Anschlag

21 Tote bei Anschlag in Ägypten Der Attentäter wartete vor der Kirche

Stand: 01.01.2011 15:34 Uhr

In Ägypten haben Terroristen ein Blutbad angerichtet: Bei einem Anschlag vor einer koptischen Kirche in Ägypten sind in der Nacht mindestens 21 Menschen ums Leben gekommen, mehr als 40 wurden verletzt. Nach der Tat lieferten sich wütende Christen Straßenkämpfe mit der Polizei.

Von Linda Staude, ARD-Hörfunkstudio Kairo

Es ist ein Bild der Zerstörung vor der Saints Church, einer koptischen Kirche in der ägyptischen Hafenstadt Alexandria. Die Fassade des Gotteshauses ist geschwärzt von Bränden, die inzwischen gelöscht sind. Auf den Stufen Trümmerteile und große Blutlachen. Die ausgebrannten, verzogenen Überreste eines Autos zeugen von dem Blutbad der vergangenen Nacht.

Kurz nach Mitternacht zündeten Terroristen eine Bombe mit rund 100 Kilo Sprengstoff, die mindestens 21 Menschen das Leben gekostet hat. Über 40 wurden verletzt. Die Opfer: Koptische Christen, die in der Nacht an einer Neujahrsmesse teilgenommen hatten. Ein Augenzeuge, der koptische Priester Mena Adel berichtete, dass die rund 1000 Teilnehmer zum Zeitpunkt der Explosion gerade den Gottesdienst verließen und auf die Straße strömten. Die Wucht der Detonation hat auch eine nahegelegene Moschee beschädigt.

Alles deutet auf einen Selbstmordanschlag

Der Sprengsatz detonierte kurz nach Mitternacht, als die Besucher einer Neujahrsmesse aus der Kirche kamen.
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Ein Ort der Zerstörung: Bei dem Anschlag vor der Kirche in Alexandria kamen mindestens 21 Menschen ums Leben.

Die Polizei hat die Gegend rund um den Tatort abgeriegelt. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Ursprünglich sind die Behörden davon ausgegangen, dass die Terroristen eine Autobombe gezündet haben. Erste Untersuchungsergebnisse deuten allerdings darauf hin, dass ein Selbstmordattentäter zwischen den geparkten Wagen und der Kirche auf die Gottesdienstbesucher gewartet hat. Der Generalstaatsanwalt des Landes ist auf dem Weg von Kairo nach Alexandria, um die Ermittlungen persönlich zu leiten. Ein Zeichen dafür, wie besorgt die ägyptische Regierung über diesen Anschlag ist, der offenbar sorgfältig vorbereitet war.

Der ägyptische Staatspräsident Hosni Mubarak rief Muslime und Christen in einer Erklärung auf, gegen die Kräfte des Terrorismus Geschlossenheit zu demonstrieren. Alle Ägypter sollten sich gegen jene wenden, die die Sicherheit des Landes, seine Stabilität und die Einheit seiner Bürger bedrohten, hieß es weiter. Wer hinter dem blutigen Anschlag steht, ist unklar - niemand hat sich bisher dazu bekannt.

Steckt Al Kaida hinter dem Attentat?

Der Gouverneur von Alexandria machte im staatlichen Fernsehen Al Kaida verantwortlich. Das Terrornetzwerk hatte nach einer Anschlagsserie in der irakischen Hauptstadt Bagdad auch mit Anschlägen auf Christen und christliche Kirchen in Ägypten gedroht. Die Ermittler haben zwar Hinweise auf eine ausländische Beteiligung in Alexandria gefunden, allerdings keine konkreten Beweise.

Beobachter vermuten, dass der Gouverneur mit seiner schnellen Erklärung lediglich den Verdacht abwenden will, die immer wieder auftretenden Spannungen zwischen Christen und Muslimen in Ägypten könnten zu der tödlichen Attacke geführt haben. Nur rund zehn Prozent der ägyptischen Bevölkerung sind Christen und ihre Klagen über Diskriminierung sind in den vergangenen Monaten immer lauter geworden.

Vereinzelte Angriffe auf die religiöse Minderheit hat es immer wieder gegeben, so zum Beispiel im vergangenen Januar, als sieben Christen vor einer Kirche im Süden des Landes aus einem vorbeifahrenden Auto erschossen wurden. In Kairo ist es erst im November zu Unruhen gekommen, nachdem die Polizei den Bau einer Kirche gestoppt hatte. Die gewalttätigen Proteste forderten ein Todesopfer.

Straßenschlachten nach dem Anschlag

Die Polizei geht gegen wütende Demonstranten vor.
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Die Polizei geht gegen wütende Demonstranten vor.

Auch in Alexandria hat es nach dem Anschlag in der Nacht Straßenschlachten gegeben. Wütende Christen bewarfen eine Moschee und muslimische Passanten mit Steinen und Flaschen. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Menge auseinanderzutreiben. In den Morgenstunden versammelten sich aber erneut christliche Demonstranten um den Anschlagsort, um ihren Unmut gegen die Regierung kund zu tun.

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