Auch die Anhänger der Militärregierung demonstrierten am dritten Jahrestag der Revolution in Kairo. | Bildquelle: dpa

Gewaltexzesse am Jahrestag der Revolution Opferzahl in Ägypten deutlich erhöht

Stand: 26.01.2014 10:33 Uhr

Bei den Gewaltexzessen am dritten Jahrestag des Volksaufstandes in Ägypten sind am Samstag mehr Menschen getötet wurden als zunächst vermeldet. Wie das Gesundheitsministerium mitteilte, wurden innerhalb von 24 Stunden mindestens 49 Menschen getötet. Am Abend war zunächst von 29 Toten die Rede gewesen.

Allein in der Hauptstadt Kairo und ihren Vororten starben Dutzende Demonstranten. Dort hatten sich Regierungsgegner den ganzen Tag blutige Straßenschlachten mit der Polizei geliefert.

Am Morgen starben Polizeikreisen zufolge zudem vier Soldaten bei einem Angriff auf einen Armeebus im Sinai. Seit dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi im Juli häufen sich die Anschläge auf der Halbinsel.

Demonstrationen für Militärchef Sisi

Bei den Demonstranten handelte es sich sowohl um liberal-säkulare Gegner der Militärregierung als auch um Anhänger der islamistischen Muslimbrüder. Denen gehört auch Mursi an. Er war in freien Wahlen zum Nachfolger des langjährigen Machthabers Hosni Mubarak gewählt worden, doch im vergangenen Sommer gab es auch gegen ihn Massenproteste, und das Militär enthob ihn des Amtes.

An anderen Orten der ägyptischen Hauptstadt versammelten sich Unterstützer des Militärs. Sie drängen Militärchef Abdel Fatah al Sisi, bei der geplanten Präsidentschaftswahl zu kandidieren.

Angesichts der Gewalt in Ägypten verschärfte das Auswärtige Amt seine Reisehinweise für das Land. Deutsche Touristen in Kairo und anderen großen Städten wurden aufgefordert, ihre Hotels an diesem Wochenende nicht zu verlassen.

Tote bei Protesten am Jahrestag der Revolution
tagesthemen 21:45 Uhr, 25.01.2014, Thomas Aders, ARD Kairo

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Mitarbeiter der ägyptischen Botschaft in Libyen entführt

Der Konflikt in Ägypten macht offenbar nicht vor den Landesgrenzen halt: In Libyen wurden fünf Angehörige der ägyptischen Botschaft entführt. Der Kulturattaché und drei weitere Botschaftsmitarbeiter seien in Tripolis verschleppt worden, sagte ein Sprecher des libyschen Außenministeriums.

Bereits am Vortag war ein weiterer Botschaftsangehöriger gekidnappt worden. Die libysche Regierung hatte daraufhin verschärfte Sicherheitsvorkehrungen rund um die ägyptische Botschaft angekündigt. Möglicherweise besteht auch ein Zusammenhang zwischen den Entführungen und der Festnahme eines prominenten libyschen Rebellenführers in Ägypten am Freitag.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. Januar 2014 um 12:00 Uhr.

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