Entscheidung in Den Haag Karadzic droht lebenslange Haft

Stand: 24.03.2016 05:21 Uhr

Für Tausende Tote soll er verantwortlich sein und sich des Völkermordes, Mordes und der Vergewaltigung schuldig gemacht haben: Radovan Karadzic. Das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag wird heute das Urteil gegen den früheren bosnisch-serbischen Anführer fällen.

Von Ludger Kazmierczak, ARD-Studio Den Haag

Er ist in seinem Leben in viele Rollen geschlüpft - war Psychiater, Politiker, Dichter und fast 13 Jahre lang Dr. Dragan Dabic, der kauzige Alternativmediziner mit dem langen grauen Rauschebart. Seit Oktober 2009 ist das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag die wohl letzte öffentliche Bühne für Radovan Karadzic. Im Gerichtssaal trat er als sein eigener Anwalt auf.

Der ehemalige Anführer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic | Bildquelle: AFP
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Karadzic als sein eigener Verteidiger vor Gericht in Den Haag

Radovan Karadzic als der  Alternativmediziner Dr. Dragan Dabic | Bildquelle: dpa
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Karadzic als Alternativmediziner Dr. Dragan Dabic

Und diese Rolle habe er nicht einmal schlecht gespielt, findet Chefankläger Serge Brammertz: "Wir haben schon schlechtere professionelle Anwälte vor Gericht erlebt, als das, was er gezeigt hat."

So erklärte Karadzic unter anderem im Gerichtssaal: "Natürlich gab es Scharfschützen. Die Frage ist, auf wen haben diese Scharfschützen geschossen? Sie haben auf andere Scharfschützen geschossen! Und auf feindliche Scharfschützen zu schießen, ist nicht illegal."

Den Haag urteilt gegen Karadzic
tagesschau 15:00 Uhr, 24.03.2016, Armin Stauth, ARD Brüssel

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Für Karadzic sind nicht die Serben schuld am Krieg

Nicht alles, was Karadzic von sich gab, hatte Hand und Fuß, aber seiner Verteidigungsstrategie ist er immer treu geblieben. Demnach haben nicht die von ihm geführten bosnischen Serben den Krieg angezettelt, sondern die von Deutschland und anderen westlichen Ländern unterstützten muslimischen Extremisten. Das serbische Volk also Opfer dunkler Mächte.

Der aus dem deutschsprachigen Belgien stammende Brammertz hat jedoch keinen Zweifel daran, diesen Mythos entzaubert zu haben.

"Die Beweismittel, die wir in dem jetzigen Verfahren benutzt haben, wurden häufig in anderen wichtigen Verfahren den Richtern vorgelegt und als ausreichende Beweise betrachtet. Insofern bin ich als Leiter der Anklagebehörde zuversichtlich, dass die Beweise, die vorgelegt wurden, überzeugend sind."

Schuldspruch wird kaum bezweifelt

Dass Karadzic schuldig gesprochen wird, bezweifelt kaum jemand. Lebenslang hat die Anklage gefordert. Durchaus möglich! Die Frage ist, ob die Richter der Staatsanwaltschaft in allen elf Anklagepunkten folgen werden. Es geht in diesem umfangreichen Dossier nämlich nicht nur um den Völkermord von Srebrenica, sondern um den vermeintlichen Genozid in sieben weiteren Gemeinden und um die 44-monatige Belagerung von Sarajevo mit mehr als 10.000 Toten.

Srebrenica-Mahnmal | Bildquelle: REUTERS
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Das Mahnmal in Srebrenica: 1995 wurden in der Stadt 8000 Jungen und Männer getötet.

Ein komplexer Fall, was 800.000 Seiten Gerichtsakten, 586 Zeugen und fast 500 Sitzungstage belegen. Dadurch habe das Verfahren viel zu lange gedauert, kritisieren manche Prozessbeobachter. Ja, sagt Serge Brammertz, das Urteil komme spät, aber nicht zu spät.

"Für diejenigen, die vor 20 Jahren ihren Ehemann, ihre Söhne verloren haben - für diese Opfer sind das keine Straftaten, die vor 20 Jahren begangen wurden und die Teil der Geschichte sind. Für diese Opfer sind das Momente, die niemals vergangen sind und die auch heute - 20 Jahre später - ihr Leben dominieren."

Die bosnisch-serbischen Generäle Mladic (links) und Karadzic im April 1995 | Bildquelle: Reuters
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Die bosnisch-serbischen Generäle Mladic (links) und Karadzic im April 1995

150 Opfer und Hinterbliebene werden zur Urteilsverkündung in Den Haag erwartet. Außerdem haben sich rund 200 Journalisten akkreditiert. Doch wie auch immer das Urteil ausfällt, es wird nicht allen Menschen im früheren Jugoslawien Genugtuung verschaffen.

Von Versöhnung, so Brammertz, sei die Region noch weit entfernt: "Natürlich kann Strafverfolgung alleine nie zur Versöhnung führen. Versöhnung muss innerhalb einer Gemeinschaft kommen, wo natürlich Politiker eine wichtige Rolle spielen müssen. Und diese Rolle spielen Politiker im ehemaligen Jugoslawien heute nicht."

Urteil gegen Karadzic erwartet
L. Kazmierczak, ARD Den Haag
24.03.2016 04:40 Uhr

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