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Mehr als 30 Jahre nach dem Ende der Schreckensherrschaft der Roten Khmer in Kambodscha geht der erste Prozess gegen einen der Anführer in die Schlussphase. Anklage und Verteidigung des früheren Chef-Folterers "Duch" halten ihre Plädoyers, Anfang des nächsten Jahres soll ein Urteil fallen.
Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Hörfunkstudio Südostasien
[Bildunterschrift: "Duch" beim Prozess in Phnom Penh ]
Im Prozess gegen den ehemaligen Chef des berüchtigten Foltergefängnisses S21 in Phnom Phen haben die Nebenkläger ihre Schlussplädoyers gehalten. Sie verlangten eine harte Strafe. Anwalt Karim Khan kritisierte, Duch habe die Verantwortung für sein Handeln auf Befehle von oben schieben wollen. Das Interesse an dem Prozess ist vor allem unter den älteren Kambodschanern groß. Die Zuschauertribüne im Gerichtssaal des Tribunals war auch während der Plädoyers gefüllt. Das kambodschanische Fernsehen übertrug live.
Der 67-jährige Kaing Guek Eav alias "Duch" ist der erste von insgesamt fünf Anführern der Roten Khmer, dem der Prozess gemacht wurde. Er muss sich wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten. Während der Herrschaft der Roten Khmer von 1975 bis 1979 waren fast zwei Millionen Menschen ums Leben gekommen, durch Hinrichtung, Zwangsarbeit oder infolge von Unterernährung. Im S21 wurden mehr als 13.000 Menschen ermordet.
Während der 72 Verhandlungstage, zu denen das international besetzte Tribunal seit Anfang des Jahres zusammengetreten war, hatte "Duch" seine Schuld eingestanden und die Angehörigen der Opfer um Vergebung gebeten. "Ich erkenne meine juristische Verantwortung für die Verbrechen, die im Gefängnis begangen wurden an, vor allem für die Folter und die Hinrichtungen. Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um mich bei den Überlebenden zu entschuldigen und auch bei den Familien, die Angehörige im S21 verloren haben."
[Bildunterschrift: Das Sondertribunal in Phnom Penh ]
Bei einer Verurteilung droht Duch eine lebenslange Haft, die Todesstrafe ist bei dem Tribunal nicht vorgesehen. "Als Opfer der Roten Khmer bin ich schockiert von dem was 'Duch' hier so gesagt hat", sagt Chap Im, auch er ein Opfer der Khmer-Herrschaft. "Dieses Regime war so brutal und gemein. Er beruft sich auf das Gesetz, aber das ist seine Sache. Ich bin damit überhaupt nicht zufrieden."
Die Arbeit des Tribunals ist in den drei Jahren seines Bestehens nur sehr schleppend voran gekommen. Zwischen den kambodschanischen und internationalen Richtern gab es nicht nur Sprachbarrieren, sondern auch viele Meinungsverschiedenheiten über die Auslegung des Gesetzes. Auch von Seiten der kambodschanischen Regierung gab es nicht immer Unterstützung.
Premierminister Hun Sen, früher selbst Mitglied der Roten Khmer, hatte sich lange gegen die Einrichtung des Tribunals gesperrt und lehnt bis heute eine Ausweitung der Ermittlungen auf mittlere Führungsebenen der Roten Khmer ab. "Ich würde dieses Tribunal lieber scheitern lassen, als zusehen, wie ein neuer Bürgerkrieg in diesem Land ausbricht. Daran gibt es nichts zu rütteln. Das Tribunal soll sich auf die früheren Anführer der Roten Khmer konzentrieren, die bereits angeklagt sind."
Außer "Duch" sind noch vier weitere Führungskader der Roten Khmer in Untersuchungshaft. Der frühere Staatschef Khieu Samphan, der einstige Außenminister Ieng Sary und seine Frau Ieng Thirith, die im Demokratischen Kampuchea, wie der Staat damals hieß, Sozialministerin war, sowie der Chefideologe der Roten Khmer, Nuon Chea, der sogenannte Bruder Nummer Zwei, warten auf ihren Prozess. Pol Pot selbst starb 1998.
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