Fast 21 Jahre sind seit dem Völkermord in Srebrenica vergangen, heute wurde der ehemalige bosnische Serbenführer Radovan Karadzic zu 40 Jahren Haft verurteilt. Vor dem Gericht in Den Haag kam es zu Protesten. Die Demonstranten forderten Gerechtigkeit für Bosnien. | Bildquelle: dpa

40 Jahren Haft Warum eigentlich nicht lebenslänglich?

Stand: 24.03.2016 21:26 Uhr

Das Massaker von Srebrenica war der schlimmste Völkermord in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Ex-Serbenführer Karadzic ist deshalb zu 40 Jahren Haft verurteilt worden. Doch die ethnische Teilung, für die er verantwortlich gemacht wird, bleibt.

Von Ludger Kazmierczak, ARD-Studio Den Haag

Die aus Bosnien angereisten Kriegsopfer und Hinterbliebenen verfolgten die Urteilsverkündung auf einer Großleinwand im Saal Mount Everest des Den Haager Kongresszentrums. Es herrschte eine fast bedrückende Stille, als der südkoreanische Richter O-Gon Kwon nach mehr als anderthalb Stunden das Strafmaß verkündete: Das UN-Kriegsverbrechertribunal verurteilte ihn zu 40 Jahren Gefängnis.

Serbenführer Karadzic wegen Völkermords verurteilt
tagesthemen 23:15 Uhr, 24.03.2016, Arnim Stauth, WDR

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Ein Bild ging um die Welt

Die meisten hätten gerne das Wort "lebenslänglich" gehört - auch wenn 40 Jahre Haft für einen 70-jährigen Mann das Gleiche bedeuten. "Aber wenn nicht für ihn eine lebenslange Haft, für wen dann?", so Fikret Alic, dessen Foto aus dem Gefangenencamp Omarska im August 1992 um die Welt ging. Ein junger Mann mit ausgemergeltem Körper, jede einzelne Rippe sichtbar, hinter einem Stacheldrahtzaun. Ein Bild, das auf erschreckende Weise an die Judenverfolgung im Zweiten Weltkrieg erinnerte.

Cover der Time mit Fikret Alic in jugoslawischem Gefangenenlager
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Damals ging ein Bild um die Welt: Ein junger Mann mit ausgemergeltem Körper.

Fikret Alic
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Auf dem Cover damals: Fikret Alic. Heute hätte er sich ein "lebenslänglich" gewünscht.

Auch Alic hätte gerne das Wörtchen "life imprisonment" gehört: "Er hat die ganze Menschheit getötet. Karadzic hat nicht nur den Einwohnern Bosniens großes Leid zugefügt. Und er hat auch nicht nur Kroaten und Muslime umgebracht, sondern auch alle Serben, die nicht auf seiner Seite waren."

Freispruch in einem Anklagepunkt

Ausgerechnet in dem Anklagepunkt, der auch Alic berührt, wurde Karadzic freigesprochen. Die Verbrechen in sieben westbosnischen Gemeinden zu Beginn des Kriegs stuften die Richter nicht als Völkermord ein. Der blutige Plan sei erst später gereift, so O-Gon Kwon.

Kommentar von Brigitte Abold zum Urteil gegen Karadzic
tagesthemen 23:15 Uhr, 24.03.2016, Brigitte Abold

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1995 habe Karadzic als Präsident der bosnischen Serben und als Oberbefehlshaber der Armee die Ermordung von 7000 muslimischen Männern und Kindern in Srebrenica zugelassen. Ja, er habe den von seinem Armeechef Ratko Mladic gefassten Beschluss nicht nur geduldet, er habe diesen Plan aktiv unterstützt. "Der Angeklagte teilte mit Mladic und anderen Offizieren den Plan, alle männlichen Bosnier aus Srebrenica zu töten, und zwar in der Absicht, die bosnischen Muslime als solche zu vernichten", so O-Gon Kwon.

Fast 21 Jahre sind seit dem Völkermord in Srebrenica vergangen, heute wurde der ehemalige bosnische Serbenführer Radovan Karadzic zu 40 Jahren Haft verurteilt. | Bildquelle: AFP
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Radovan Karadzic war sorgfältig auf seinen großen Auftritt vor Gericht vorbereitet. Nur für einen kurzen Moment entgleisten die Züge des Angeklagten. Er schien fassungslos, als der Richter das Urteil sprach.

Karadzic: Andere waren verantwortlich

Karadzic hat stets bestritten, dass es diesen Plan gegeben habe. Auch für die fast dreieinhalbjährige Belagerung der Stadt Sarajevo machte der ehemalige Politiker, Psychiater, Dichter und Alternativmediziner andere verantwortlich: Die Muslime selbst hätten die Attacken auf unschuldige Zivilisten inszeniert, um den Westen gegen die Serben aufzubringen.

Dieser Argumentation wollte das Gericht ebenfalls nicht folgen: "Der Angeklagte trägt strafrechtlich die Verantwortung für Mord, Angriffe auf die Zivilbevölkerung von Sarajevo, systematischen Terror und Mord als Verbrechen gegen die Menschlichkeit", sagte südkoreanische Richter.

In zehn von elf Anklagepunkten sprach das UN-Tribunal Karadzic schuldig. Warum es nicht für "lebenslang" gereicht hat, kann auch Jasna Causevic von der Gesellschaft für bedrohte Völker nicht nachvollziehen. Aber auch jeder andere Richterspruch, so die Bosnierin, hätte den Prozess der Aussöhnung in ihrem Heimatland sicher nicht beschleunigt: "Sein Werk existiert nach wie vor in Bosnien-Herzegowina. Er hat die ethnische Teilung erreicht. Das heißt, mit diesem Urteil wird sein Werk nicht abgeschafft werden."

40 Jahre Haft für für Karadzic
L. Kazmierczak, ARD Den Haag
24.03.2016 19:57 Uhr

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