Hausbesitzerin Martha Marquez steht vor ihrem abgebrannten Haus in Santa Rose, Kalifornien | Bildquelle: AFP

Brände in Kalifornien Noch einmal ganz von vorn anfangen

Stand: 11.10.2017 15:31 Uhr

Bei den verheerenden Bränden im Norden Kaliforniens hat sich die Zahl der Toten auf 21 Menschen erhöht. Etwa 2000 Menschen haben nach Behördenangaben ihr Haus oder Geschäft in den Flammen verloren - wie auch ein ausgewandertes deutsches Ehepaar.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Ursula Mayer wirkt erschöpft. Sie und ihr Mann haben in der vergangenen Nacht alles verloren, erzählt die gebürtige Schwäbin aus Ludwigsburg. "Ich habe immer gesagt, ich bleibe hier, bis ich sterbe", sagt sie. "Mein Mann wollte immer wegziehen. Ich wollte nie, weil ich so an Haus und Garten hing. Das ist jetzt natürlich alles weg. Alles, was vom Haus übrig geblieben ist, ist ein Kamin und ein Baum im Garten. Alles ist zerstört."

Die 69-Jährige lebt seit zwölf Jahren mit ihrem Mann Karl in Santa Rosa. Jetzt müssen die beiden noch einmal ganz von vorne anfangen.

Umzug in Notunterkunft

Um drei Uhr am frühen Montagmorgen hatte Ursula Mayer das Feuer bemerkt. Zwar haben sie und ihr Mann ihr Haus sofort verlassen, doch die Gewalt der Flammen hatten sie unterschätzt.

"Ich bin dann rausgegangen, da war alles voll mit Rauchschwaden", fährt die Hausbesitzerin fort. "Wir sind dann nur weggegangen, weil wir gedacht haben, es ist besser, und wir kommen später wieder zurück." Nach vier Stunden seien dann tatsächlich wieder zurückgekehrt, da habe aber schon alles gebrannt.

Ein Gebäude im Napa Valley brennt aus. | Bildquelle: AFP
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Brände im Norden Kaliforniens: Zehntausende Hektar Land zerstört.

Das einzige, was den beiden geblieben ist, sind ein Auto und ein Kofferraum mit Decken und ein paar Kleidungsstücken, die sie sich gerade gekauft hatten. Jetzt stehen die beiden Rentner vor einer Notunterkunft in der 30 Kilometer südlich gelegenen Stadt Petaluma. In dem Veranstaltungszentrum sind in dieser Nacht 400 Personen untergebracht. Da ist zum Beispiel die elfjährige Eileen, die mit ihrem jüngeren Bruder und ihrer Mutter hergekommen ist, weil ihr Haus völlig verrußt wurde.

"Wir können wegen des Rauchs nicht zurück", erklärt Eileen. "Das Haus meines Stiefvaters ist ganz niedergebrannt." Unterdessen haben Helfer in der Notunterkunft Pritschen aufgebaut. Und die Einwohner von Petaluma bringen Kleidung, Essen und Decken in die Halle am Stadtrand.

Große Hilfsbereitschaft

Katie ist Krankenschwester und kümmert sich um die medizinische Versorgung. "Ich bin überrascht, wie viele Helfer hier herkommen", sagte sie. "Krankenschwestern, anderes medizinisches Personal - alle fragen, ob sie helfen können."

Im Empfangsbereich stehen auch Ursula Mayer und ihr Mann Karl. Die beiden wirken ein wenig entspannter, sie können während der nächsten Tage hier übernachten. "Wir hoffen, dass wir heute Nacht Schlaf finden. Wir haben Decken gekauft, Kissen noch nicht. Aber es ist besser, als im Auto zu schlafen."

30 Kilometer weiter nördlich ist die Brandgefahr noch längst nicht gebannt. Rund um Santa Rosa, einer Kleinstadt mit 175.000 Einwohnern lodern Dutzende Feuer. Die Feuerwehren konzentrieren sich nur auf Brände, die Menschen gefährlich werden könnten. Einzelne Straßenzüge sind mittlerweile völlig zerstört. Schwarze Rauchschwaden steigen alle paar Meter auf. Das Atmen fällt schwer.

Das Hilton Hotel, unweit der Autobahn, ist nur noch ein schwarz verkohlter Haufen. So sehen hier Hunderte Häuser aus. Bill ist Feuerwehrmann, er wurde vor über 36 Stunden von San Francisco nach Santa Rosa abkommandiert. Solch ein großes Feuer habe er noch nie gesehen, sagt der 50-Jährige.

Ein paar Kilometer weiter steht Buster an einer Kreuzung, nur 200 Meter von seinem Haus entfernt. Die Polizei hat sein Haus mit Flatterband abgesperrt. Die eigenen vier Wände darf der 56-Jährige nicht mehr betreten. Zu nah ist das Feuer. Nun sorgt sich Buster, dass sein Haus noch völlig abbrennen könnte. Der Wind soll deutlich zunehmen. "Im Radio habe ich gehört, dass morgen die Brandgefahr wieder zunehmen soll", sagt er. "Morgen ist alles möglich", fügt er leise hinzu.

Zahl der Toten bei Waldbränden in Kalifornien steigt
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
11.10.2017 14:30 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. Oktober 2017 um 15:00 Uhr.

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