Ägypten: Viele Tote und Hunderte Verletzte bei Ausschreitungen

Viele Tote bei Straßenschlachten (Bildquelle: dpa)

Mursi-Demonstrationen in Ägypten

Viele Tote bei Straßenschlachten

Die Gewalt in Ägypten ist weiter eskaliert: Bei den blutigen Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern des gestürzten Präsidenten Mursi wurden in der Nacht mindestens 30 Menschen getötet und 1100 verletzt. Und die Proteste sollen heute fortgesetzt werden.

Von Peter Steffe, ARD-Hörfunkstudio Kairo

Es waren blutige Auseinandersetzungen. Die bisherige Bilanz: mehr als 30 Tote und über 1100 Verletzte. Ausschreitungen gab es in Alexandria, wo alleine zwölf Menschen getötet und 200 verletzt wurden. Auch in Städten des Nildeltas und in Suez und auf der Halbinsel Sinai gab es Krawalle. In Kairo lieferten sich Anhänger der Islamisten und ihre Gegner ebenfalls blutige Straßenschlachten.

Nachdem es bereits gestern Nachmittag die ersten Toten vor der Kaserne der Republikanischen Garde im Stadtteil Heiliopolis gegeben hatte, wo möglicherweise der gestürzte Ex-Machthaber Mohammed Mursi von der Armee festgehalten wird, zog die wütende Menge protestierender Islamisten in Richtung Kairos Innenstadt. Nach Einbruch der Dunkelheit gab es Ausschreitungen vor dem Gebäude des staatlichen Fernsehens, das von Soldaten der Armee geschützt wurde.

Gewalt zwischen Anhängern und Gegnern Mursis eskaliert
tagesschau 12:00 Uhr, 06.07.2013, Stefan Maier, ARD Kairo

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Wüste Straßenschlachten in Kairo

Die immer wieder "Mursi, Mursi" skandierende Menge versuchte dann zum Ägyptischen Museum zu kommen. Dort, bei einer der Nilbrücken, entlud sich die Wut darüber, dass die Islamisten im politischen Gefüge des Landes nichts mehr zu sagen haben. Gegner und Anhänger des gestürzten Präsidenten lieferten sich mehrere Stunden lang wüste Straßenschlachten. Steine flogen, beide Seiten beschossen sich gegenseitig gezielt mit Feuerwerkskörpern.

Auf einer Auffahrt zur Brücke des 6. Oktobers brannte ein Auto vollständig aus. Immer wieder wogte das Geschehen hin und her. Schüsse fielen. Die Bilder, die live in arabischen Fernsehsendern zu sehen waren, erinnerten zeitweise an die Krawalle während der Revolution 2011.

Straßenschlachten in Kairo (Bildquelle: AP)
galerie

Die beiden Seiten schossen unter anderem mit Feuerwerkskörpern aufeinder.

Polizei und Militär, die mit starken Aufgeboten präsent waren, hielten sich die Szenerie beobachtend zunächst zurück. Sie verhinderten allerdings durch ihre Präsenz, dass die mit Knüppeln und Eisenstangen bewaffneten Islamisten zum Tahrirplatz vordringen konnten. Dort hielten sich bis in die späten Abendstunden Zehntausende Gegner der Muslimbrüder auf. Als sich dann die Ausschreitungen entlang des Nilufers etwas beruhigt hatten, rollten gepanzerte Kettenfahrzeuge der Armee mit schwer bewaffneten Soldaten an - und der Spuk war urplötzlich zu Ende.

Schwere Ausschreitungen in Ägypten
P. Steffe, ARD Kairo
06.07.2013 06:47 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Kampfansage mit verheerender Wirkung

So schnell wie die aufgeheizte Menge wütender Islamisten aufgetaucht war, verschwand sie auch wieder. Dass die Anhänger des gestürzten Ex-Präsidenten nicht klein beigeben werden, das machte der starke Mann der Muslimbrüder, Mohammed Badie, deutlich. Zunächst hatte es geheißen, er sei in Haft. Dann tauchte er gestern Nachmittag urplötzlich in Nasr City auf, einem Stadtteil von Kairo.

Dort, wo seit mehr als einer Woche die Islamisten für Mursi demonstrieren, heizte er die Massen an: "Wir werden millionenfach auf den Plätzen des Landes bleiben, so lange, bis wir unseren gewählten Präsidenten Mohammed Mursi auf unseren Schultern zurück ins Amt tragen können."

Eine Kampfansage mit verheerender Wirkung, wie sich herausstellte. Nach den heftigen Ausschreitungen meldete sich noch am Abend der Großmufti der Al Azhar Universität, Ahmed al Tajjeb, zu Wort und rief seine Landsleute zur Mäßigung auf. Man müsse gemeinsam einen Weg aus der Krise finden, die sich wie ein schwerer Schatten droht über das Land zu legen. Auch die USA verurteilten die brutale Gewalt bei den Auseinandersetzungen.

Stand: 06.07.2013 09:49 Uhr

Darstellung: