Flüchtlinge auf der australischen Weihnachtsinsel

Regierung will Flüchtlinge nach Kambodscha bringen Nur nicht in Australien

Stand: 03.06.2014 10:25 Uhr

Möglichst weit weg - nach dieser Devise verfährt die australische Regierung mit Asylbewerbern. Viele werden auf entlegenen Inseln untergebracht. Nun plant das Land, Flüchtlinge an Kambodscha weiter zu reichen - eines der ärmsten Länder der Welt.

Von Udo Schmidt, ARD-Hörfunkstudio Singapur

Mohammed Ibrahim ist Rohingya, Angehöriger einer verfolgten muslimischen Minderheit in Myanmar und von dort geflüchtet. In Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh lebt er als einer der ganz wenigen Asylsuchenden im Khmer-Staat. Und Mohammed lebt unter schlechtesten Bedingungen. Jeden Tag kämpfe er "um das bisschen Essen, das wir zum Leben brauchen", berichtet er.

Für diesen Tag hat Mohammed zwei Eier zubereitet, seine gesamte Tagesration. Dass Kambodscha noch mehr Flüchtlinge aufnimmt, kann er sich kaum vorstellen - dazu sei das Land derzeit doch kaum in der Lage.

Flüchtlingstransfer von Australien nach Kambodscha
U. Schmidt, ARD Singapur
03.06.2014 10:00 Uhr

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Aber genauso soll es kommen. Kambodscha wird Flüchtlinge aufnehmen, sogenannte Boatpeople, die Australien nicht haben  will und in ein Lager auf der Südseeinsel Nauru abgeschoben hat. Die Tinte unter der Einverständniserklärung ist bereits trocken.

Australien lässt tausende Flüchtlinge, die mit Booten an der Küste ankommen, nicht ins Land, sondern bringt sie bisher in Lagern in Papua-Neuguinea und Nauru unter. Dort sind die Bedingungen jedoch schlecht, die Asylsuchenden meutern, die Lager sind belegt.

Daher jetzt der Deal mit Kambodscha. Ouch Bourith führt die Geschäfte im kambodschanischen Außenministerium. Wie viele Flüchtlinge kommen und welche Kosten dies verursacht, könne er jetzt noch nicht sagen, das soll jetzt eine Kommission klären. Aber, versichert Bourith: "Wir werden mit den Flüchtlingen in Kambodscha verantwortungsvoll umgehen."

Ein Asylbewerber vor einem australischen Flüchtlingslager auf der Manus-Insel
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Auch auf Papua-Neuguinea sind Asylbewerber untergebracht - nun hat die Regierung eine noch weiter entfernte Unterbringung gefunden.

Dollars machen es möglich

Es wird Geld fließen von Australien nach Kambodscha, so viel ist klar. Wie viel, dass kann oder will zur Zeit niemand sagen. Die Rede ist von 40 Millionen australischen Dollar, umgerechnet 27 Millionen Euro. "Wir werden australische Flüchtlinge in Kambodscha akzeptieren", hat Premier Hun Sen bereits auf seiner Facebook-Seite gepostet.

Sein Vize Hor Namhong versucht, einzuschränken: Man werde nur Flüchtlinge aufnehmen, die freiwillig kommen, das sei ein wichtiges Prinzip. Wenn auch ein schwer zu überprüfendes Prinzip. Sam Rainsy, Kambodschas Oppositionsführer und Lieblingsfeind Hun Sens hält die Ankündigung für "ein wenig überraschend". Es sei wohl "kaum angemessen und realistisch", Flüchtlinge aus Australien oder einem von Australien kontrollierten Lager gerade nach Kambodscha zu schicken. Denn, so Rainsy: "Unser Land ist darauf nicht vorbereitet, wir sind dafür nicht ausgestattet."

Der Ausstattung sollen die 40 Millionen "Aussie-Dollar" dienen, die offensichtlich fließen werden. Allerdings, gibt Rainsy zu bedenken, werde davon nicht viel ankommen. Denn Kambodscha sei eines der korruptesten Länder der Welt - und eines der ärmsten: "Geld, gerade aus ausländischen Quellen, landet vor allem in den Taschen der korrupten Führer und nur ganz wenig bei den eigentlich Bedürftigen." Wann es mit den Flüchtlingstransporten von Nauru nach Kambodscha losgehen soll, ist derzeit noch unklar.

Dieser Beitrag lief am 03. Juni 2014 um 06:40 Uhr im Deutschlandradio Kultur.

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