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10.02.2010

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Ausland
Karadzic
Stand Karadzic unter dem Schutz der USA?
Gerüchte um jahrelanges Versteckspiel

Haben die USA Karadzic geschützt?

Wussten die USA jahrelang, wo sich Radovan Karadzic versteckt hielt? Darüber wird schon lange spekuliert - doch nun sorgen Zeitungsberichte in Serbien erneut für Aufregung. Dort wurde nun der angebliche Vertrag veröffentlicht.

Von Henryk Jarczyk, BR, zurzeit in Belgrad

Radovan Karadzic in Den Haag (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Karadzic bei der Anhörung vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. ]
Es sind nicht viele - aber sie demonstrieren tapfer Tag für Tag. Etwa 250 Karadzic-Anhänger aus Belgrad und Umgebung sind gekommen, Männer und Frauen mittleren Alters, serbische Nationalisten, angeführt von Politikern, die keine Gelegenheit auslassen, um für das serbische Desaster die ganze Welt anzuklagen. Wir befinden uns im Agoniezustand, suggeriert einer der Kundgebungsredner, der einzig wahre serbische Held Radovan Karadzic sei verraten worden, und das auch noch von serbischer Hand.

Und wer ist schuld an alledem? Die internationale Staatengemeinschaft mit den USA an der Spitze natürlich. Das war während des Bosnien-Krieges so, das war auch während des Natoangriffs 1999 nicht anders, die USA sind auch heute nach Meinung der serbischen Nationalisten jene zerstörerische Macht, die nur eines im Sinn habe: den Untergang des serbischen Volkes. So einfach ist das.

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Gerüchte um Vertrag machen die Runde

Am zwölften Jahrestag des Massakers von Srebrenica wurden 465 Leichen bestattet, die kürzlich in Massengräbern entdeckt worden waren.  (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Karadzic ist für den Tod zahlloser Menschen während des Bosnien-Krieges verantwortlich. ]
Einen Beleg dafür druckte in diesen Tagen die Boulevardzeitung "Kurier" ab, ein Blatt mit Hang zu nationalistischen Parolen, ein Blatt, das nun behauptet, Karadzic habe bis zum Jahre 2000 unter dem Schutz der USA gestanden.

Als Beweis für ihre Behauptung veröffentlichte die Belgrader Zeitung ein Foto auf dem der zitierte Vertrag zwischen Karadzic und dem US-Unterhändler Richard Holbrooke zu sehen ist. Ein Dokument, aus dem hervorgeht, dass sich die USA verpflichten würden, Karadzic 600.000 Dollar zu zahlen, ein Haus mit ausreichend Bodyguards zur Verfügung zu stellen und ihn völlig in Ruhe zu lassen, wenn er sich komplett aus dem politischen Leben zurückziehen würde. Ausgehandelt und unterschrieben wurde die Vereinbarung nach Angaben des Boulevardblattes 1996. Pikante Behauptungen, die mittlerweile auch andere Printmedien aufgreifen und sie ihrerseits mit zusätzlichen Informationen würzen.

Als der US-Geheimdienst CIA Karadzic dabei ertappte, wie er die als Voraussetzung für den ihm garantierten Schutz gebrochen habe, berichtet die Tageszeitung "Blic", hätte sich Washington an den Vertrag nicht mehr gebunden gefühlt. Die CIA soll ein Telefongespräch abgehört haben, aus dem klar hervorgegangen sei, dass Karadzic entgegen der getroffenen Vereinbarungen weiterhin seine Partei leiten würde. Ein Vertragsbruch nach Auffassung der USA – so heißt es – der sanktioniert werden musste. Deshalb sei der "informelle Schutz" für Karadzic aufgehoben worden, der ihn bis zum Jahre 2000 auch vor der Festnahme durch andere Geheimdienste unter anderem Frankreichs und Großbritanniens geschützt habe.

Holbrooke bestreitet Vereinbarung

Der für den Balkan damals zuständige US-Unterhändler Richard Holbrooke bestreitet zwar, mit Radovan Karadzic jemals derartige Vereinbarungen getroffen zu haben. Die Belgrader Presse lässt aber nicht locker und zitiert unter anderem eine anonyme Quelle aus dem US-Geheimdienst, mit den Worten: "Ich bin mir nicht sicher, ob es ein schriftliches Dokument gibt, aber ich weiß andererseits, dass Holbrooke auf höchster Ebene mündliche Garantien für Karadzic abgegeben hat."

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Ins gleiche Horn stieß jetzt auch der frühere bosnisch-serbische Außenminister Aleksa Buha.  In einem Belgrader Radiosender bestätigte der Ex-Politiker aus der ehemaligen bosnisch-serbischen Republik, dass es dementsprechende Vereinbarungen zwischen Karadzic und den USA durchaus gegeben habe. Richard Holbrooke habe dem ehemaligen bosnisch-serbischen Außenminister die Abmachung persönlich bestätigt und ihm zugesagt, dass Karadzic nicht vor das Kriegsverbrechertribunal komme, wenn er sich an den Vertrag halten und sich also nicht politisch betätigen würde.

Einer der prominentesten Zeugen dieser Vereinbarung soll Slobodan Milosevic gewesen sein. Ihn werden die Richter des UN-Tribunals für Kriegsverbrechen in den Haag – falls sie an der ganzen Geschichte überhaupt ein Interesse haben sollten – allerdings nicht mehr befragen können. Milosevic starb noch bevor sein Prozess in Den Haag zu Ende ging.

Stand: 03.08.2008 15:31 Uhr
 

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