Flaggen der USA und Kanadas | Bildquelle: picture alliance / All Canada Ph

Reaktionen auf Trump-Politik Kanada gibt sich cool

Stand: 23.01.2017 20:36 Uhr

Was den Neuen im Weißen Haus angeht, gibt sich die kanadische Regierung betont gelassen. Da die Wirtschaft des Landes eng mit jener der USA verknüpft ist, setzt sie auf das Prinzip Hoffnung - trotz Trumps aggressiven Tönen und seiner TPP-Entscheidung.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Der kanadische Botschafter in den USA, David MacNaughton, empfiehlt: Erst ein mal abwarten und auf die guten Kontakte zum südlichen Nachbarn setzen. Der neue US-Präsident Donald Trump aber hat gerade einen Erlass unterzeichnet: Rückzug aus dem Transpazifischen Freihandelsabkommen TTP.

Kanada wäre gerne dabei gewesen. Trump hatte auch angekündigt, das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) mit Mexiko und Kanada mindestens neu zu verhandeln oder gar aufzukündigen. Seit über 20 Jahren gilt NAFTA nun. "Es ist eine sehr triumphale und protektionistische Position, die Herr Trump einnimmt. Die ist für niemanden gut, nicht für Kanada, für die ganze Welt nicht", redet Bob Rae, ehemaliger Chef der Liberalen Partei Kanadas, Klartext.

Botschafter MacNaughton dagegen hofft weiter. Kanada sei in puncto NAFTA nicht wirklich das Problem, habe Donald Trump doch gesagt.

Justin Trudeau | Bildquelle: AP
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Noch auf der Suche nach dem richtigen Kurs im Umgang mit Trump: Kanadas Premier Trudeau.

Schweigen in Calgary

Die kanadische Regierung schweigt - sie hat sich zur zweitägigen Klausur nach Calgary zurückgezogen. Trump und die Folgen dürften im Mittelpunkt stehen. Die USA sind mit Abstand der wichtigste Handelspartner Kanadas - umgekehrt gilt das nicht. Da steht China an der Spitze. Dennoch - erst einmal Taten abwarten, rät auch Rohstoff-Minister Jim Carr im CBC-Interview zur Zurückhaltung.

Kanada exportiert zu allererst in die USA - etwa zehnmal so viel wie an den nächstgrößten Handelspartner Europa. Trotz der "Amerika zuerst"-Haltung von Donald Trump setzt der Rohstoffminister auf ein Zusammen statt ein Gegeneinander mit dem mächtigen Partner im Süden. "Der Energiesektor in Nordamerika ist stark verzahnt. Jobs in Kanada sind gut für die USA und umgekehrt. Ich würde das erstmal positiv sehen."

Im Bett mit einem Elefanten

Schon Pierre Trudeau, Vater des jetzigen Premiers Justin Trudeau, guckte immer etwas besorgt über die Grenze. In einer Rede in Washington vor bald 50 Jahren erklärte er: Für die Kanadier sei das Verhältnis zu den USA, wie mit einem Elefanten im Bett zu liegen. Selbst wenn das "Biest" gutwillig sei, spüre man jedes Zucken.

Und? Ist das Biest jetzt noch gutwillig? Nein, sagten in Toronto geschätzte 60.000 Demonstranten am Wochenende. Sie gingen bei ihrem Women's March genauso auf die Straße wie Amerikaner in Washington, Dallas oder New York. Trudeau gratuliert "seinen" Demonstranten per Twitter - sie inspirierten die Regierung. Trump twittert den "seinen" hinterher, die Wahl sei ja nun vorüber.

"Ein anderer Stil"

Was heiße das denn eigentlich für Kanada, fragt die CTV Journalistin Lisa LaFlamme Botschafter MacNaughton, wenn ein frühmorgendlicher Tweet des neuen US-Präsidenten den kanadischen Dollar beeinflussen könne. Da muss der erstmal tief Luft holen - und seufzen. "Das ist eine andere Welt, eine andere Regierung. Ein anderer Stil. Damit müssen wir wohl alle leben."

Stephen Harper ist als früher konservativer Premier Kanadas da weniger diplomatisch - jetzt, wo er nicht mehr im Amt ist. "Die Präsidentschaft Trumps ist eine Quelle globaler Unsicherheit. Man sollte sich keinen Illusionen hingeben: Das führt uns in eine Welt, die wir so seit acht Jahrzehnten nicht mehr kennen."

Keine Panik, bitte – Kanadas gebannter Blick auf Trump
Kai Clement, ARD New York
23.01.2017 19:07 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Januar 2017 um 20:00 Uhr.

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