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28.05.2012

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Protest in Kairo (Foto: dpa)
Kairo: Mehrere Tote bei Protesten in Kairo
Mehrere Tote bei Protesten in Kairo

Ägyptens Militär greift brutal durch

Mit aller Macht und Gewalt versucht das ägyptische Militär den Protest der Demonstranten in Kairo zu ersticken. Mit Schlagstöcken bewaffnet räumten Soldaten den Tahrir-Platz. Neun Menschen kamen seit Freitag ums Leben. Ministerpräsident Gansuri verteidigte das Vorgehen als "Rettung der Revolution".

Von Peter Steffe, ARD-Hörfunkstudio Kairo

Dicker, schwarzer Rauch hing am Nachmittag stundenlang über dem Tahrirplatz. Überall loderten Feuer, auch in zwei Regierungsgebäuden. Zelte, Schlafsäcke und Decken sowie anderes Hab und Gut von Anhängern der ägyptischen Protestbewegung gingen auf dem Tahrir-Platz in Flammen auf. Zuvor hatten mit Schlagstöcken bewaffnete Soldaten der Armee regelrecht Jagd auf friedliche Demonstranten gemacht. Sie hetzten sie quer über den symbolträchtigen Platz, wo vor knapp elf Monaten die Proteste gegen das Regime Mubarak begonnen hatten. Wahllos verprügelten sie Menschen. Sie ließen auch nicht davon ab, als ihre Opfer bereits auf dem Boden lagen.

Warnschüsse waren zu hören

Rauchwolken steigen nach den Ausschreitungen auf dem Tahrir-Platz auf (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Rauchwolken steigen nach den Ausschreitungen auf dem Tahrir-Platz auf ]
Im arabischen Fernsehsender Al Dschasira waren schockierende Bilder zu sehen. Minutenlang droschen Armeeangehörige mit ihren langen Hartholzstöcken auf zwei Männer und eine am Boden liegende Frau ein. Einer der Männer versuchte aufzustehen, hielt sich schützend seine Arme über den Kopf, strauchelte und fiel unter den brutalen Hieben wieder hin. Die Soldaten ließen erst von ihm und den beiden anderen ab, als keiner sich mehr bewegte. Andere Sicherheitskräfte vertrieben Mitglieder der Protestbewegung, die vor ihren auf dem Tahrir-Platz aufgebauten Zelten verharrten. Auch hier schlugen die Soldaten erbarmungslos zu. Anschließend wurde Feuer gelegt. Die Menschen, die sich auf dem Tahrir-Platz aufhielten, rannten in panischer Angst in Seitenstraße, um sich in Sicherheit zu bringen. Auch Warnschüsse waren zu hören. Soldaten durchkämmten anschließend Gebäude am Rande des Tahrir-Platzes. Dabei wurden Journalisten vorübergehend festgenommen und die Ausrüstung von Fernsehteams konfisziert.

Bilanz: neun Tote

Es hat den Anschein, dass der regierende Militärrat mit dem jetzigen kompromisslosen Vorgehen jegliche weiteren Proteste unterbinden will. Nachdem das Militär gestern Morgen mit brutaler Gewalt ein kleines Zeltlager vor dem Parlament geräumt hatte, kam es zu blutigen Zusammenstößen. Die Bilanz: neun Tote und knapp 400 zum Teil schwer verletzte Menschen. Unter den Toten ist auch ein Geistlicher der renommierten Al-Ashar-Universität. Er hatte sich den Demonstranten vor dem Regierungssitz angeschlossen und war in die Brust geschossen worden. Er galt als Fürsprecher der Proteste und hatte wiederholt das Militär kritisiert.

Ägyptens Ministerpräsident Kamal el Gansuri verteidigte das Vorgehen der Sicherheitskräfte. Es seien zwar Menschen erschossen worden, aber nicht von Polizisten oder Soldaten, sagte er am Mittag. Der 79-Jährige erklärte, seine Regierung stehe so wörtlich für die "Rettung der Revolution", während die Demonstranten vor dem Kabinettsgebäude gegen die Revolution seien.

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Stand: 17.12.2011 17:22 Uhr
 

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