Brennende Kirche in Kairo | Bildquelle: AFP

Anschlag in Kairo Regierung verdächtigt Muslimbrüder

Stand: 13.12.2016 09:44 Uhr

Nach dem Anschlag auf eine Kirche in Kairo hat die ägyptische Regierung die Muslimbrüder als Drahtzieher beschuldigt. Bei dem Selbstmordattentat auf das Gotteshauses der christlichen Kopten waren am Sonntag 24 Menschen getötet worden.

Das ägyptische Innenministerium hat führende Vertreter der verbotenen Muslimbruderschaft als Drahtzieher des Anschlags auf eine Kirche in Kairo bezeichnet. Die Islamisten hätten den Selbstmordattentäter und seine Helfer von Katar aus finanziert und ausgebildet, erklärte das Innenministerium. Der Anschlag ziele darauf ab, einen "massiven Konflikt zwischen den Religionen herbeizuführen".

Bei dem Selbstmordanschlag auf die Kirche der Kopten im Zentrum der ägyptischen Hauptstadt wurden am Sonntag 24 Menschen getötet. Zu der Tat bekannte sich bislang niemand, die Muslimbrüder bestritten eine Beteiligung. Schätzungen zufolge gehören etwa zehn Prozent der mehr als 90 Millionen Ägypter zu der christlichen Gruppe der Kopten.

Vier Verdächtige

Präsident Abdel Fattah al-Sisi hatte gestern die Festnahme von insgesamt vier Verdächtigen bekanntgegeben. Gleichzeitig teilte er mit, dass der Anschlag von dem 22-jährigen Mahmud Schafik Mohamed Mostafa verübt worden sei. Das Innenministerium veröffentlichte nun weitere Angaben zu dem Selbstmordattentäter und seinen mutmaßlichen Hintermännern. Demnach wurde Mostafa 2014 verhaftet, weil er Konvois der Muslimbrüder absicherte. Noch im selben Jahr wurde er wieder freigelassen. Später fahndeten die Behörden wegen zwei weiterer Vorfälle in Verbindung mit den Muslimbrüdern erneut nach ihm.

Nach dem Anschlag entdeckten Ermittler laut dem Innenministerium in dem Versteck von Mostafa und seinen Helfern zwei einsatzbereite Sprengstoffgürtel sowie Material zum Bau weiterer Sprengstoffsätze. Das Innenministerium nannte auch die Namen der vier Festgenommenen. Es handelte sich demnach um drei Männer und eine Frau. Einer der Männer soll die Sprengsätze versteckt sowie dem Selbstmordattentäter Unterschlupf gewährt und ihn auf den Anschlag vorbereitet haben.

Verbindungen nach Katar

Gesucht wird laut dem Ministerium unter anderem noch nach dem Kopf der Gruppe, Mohab Mostafa al-Sajed Kassem alias "Der Doktor". Er habe sich 2015 mit der Führung der Muslimbrüder in Katar getroffen, die ihm logistische und finanzielle Hilfen für Anschläge in Ägypten angeboten habe. Später habe er in Kairo potenzielle Attentäter trainiert.

Das Innenministerium wies zudem auf die Erklärung einer Gruppe namens Ägyptischer Revolutionärer Rat vom 5. Dezember hin, in dem diese Anschläge auf die "Führer der orthodoxen Kirche wegen ihrer Unterstützung des Staats" angekündigt habe. Bei der Gruppe handelt es sich demnach um einen Ableger der Muslimbruderschaft. Dschihadistengruppen werfen den Kopten in Ägypten vor, den Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi Mitte 2013 unterstützt zu haben.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. Dezember 2016 um 13:00 Uhr im ARD-Mittagsmagazin.

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