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Sexuelle Belästigung in Ägypten

"Kampf gegen sexuelle Gewalt gehört zur Revolution"

Der Tahrir-Platz gilt als Symbol der ägyptischen Revolution. Doch dort, wo vor zwei Jahren Zehntausende gegen den damaligen Präsidenten Mubarak demonstrierten, kommt es bis heute immer wieder zu sexuellen Übergriffen. Junge Ägypter haben der Gewalt gegen Frauen jetzt den Kampf angesagt.

Von Aurelie Winker, ARD-Hörfunkstudio Kairo

Zwei Tage lang sollten die Ägypter twittern und auf Facebook eintragen, wie sie sich ihr Land erträumen. Aufgerufen dazu hatte "Harassmap", eine Organisation gegen sexuelle Belästigung. Und viele haben mitgemacht.

Der Traum: Ein Land, in dem Frauen keine Angst haben müssen

Frauen bei Demonstration auf Tahrirplatz in Kairo
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Ägyptische Frauen demonstrieren auf dem Tahrirplatz. Für viele gehört der Kampf gegen sexuelle Belästigung zum Kampf gegen das System.

Eine junge Frau schreibt etwa: "Wir wollen nicht 100 Mal überlegen bevor wir auf die Straße gehen: Was sollen wir anziehen, welches Verkehrsmittel benutzen, wie gehen, wie Beleidigung und Belästigung vermeiden."

Und ein Mann ergänzt: "Ich träume von einem Ägypten, in dem niemand wegen seines Geschlechts benachteiligt wird. Wo es kein starkes oder schwaches Geschlecht gibt und keinen Platz für sexuelle Belästigung."

Eine andere Frau träumt davon, auf der Straße Männer anlächeln zu können - und nicht ihr "abweisendes Gesicht" aufsetzen zu müssen."

Sexuelle Übergriffe gehören zum Alltag

Auf Harassmap.org findet man eine Karte. Auf dieser Karte ist markiert, wo in Ägypten Fälle von sexueller Belästigung gemeldet wurden. Auf dem Tahrir-Platz zeigt die Karte einen großen roten Fleck. 147 Meldungen wurden von dort bei Harassmap gemacht.

Sexuelle Belästigung ist in Ägypten ein Alltagsproblem. Laut einer ägyptischen Studie von 2008 haben 83 Prozent der ägyptischen Frauen diese Erfahrung gemacht.

Harassmap
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Mit einem roten Fleck sind die Tatorte sexueller Belästigungen auf der "Harassmap" gekennzeichnet. Allein am Tahrir-Platz sind 147 Übergriffe vermerkt.

Junge Ägypter wollen den Tahir-Platz sicher machen

Bei Großdemonstrationen hat das Problem inzwischen eine neue Dimension angenommen, wie die Ägypterin Salma beschreibt: "Ein Mob von Leuten, die eine Frau einkreisen, sie anfassen, ihre Brüste begrabschen, in ihren BH und ihre Hose fassen, sie an den Haaren ziehen, sie schlagen, ausziehen und zehn Meter über den Boden schleifen."

Ein extremer Fall, aber kein Einzelfall. Salma gehört zu einer Initiative gegen Massenangriffe auf Frauen. Das erste Mal wurde eine solche Attacke 2005 bekannt, bei einer Demonstration gegen den damaligen Präsidenten Husni Mubarak. Nach dessen Sturz gingen die Angriffe weiter.

Aber inzwischen wehren sich die Menschen, vor allem die jungen: In einem kleinen Raum sitzen etwa 60 junge Leute, die meisten auf dem Boden. Es sind etwa gleichviel Männer und Frauen. Gemeinsam planen sie, wie sie am Jahrestag der Revolution den Tahrir-Platz sicher machen können.    

Spezielle "Eingreifteams" sollen Frauen aus Notsituationen befreien

Sexuelle Belästigung in Ägypten - Kampagne über Facebook und Twitter
A. Winker, DLR
25.01.2013 19:20 Uhr

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Ein junger Mann mit Karo-Hemd und gestutztem Bart schreibt die verschiedenen Aufgaben auf eine Tafel. Es gibt mehrere Hotlines von verschiedenen Mobilfunkanbietern. Bei denen kann man anrufen und melden, wenn eine Frau belästigt wird. Die Nummern stehen auf Facebook und Twitter. Das "Eingreifteam" hat dann die Aufgabe, die Frau herauszuholen, wenn sie umzingelt ist. Das "Sicherheitsteam" versorgt sie anschließend.

Es klingt wie die Vorbereitung auf einen Kampf. Salma ist davon überzeugt, dass die gezielten Angriffe die Frauen vom Tahrir-Platz vertreiben und die Demonstrationen in ein schlechtes Licht rücken sollen. "Es ist Teil unserer Aufgabe dem entgegenzutreten", sagt die Ägypterin. "So wie wir gegen jede Form von Unterdrückung vorgehen und gegen jede Art von Einschüchterung." Das gehöre zur Revolution und zu dem Versuch, das Regime zu besiegen. 

Dieser Beitrag lief am 25. Januar 2013 um 12:15 Uhr bei Deutschlandradio Kultur.

Stand: 25.01.2013 04:57 Uhr

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