Papst Franziskus. | Bildquelle: dpa

Verdienste um europäische Einigung Papst Franziskus erhält den Karlspreis 2016

Stand: 23.12.2015 13:50 Uhr

Der Karlspreis 2016 geht an Papst Franziskus. Das gaben das Karlspreisdirektorium und die Stadt Aachen bekannt. Der Preis wird seit 1950 für besondere Verdienste um die europäische Einigung verliehen.

Wie das Karlspreisdirektorium und die Stadt Aachen bekannt gaben, wird der Karlspreis 2016 an Papst Franziskus gehen. Die Preisverleihung soll - anders als üblich - 2016 allerdings nicht in Aachen stattfinden, sondern in Rom. Ein genauer Termin steht noch nicht fest.

Die Europäische Union habe in den vergangenen Jahren Krisen und Rückschläge erlebt, stellte das Karlspreisdirektorium in der Begründung fest. "In dieser Zeit, in der viele Bürgerinnen und Bürger in Europa Orientierung suchen, sendet Seine Heiligkeit Papst Franziskus eine Botschaft der Hoffnung und der Ermutigung aus", hieß es wörtlich. Der Papst sei eine "Stimme des Gewissens", die mahne, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen und die daran erinnere, dass Europa verpflichtet sei, Frieden, Freiheit, Recht, Demokratie und Solidarität zu verwirklichen - aufbauend auf den Idealen seiner Gründungsväter.

Franziskus' Kritik an europäischer Politik

Der Papst werde den Preis annehmen, "um ihn Europa zu widmen", wie Vatikansprecher Federico Lombardi mitteilte. Franziskus verbinde mit dem Karlspreis eine Friedensbotschaft an Europa und die Welt.

Bisher hat sich Papst Franziskus mit der Rolle Europas vor allem kritisch auseinandergesetzt. Sein erster Besuch galt der Flüchtlingsinsel Lampedusa. Damals beklagte er die Gleichgültigkeit Europas angesichts des Flüchtlingselends. In der Rede, die Papst Franziskus vor einem Jahr vor dem Europaparlament in Straßburg hielt, nannte er Europa müde und unfruchtbar. Er kritisierte, dass vor allem junge Europäer unter Arbeits- und Perspektivlosigkeit leiden. Die Stunde sei gekommen, ein Europa aufzubauen, "das sich nicht um die Wirtschaft dreht", sagte der Papst damals.

Karlspreis 2016 geht an Papst Franziskus
K. Lamers, DLR Kultur
23.12.2015 13:06 Uhr

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Zum zweiten Mal wird ein Papst ausgezeichnet

Dieses Jahr hatte EU-Parlamentspräsident Martin Schulz die Medaille erhalten. Er gratulierte dem Papst. Dieser sei ein Mann, "dessen Worte weltweit Gehör finden und der Orientierung bietet in Zeiten der Orientierungslosigkeit". Das Kirchenoberhaupt mahne zu Recht, Errungenschaften der europäischen Einigung nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen. Die Werte der europäischen Integration, "nämlich Zusammenarbeit, Solidarität und das Bewusstsein, dass man als Gemeinschaft stärker ist als allein" seien auch Werte, für der Papst eintrete.

Auch ein Papst wurde schon einmal ausgezeichnet: Johannes Paul II. erhielt 2004 in Rom allerdings einen "außerordentlichen" Karlspreis. Bei Franziskus handelt es sich hingegen um die traditionelle Auszeichnung.

Der Preis wird seit 1950 für besondere Verdienste um die europäische Einigung verliehen. Er geht auf eine Initiative Aachener Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kirche, Hochschule und Stadtverwaltung zurück. Sie ist nach Karl dem Großen benannt, der auch in Aachen residierte.

Mit Informationen von Tilmann Kleinjung, ARD-Studio Rom.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. Dezember 2015 um 12:00 Uhr.

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