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Der international seit Jahren als Kriegsverbrecher gesuchte frühere Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, ist gefasst: "Karadzic ist gefunden worden und in Haft", teilte der serbische Präsident Boris Tadic in der Nacht zum Dienstag mit.
[Bildunterschrift: Gefasst: Radovan Karadzic (Archivbild) ]
Wie die Festnahme gelingen konnte ist noch unklar. Aus Polizeikreisen hieß es, Karadzic sei bereits seit Wochen beobachtet worden. Den entscheidenden Tipp habe zuvor ein ausländischer Geheimdienst gegeben. Er sei bereits am Freitag in einem Linienbus verhaftet worden, teilte sein Anwalt mit. Die serbischen Behörden dagegen sagten, Karadzic sei gestern Abend verhaftet worden. Möglich wurde die Festnahme überhaupt erst durch den neuen Chef des serbischen Geheimdienstes, so ARD-Korrespondentin Brigitte Abold. Der prowestlich ausgerichtete Leiter der Organisation habe die Festnahme wesentlich beschleunigt.
Bei einer ersten Vernehmung schwieg der ehemalige Führer der bosnischen Serben zu den Vorwürfen. Das ganze Verfahren gegen ihn sei eine Farce, habe Karadzic dem Untersuchungsrichter gesagt. Karadzics Anwalt kündigte bereits an, dass er gegen die Auslieferung an das UN-Kriegsverbrechertribunal nach Den Haag Einspruch einlegen will. Über den Einspruch muss dann ein Gerichtsgremium innerhalb von drei Tagen entscheiden, das letzte Wort hat jedoch das serbische Justizministerium.
[Bildunterschrift: Serbische Polizisten nehmen Anhänger Karadzics in der Belgrader Innenstadt fest. ]
Vor dem Gerichtsgebäude in Belgrad versammelten sich bereits wenige Stunden nach Bekanntgabe der Nachricht Anhänger Karadzics. Die Behörden ließen schwerbewaffnete Polizisten aufmarschieren. Nach Angriffen auf Reporter kam es nach Berichten von Augenzeugen zu einigen Festnahmen. Auch die Botschaft der USA wurde von Sicherheitskräften geschützt. Sie war bereits vor wenigen Wochen von serbischen Ultranationalisten angegriffen worden.
Karadzic war gemeinsam mit seinem früheren Militärchef Ratko Mladic der meistgesuchte Kriegsverbrecher des Balkankonflikts. Er wird seit Ende des Bosnien-Kriegs vom Internationalen Kriegsverbrechertribunal in Den Haag wegen Völkermords während des Bosnienkrieges gesucht. Karadzic war 1997 untergetaucht und konnte den Fahndern immer wieder entkommen, vermutlich wurde er dabei von einem ganzen Netzwerk von Helfern unterstützt.
Karadzic wird von großen Teilen der serbischen Bevölkerung immer noch als Volksheld angesehen. Die jüngst gestürzte nationalkonservative serbische Regierung hatte die Verhaftung Karadzics nach Einschätzung des UN-Tribunals immer wieder verhindert. Die erst seit zwei Wochen amtierende neue serbische Regierung unter Führung proeuropäischer Parteien hatte dagegen die Verhaftung von Karadzic versprochen. Die Festnahme - und die Überstellung nach Den Haag - sind Bedingungen der EU für die Aufnahme von Beitrittsgesprächen mit Serbien.
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Wann Karadzic an das Tribunal überstellt wird ist noch unklar. Gemäß den Bestimmungen über die Zusammenarbeit mit dem UN-Kriegsverbrechertribunal für Ex-Jugoslawien wird Karadzic zunächst die gegen ihn vorliegende Anklageschrift überreicht. Dann hat das Gericht drei Tage Zeit um darüber zu entscheiden, ob der Angeklage an das UN-Tribunal in Den Haag überstellt wird. Karadzic kann gegen diese Entscheidung Berufung einlegen, über die innerhalb von drei weiteren Tagen ein höheres Gerichtsgremium entscheidet. Das letzte Wort hat das serbische Justizministerium.
Karadzic war während des Bosnien-Kriegs Präsident der bosnischen Serben. In dem von 1992 bis 1995 andauernden Konflikt wurden etwa 100.000 Menschen getötet. Während der Dauer dieses Konflikts sollen viele Verbrechen von Karadzic organisiert und angeordnet worden sein. Unter anderem wird er für das Massaker von Srebrenica im Juli 1995 verantwortlich gemacht. Damals waren bosnisch-serbische Milizen in die ehemalige UN-Schutzzone einmaschiert und hatten 8000, hauptsächlich männliche, Muslime verschleppt oder ermordet.
Nach der Festnahme fahndet das UN-Tribunal jetzt noch nach zwei mutmaßlichen serbischen Kriegsverbrechern, Karadzics früherer rechten Hand Mladic und dem früheren Serbenführer in Kroatien, Goran Hadzic.
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