Der Ort La Loche trauert um die vier Opfer der Schießerei. | Bildquelle: AP

Vier Tote bei Schießerei Amoklauf in Schule schockt Kanada

Stand: 23.01.2016 18:57 Uhr

Auch wegen strikter Waffengesetze sind Amokläufe in Kanada seltener als in den USA. Umso größer ist nun der Schock: In einer Schule in der kanadischen Provinz Saskatchewan schießt ein junger Mann um sich. Insgesamt tötet er vier Menschen.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Gestern um 13 Uhr Ortszeit ging bei der Polizei in der kanadischen Provinz Saskatchewan der Notruf ein. Die Luftrettung wurde alarmiert, um die Opfer eines Anschlages aus dem kleinen Örtchen La Loche retten und medizinisch versorgen zu können. Nur etwa 3000 Menschen leben hier. Ein geschockter Anwohner sagte dem Fernsehsender CTV, so etwas habe er noch nie erlebt.

Das Dene Highschool Gebäude der La Loche Community School. | Bildquelle: dpa
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Das Dene Highschool Gebäude der La Loche Community School.

Es dauerte eine Dreiviertelstunde - dann war der mutmaßliche Täter festgenommen, die Schusswaffe gesichert. Vier Menschen sind tot, der Tatverdächtige ist männlich. Viel mehr wollte die kanadische Polizei bei ihrer Pressekonferenz nicht mitteilen. Tathergang, Motive und selbst zur Zahl der Verletzten: kein Kommentar.

Zwei Brüder getötet?

Die Schule in La Loche besuchen etwa 900 Schüler. Im betroffenen Gebäude werden die Klassen sieben bis zwölf unterrichtet. Ein Schüler berichtete dem Sender CTV per Telefon vom Tatablauf: "Eine Lehrerin war verwundet. Sie versuchte zu Tür zu gehen und fiel zu Boden."

Kanadas Premierminister Justin Trudeau | Bildquelle: REUTERS
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Kanadas Premierminister Justin Trudeau sprach von einem "schrecklichen, tragischen Tag".

Kanadas Premierminister Justin Trudeau erklärte, mit diesem Tag sei der schlimmste Alptraum für Eltern wahr geworden. Trudeau - zurzeit beim Weltwirtschaftsforum in Davos - hatte zunächst von fünf Toten und zwei Schwerverletzten gesprochen. "Wir alle trauern mit der Gemeinde von La Loche und stehen ihr bei - an diesem schrecklichen, tragischen Tag", sagte der Premier.

Justin Trudeau @JustinTrudeau
Our country's heart is breaking. We grieve with - and stand with - the people of La Loche today. Full statement: https://t.co/tWQAaewlX1

Gemeindebürgermeister Kevin Janvier sagte der Nachrichtenagentur AP, seine 23-jährige Tochter - eine Lehrerin - sei von dem Angreifer erschossen worden. Die Polizei habe ihn zudem darüber informiert, dass der Verdächtige zu Hause zunächst seine zwei Brüder getötet habe, ehe er sich auf dem Weg zur Schule gemacht habe. Ob der Schütze seine Tochter gekannt habe, wisse er nicht. Er sei jünger als 21 Jahre und ein ehemaliger Schüler. Die kanadische Polizei hat Janviers Darstellung bislang nicht bestätigt.

"Diesen Tag wird man nie vergessen"

In der Region von La Loche leben viele kanadische Ureinwohner. Der Vorsitzende ihrer Vertretung für Saskatchewan, Bobby Cameron, sagte, man sei schockiert und könne die Tat noch gar nicht fassen: "Wir alle tragen Trauer." Kanadas Minister für öffentliche Sicherheit, Ralph Goodale, ergänzte, die Menschen versuchten nun, den Anschlag zu bewältigen - gerade angesichts der vielen Toten.

Anwohner des Örtchens hielten noch in der Nacht eine Mahnwache mit Kerzen ab. "Ich habe eine Kollegin verloren. Wir alle sind betroffen. In dieser Gemeinde kennt jeder jeden", sagt einer von ihnen. Ein anderer Teilnehmer der Mahnwache fügte hinzu, dies sei einer dieser Tage, der in die Geschichte eingehen und den man nie vergessen werde.

Strikte Waffengesetze

Amokläufe an Schulen und Universitäten sind in Kanada eher selten - nicht zuletzt wegen strikterer Waffengesetze als etwa in den USA. 1989 tötete ein erst 25 Jahre alter Angreifer 14 Menschen an der Polytechnischen Hochschule in Montreal im französischsprachigen Teil Kanadas.

Schulattentat im kanadischen La Loche: Details zum Tathergang
K. Clement, ARD New York
23.01.2016 18:25 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Januar 2016 um 09:05 Uhr.

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