Käsehersteller Beat Wampfler

Schweizer erforschen Effekt von Musik auf Käse Hip-Hop für den Emmentaler

Stand: 13.07.2018 12:26 Uhr

Wie wirkt die Musik auf reifenden Käse? Diese Frage will ein Schweizer Käsehersteller klären. Ganz ernsthaft, beteuert er. Deshalb kooperiert er mit der Hochschule der Künste in Bern.

Von Dietrich Karl Mäurer, ARD-Studio Zürich

Wer, wenn nicht die Schweizer, weiß, wie guter Käse hergestellt wird? Um zur Delikatesse zu reifen, benötigen die Laibe die richtige Temperatur, eine bestimmte Luftfeuchtigkeit, entsprechende Pflege - und Musik, ergänzt der Schweizer Beat Wampfler aus der Stadt Burgdorf im für seinen Rohmilchkäse bekannten Emmental.

Deshalb habe er vor, Käse zu produzieren, der durch die Beschallung mit Musik einen besonderen Geschmack erhalte.

"Musik wirkt sich auf den Geschmack aus"

Der 53-jährige Tierarzt und Käsehersteller ist davon überzeugt, dass es sich definitiv auf den Geschmack eines Käses auswirkt, wenn er beim Reifen mit Musik beschallt wird. "Ich habe beobachtet, wie der Mensch auf Musik reagiert. Man sieht auch, wie Tiere reagieren", sagt er. "Und es gibt seriöse Versuche mit Pflanzen, wo man sieht, wie sich Pflanzen bei ungeeigneter Musik sehr schlecht entwickeln." Diese Erkenntnisse habe er einfach heruntergebrochen auf die Mikroorganismen und Bakterien, die für die Ausprägung des Käsegeschmacks mitverantwortlich sind.

In seinem 1873 erbauten Käsekeller steht bereits der Prototyp einer Anlage zur musikalischen Beschallung der Käselaibe. Auf einem Käsebrett liegt der Käse. Darunter befindet sich ein klassischer alter Lautsprecher und daneben der Plattenspieler. "Und jetzt beschallen wir diesen Käse", kündigt Wampfler an.

Musikauswahl für den Schweizer Käse
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Simple Minds, Blues Brothers oder Status Quo - welche Musikrichtung mag dieser Käse wohl am liebsten?

"Ein frischer, fröhlicher, lieblicher Käse"

In der Versuchsanordnung werde das acht Monate lang geschehen, damit die Bakterien nachhaltig beeinflusst werden könnten. Natürlich "in der Hoffnung, entsprechende Geschmacksresultate zu erzielen", sagt er und legt die Blues Brothers aus den 1980er-Jahren auf.

Wampfler glaubt sogar zu wissen, welche Musik die Käsebakterien am meisten lieben: "Alles was ein bisschen hübsch und harmonisch ist. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass dies auch für Bakterien gilt. Sie sind schlussendlich auch biologische Wesen. Warum sollten die nicht am selben Freude haben wie wir?"

Im Praxistext sollen Rock von Led Zeppelin und Hip-Hop ebenso erklingen wie Kompositionen von Wolfgang Amadeus Mozart. Bei letzterem wagt Wampfler sogar eine geschmackliche Prognose: "Ich glaube, das wird ein frischer, fröhlicher, lieblicher Käse, der beim Genießen wirklich Freude macht."

Beistand von der Hochschule der Künste

Bei seinem Versuch setzt Wampfler auf wissenschaftlichen Beistand. Gefunden hat er ihn in Michael Harenberg von der Hochschule der Künste in Bern. Der Professor für Musik und Medienkunst und seine Studenten werden sich aktiv an dem Käseexperiment beteiligen:

"Unserer Beitrag ist, diesen Prototypen mit einem Plattenspieler, den zwei Lautsprechern und dem Käsebrett in eine Form zu bringen, wo man das unter kontrollierten Bedingungen acht Monate lang wirklich laufen lassen kann."

schweizer Käse und seine Hersteller
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Beat Wampfler und Michael Harenberg glauben an die positive Wirkung von Musik auf den Emmentaler.

Der Plattenspieler sei dafür eigentlich nicht optimal, glaubt er. "Aber wir sind dabei, die Versuchsanordnung zu entwickeln. Wir werden mit standardisierten Abspielgeräten arbeiten, um Kontrolle darüber zu haben, was bei dem Käse an Frequenzen wirklich ankommt."

Harenberg will nun auch noch die Hochschule für angewandte Wissenschaften in Zürich mit ins Boot holen. Er sei wirklich überzeugt von dem Ansatz, sagt er. Im Käsekeller sollen deshalb auch nicht nur Klassik und Hip-Hop erklingen. Der Professor würde gerne noch mehrere Kisten hinzuziehen, die mit kontrollierten Sinustönen arbeiten. Denn damit habe er die meiste Kontrolle über die Frequenz, die Tonhöhe, die Dynamik und über die Lautstärke. "Und ich kann, wenn mit dem Käse etwas passieren sollte, am ehesten Rückschlüsse ziehen, was da los ist."

Im August soll die Käsebeschallung starten. Für kommenden März ist die Analyse des Käses geplant, samt Verkostung. So verrückt das alles klingt - nach Marketinggag oder Kunstprojekt. Käsehersteller Beat Wampfler beteuert: "Natürlich. Ich meine das schon ernst."

Schweizer Käsehersteller erforscht Wirkung von Musik auf Käsereifung
Karl Dietrich Mäurer, ARD Zürich
13.07.2018 11:03 Uhr

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Über dieses Thema berichtete HR Info am 13. Juli 2018 um 12:38 Uhr.

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