Kanadas Außenministerin Freeland im Parlament | Bildquelle: REUTERS

Vertrauensverlust der USA Kanada rechnet mit Trump ab

Stand: 07.06.2017 12:49 Uhr

US-Präsident Trump verspielt bei internationalen Partnern zusehends Vertrauen. Nachdem Bundeskanzlerin Merkel bereits Zweifel an der Verlässlichkeit Washingtons äußerte, geht nun Kanada hart ins Gericht mit dem Nachbarn.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

Erst war es die deutsche Kanzlerin, die - frustriert über den amerikanischen Präsidenten - das unbedingte Vertrauen in die USA in Frage stellte. Jetzt zieht Kanada nach. Die Grundsatzrede der kanadischen Außenministerin Chrystia Freeland im Parlament geriet zur Abrechnung mit allem, was US-Präsident Donald Trump für wichtig hält. "Die Tatsache, dass unser Freund und Alliierter den Wert seiner eigenen weltweiten Führung in Frage stellt, zwingt uns und alle anderen, auf den eigenen souveränen Kurs zu setzen", sagte Freeland.

Soll heißen: Dann eben ohne die USA, aber gemeinsam mit dem Rest der Welt. Es ist die Ankündigung einer Entfremdung zweier nordamerikanischen Staaten, die seit Jahrzehnten eng und meistens vertrauensvoll kooperierten. Jetzt der Bruch. Kanada setze auf die Erneuerung und Stärke des multilateralen Ansatzes nach dem Zweiten Weltkrieg. Motto: Nur gemeinsam mit gleichgesinnten Menschen und Nationen werde man künftig seine Ziele verfolgen.

Freeland tadelt Trump ohne seinen Namen zu nennen

Ohne den Namen Trump nur einmal zu erwähnen, deklinierte die kanadische Außenministerin Freeland dann Bruchstelle für Bruchstelle der kanadisch-amerikanischen Weltsichten durch. Beispielsweise beim Handel: "Handelsschranken aufzubauen schadet allen, denen es vermeintlich helfen soll. Es bremst Wachstum, zerstört Arbeitsplätze", sagte Freeland. "Die Lektion sollten wir aus der Geschichte gelernt haben und diesen Fehler jetzt nicht selbst noch einmal erleben müssen."

Während Trump ein Handelsabkommen nach dem anderen kündigt oder kündigen will, Kanada mit Klagen wegen angeblicher Handelsverletzungen überzieht, geht Freeland direkt auf Trumps Motiv ein, dadurch angeblich die amerikanische Mittelklasse stärken zu wollen. "Lassen Sie es mich klar sagen: Die Nöte der Mittelklasse teuflischen Ausländern in die Schuhe zu schieben ist falsch."

Kanada will international eine neue Rolle einnehmen

Kanada sei nicht der künftige Weltpolizist, so die Außenministerin, aber Kanada werde künftig weltweit noch mehr für Rechte und Werte einstehen. "Es ist unsere Rolle, Verfolgten und Geknechteten Asyl zu gewähren, es ist unsere Rolle Standards zu setzen, wie Frauen, Schwule, Transgender, Lesben und Minderheiten behandelt werden."

Die Außenministerin hatte kurz zuvor ihren amerikanischen Kollegen Rex Tillerson über Inhalt und Zweck ihrer Grundsatzrede im kanadischen Parlament informiert. Als nächstes will der kanadische Verteidigungsminister die umfassende Neuordnung des kanadischen Militärs und dessen künftiges Engagement weltweit bekanntgeben. Kanada, so Freeland vielsagend, könne sich nicht auf die militärische Stärke der USA und dessen Schutz verlassen. Ein neuer Ton zwischen Nachbarn, NATO-Partnern und engen Verbündeten. Er klingt nach Entfremdung und danach, dass die kanadische Regierung unter dem liberalen Regierungschef Justin Trudeau nicht weiter auf Präsident Trump setzen will.

Kanada rückt von Trump ab
G. Schwarte, ARD New York
07.06.2017 12:27 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 07. Juni 2017 um 05:43 Uhr.

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