Land unter in der Provinz Quebec | Bildquelle: AP

Hochwasser in Kanada Angst vor neuem Regen

Stand: 11.05.2017 21:24 Uhr

In den Überschwemmungsgebieten in Kanada schwindet die Hoffnung auf bald sinkende Wasserstände. Am Wochenende soll es wieder regnen. Premierminister Trudeau kam ins Katastrophengebiet - und sprach vom Klimawandel.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Ein Paddelboot schiebt sich langsam durch überflutete Straßen von Gatineau - vorbei an Autos, die bis über die Motorhaube im Wasser stehen. Wenig später tritt Kanadas Premier Justin Trudeau in dieser direkt gegenüber der Hauptstadt Ottawa gelegenen Stadt vor Journalisten - gerade hat er die Notstandsgebiete per Hubschrauber überflogen.

Kanadas Premier Trudeau im Überschwemmungsgebiet | Bildquelle: REUTERS
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Kanadas Premier Trudeau machte sich auch von der Luft aus ein Bild von den Überschwemmungen.

Militär schickt weitere Hilfe

Er dankt den Anwohnern für ihren harten Einsatz der vergangenen Tage: "Dieses Gefühl von Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit erlebe ich in überall in der Provinz Quebec und Kanada. Nachbarn und Freiwillige kommen zusammen, Ersthelfer, die Armee."

Die Regierung hat die Zahl der Soldaten auf 2200 aufgestockt. Auch die Fregatte "Montreal" nimmt nun nicht mehr an der Jubiläumsfeier der gleichnamigen Millionenstadt teil, sondern dient als Basis im Kampf gegen die Flut, so Kanadas Verteidigungsminister Harjit Sajjan. Wenigstens in ersten Teilen des Landes messen die Helfer sinkende Pegelstände nach zuletzt viel Regen und starker Schneeschmelze.

Weitere Niederschläge befürchtet

Premier Trudeau freut sich da wohl mehr denn je über den Sonnenschein. Das aber könnte mehr eine Atempause sein als eine Trendwende: Für das Wochenende nämlich werden erneut starke Regenfälle befürchtet, sagt David Heurtel, Umweltminister der Provinz Quebec: "Wasserstände sinken im Westen von Quebec. Aber im Zentrum der Provinz - da haben wir noch eine harte Zeit vor uns. Die Pegel werden steigen. Und am Wochenende erwarten wir 20 bis 40 Millimeter weiteren Regens." Erst wenn das Schlimmste überstanden ist, können die Aufräumarbeiten beginnen. Premier Trudeau erwartet, dass die Wochen, ja Monate dauern können.

Helfer in den überfluteten Gebieten Kanadas werden auf einer Baggerschaufel durch die Fluten gefahren. | Bildquelle: dpa
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Retten, was zu retten ist: Viele Anwohner müssen ihre Wohnungen oder Häuser wegen der Flut verlassen.

Trudeau macht Klimawandel verantwortlich

Jenseits der kanadischen Landesgrenze ist mit Donald Trump ein ausgewiesener Skeptiker des Klimawandels angetreten ist - eine Skepsis, die Kanadas Regierungschef Justin Trudeau in Gatineau mit dem überfluteten Ottawa-River im Rücken nicht teilt: "Die Häufigkeit extremer Wetter-Ereignisse steigt - und das hat was mit Klimawandel zu tun. Auf einen so genannten 100-Jahres-Sturm müssen wir uns nun vielleicht alle zehn Jahre vorbereiten. Das bedeutet: Während wir unsere Orte, Häuser und die Infrastruktur wieder aufbauen, müssen wir auch darüber nachdenken, wie wir das besser wieder aufbauen können."

Kanada - Angst vor neuem Regen
K. Clement, ARD New York
11.05.2017 20:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. Mai 2017 um 20:00 Uhr und Deutschlandfunk am 11. Mai 2017 um 18:36 Uhr.

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