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40.000 Nordkoreaner arbeiten in der Sonderwirtschaftszone Kaesong. Mehr als 100 südkoreanische Firmen lassen dort produzieren. Doch nicht erst der jüngste Atomtest hat die Spannungen verschärft. Heute trafen sich Vertreter beider Länder zu Gesprächen über die Zukunft Kaesongs.
Von Peter Kujath, ARD-Hörfunkstudio Tokio
Es ist das letzte große, gemeinsame Projekt zwischen Süd- und Nordkorea. In Kaesong, einer Sonderwirtschaftszone auf nordkoreanischen Boden unweit der gemeinsamen Grenze, produzieren 106 südkoreanische Firmen Kleidung, Küchenware und elektronische Teile. Rund 40.000 Nordkoreaner sind dort beschäftigt. "Die Arbeitskosten in Kaesong betragen zur Zeit 55 Dollar im Monat", erklärt Ki-Myeong Kim, Präsident der Firma NDF, die in Kaesong aktiv ist.
[Bildunterschrift: Mehr als 100 südkoreanische Firmen lassen in Kaesong produzieren. ]
"Wenn man alle Zuschüsse des südkoreanischen Staates abzieht, sind es immer noch nur 75 Dollar. Im Vergleich dazu sind die Kosten in China ungefähr 100 bis 150 Dollar", erklärt Ki-Myeong Kim weiter. "Die Vertriebskosten und der zeitliche Aufwand sind ebenfalls viel geringer. Es wäre also sehr bedauerlich, wenn dieser wirtschaftliche Vorteil wegen der politischen Situation nicht mehr genutzt werden könnte." Die 55 Dollar im Monat kassiert übrigens der nordkoreanische Staat; wieviel die Arbeiterinnen wirklich bekommen, weiß niemand.
Zu Wochenbeginn allerdings hat das erste Unternehmen seinen Rückzug aus der Sonderwirtschaftszone bekanntgegeben. Als offizieller Grund wurde die Wirtschaftskrise angegeben. Aber die internationalen Spannungen angesichts der nordkoreanischen Provokationen mit Raketenstarts und Atombombentest sind auch in Kaesong zu spüren. Hinzu kommt, dass sich seit Ende März ein südkoreanischer Arbeiter in nordkoreanischem Gewahrsam befindet, nachdem er angeblich in Kaesong das kommunistische Regime kritisiert habe.
"Es ist eine sehr bedauerliche Tat Nordkoreas, die die Vereinbarung bricht, und zur weiteren Schwächung des Nord-Süd-Verhältnisses beiträgt", sagte Verteidigungsminister Hyun, als Pjöngjang einseitig im April alle Vereinbarungen über Kaesong aufkündigte und mehr Geld forderte. Die daraufhin angesetzte Gesprächsrunde scheiterte bereits an der festzusetzenden Tagesordnung. Und auch die zweite Runde verlief ergebnislos. Es waren dies die ersten offiziellen Gespräche zwischen den beiden Nachbarn seit anderthalb Jahren.
[Bildunterschrift: Morgens in Kaesong: Mit Bussen fahren die Nordkoreaner Richtung Kapitalismus. ]
Kaesong wurde während des ersten Gipfeltreffens zwischen den süd- und nordkoreanischen Staatslenkern im Jahr 2000 beschlossen und 2004 eröffnet. 2007 kam es erneut zu einem Gipfeltreffen. Dann beendete der jetzige südkoreanische Präsident Lee Myung-bak die sogenannte Sonnenschein-Politik. Ohne ein Entgegenkommen Nordkoreas in der Frage der nuklearen Abrüstung sei er nicht mehr zu Zugeständnissen bereit, so Lee bei seinem Amtsantritt. Seitdem vergeht kaum ein Tag, an dem nordkoreanische Medien den "Verräter Lee" nicht attackieren.
Der nordkoreanische Atombombentest wie die Raketenstarts haben Lee jedoch in seiner harten Haltung bestärkt. Seit dem Ende des Korea-Krieges 1953 existiert ein Waffenstillstand, aber kein Friedensvertrag zwischen Nord- und Südkorea. 1999 und 2002 kam es zu blutigen Auseinandersetzungen um die gemeinsame, westliche Meeresgrenze. Beobachter befürchten, dass es angesichts der aktuellen Spannungen durchaus wieder zu begrenzten, bewaffneten Auseinandersetzungen kommen könnte.
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