Seitenueberschrift
Karneval lockt Millionen Touristen an
"In Rio gibt es keine Krise"
Bunte Kostüme, brasilianische Tänzerinnen - Millionen Gäste warten gespannt auf die Karnevalsumzüge in Rio de Janeiro. Die Wirtschaft profitiert von dem großen Ereignis, von Krise keine Spur: Der Karneval sorgt in der brasilianischen Metropole für Milliardenumsätze und neue Arbeitsplätze.
Von Julio Segador, ARD-Hörfunkstudio Buenos Aires, zzt. Rio de Janeiro
Rio de Janeiro steuert auf den Höhepunkt des Jahres zu. Nur noch wenige Tage, bis die Sambaschulen im Sambódromo, der traditionellen Karnevalsarena, ihre Umzüge starten. Einstweilen bestimmen die Blocos, die Karnevalsgruppen mit ihren Sambatrommlern, das Bild und den Lautstärkepegel auf Rios Straßen.
Die Wirtschaft profitiert vom Karneval
Mittendrin im Trubel ist Antonio Figueira de Mello, der oberste Tourismusmanager der Stadt. Von Krise keine Spur, sagt er. Zwar werden in diesem Jahr weniger Gäste aus dem Ausland erwartet, dafür kommen mehr brasilianische Touristen an die Copacabana und den Zuckerhut: "Unsere Hotels sind zu neunzig Prozent ausgebucht. In den Wochen vor und während des Karnevals besuchen etwa drei Millionen Menschen Rio. Das bringt der Stadtkasse rund zwei Milliarden US-Dollar. In Rio ist immer etwas los, hier gibt es keine Krise."
Karneval in Rio: Von Krise keine Spur
J. Segador, ARD Buenos Aires, zzt. Rio de Janeiro
07.02.2013 20:00 Uhr
Der Karneval in Rio ist Passion und Geschäft zugleich. Die Leidenschaft des bunten Treibens zahlt sich aus in barer Münze. Viele profitieren: Die Sambaschulen, der Tourismus, die Medien, die vielen tausend Kleinhändler. Die Touristen spülen einen Milliarden-Dollar-Betrag in die Kassen von Stadt und Geschäften. Allein am Karnevalswochenende legen in diesem Jahr zwölf Kreuzfahrtschiffe in Rio an, 60.000 zusätzliche Gäste kommen in die brasilianische Metropole.
Pedro Guimaraes, auch er zuständig für den Tourismus in Rio, weiß um diesen Glücksfall für seine Stadt: "Der Karneval ist für uns das Markenzeichen von Rio de Janeiro. Er kurbelt den Tourismus an. Und in seinem Windschatten kommen natürlich noch weitere Events nach Rio. Der Karneval ist das wichtigste Ereignis im Veranstaltungskalender der Stadt. Dieses Fest ist eine der populärsten Partys der Welt und über allem schwebt der Geist der Cariocas. Der Karneval repräsentiert das Volk von Rio."
Viele Arbeitsplätze sind gesichert
Der Karneval in Rio ist ein großes Geschäft. Mittendrin sind die Sambaschulen. Ein Jahr lang arbeiten sie auf den einen Umzug im Sambódromo hin. Ricardo Fernandez, der Direktor der Sambaschule "Unidos da Tijuca", nennt einige Zahlen: "Alles in allem kostet uns der Karneval in diesem Jahr zwölf Millionen Reais, umgerechnet viereinhalb Millionen Euro. Wir geben auch 350 Menschen Arbeit über das ganze Jahr. Und um wirtschaftlich zu arbeiten, muss die Schule umgerechnet drei Millionen Euro akquirieren. Das sind die Zahlen von 'Unidos da Tijuca'."
Etwa die Hälfte des Gesamtbetrages deckt die Sambaschule aus Fernseheinnahmen und staatlicher Kulturförderung. Den Rest müssen Sponsoren beibringen. Doch das ist nicht immer einfach. "Unidos da Tijuca" etwa tritt in diesem Jahr mit dem Thema "Verzaubertes Deutschland" an. Die Manager der Schule dachten, dass die deutsche Wirtschaft das Projekt bereitwillig unterstützt. Doch die Kalkulation ging nicht auf.
Die meisten Unternehmen wollten eher nicht mit dem vibrierenden Image des Karnevals, mit leicht bekleideten Sambatänzerinnen und ausgelassen feiernden Menschen in Verbindung gebracht werden. Das verzauberte Deutschland erwies sich nicht gerade als spendabel.
Stand: 07.02.2013 20:20 Uhr
