Abspaltung ihrer Regierung für Auswirkungen haben könnte.

Auch große Unternehmen in der Provinz warnen davor, dass Katalonien wohl kein EU-Mitglied wäre. Für sie hieße das: Geschäfte mit dem Ausland würden komplizierter und vor allem teurer, wenn neue Zölle fällig würden.

Markige Worte gegen Kampagne

Xavier Garcia Albiol (links) neben dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy (rechts) | Bildquelle: AFP
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Der Spitzenkandidat der konservativen Volkspartei für die Katalonien-Wahl, Albiol, wird von Spaniens Ministerpräsident Rajoy unterstützt.

Das wollen die politischen Gegner einer Unabhängigkeit verhindern, mit allen Mitteln. Niemand in Europa werde sich anschauen, wie sich Katalonien von Spanien trennt, sagt der Spitzenkandidat der konservativen Volkspartei für die Katalonien-Wahl, Xavier García Albiol. "Wir müssen diese unseriöse Politik der Separatisten stoppen, die die Tatsachen verschleiern."

Markige Worte, die der konservativen Volkspartei in Katalonien aber nicht viel nützen: Sie kommen in der neuen Umfrage auf gerade einmal neun Prozent der Stimmen. Nach den aktuellen Zahlen könnte eine Regierungsbildung im Parlament in Barcelona sehr kompliziert werden, weil sich die Wählerstimmen auf viele Parteien verteilen.

Nur eines scheint heute klar zu sein: Der Erfolg der Separatisten dürfte deutlich kleiner ausfallen als es vor einigen Monaten noch aussah.

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