Landtagswahlen in Kärnten und Niederösterreich Politische Premiere für einen Milliardär

Stand: 03.03.2013 07:40 Uhr

Er könnte das Zünglein an der Waage werden: Der Milliardär Frank Stronach hat enorme Summen in den Wahlkampf gesteckt, sein "Team Stronach" könnte bei den Landtagswahlen in Kärnten und Niederösterreich gut zehn Prozent holen. Dabei bleiben die politischen Ansichten des 80-Jährigen diffus.

Von Ralf Borchard, ARD-Hörfunkstudio Wien

"Frank, Frank" - Sprechchöre für den Mann, der die politische Landschaft in Österreich verändern will. Frank Stronach, 80 Jahre alt, in einer Arbeiterfamilie in der Steiermark geboren, nach Kanada ausgewandert, als Geschäftsmann zum Milliardär geworden: "Wir, das Team Stronach, die Familie Stronach, sind dabei, neue Werte zu schaffen in Österreich, es kommt jetzt ein neuer Geist hinein", ruft er den Menschen bei der Wahlkampfveranstaltung zu.

Der Milliardär Frank Stronach bei einer Wahlkampfveranstaltung in St. Pölten (Bildquelle: REUTERS)
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Wie hoch ist das Protestpotenzial? Frank Stronach bei einer Wahlkampfveranstaltung in St. Pölten

Gut zehn Prozent trauen ihm die Meinungsforscher zu. In Kärnten könnte er damit zum Zünglein an der Waage werden, in Niederösterreich die konservative ÖVP die absolute Mehrheit kosten. Stronachs Ergebnis gilt als Gradmesser, wie hoch das Protestwählerpotenzial in Österreich ist.

"Was kommt nach Stronach?"

"Frank Stronach wird sicher auch davon profitieren, dass es eine gewisse Unzufriedenheit gibt", sagt dazu Kärntens Regierungschef Gerhard Dörfler. "Er ist ein politisches Experiment, das für mich eine Sternschnuppe ist, denn Frank Stronach ist ja kein Jüngling mehr. Was kommt nach Frank Stronach?" In der Politik gebe es nun einmal Bewegungen. Er verweist auf das Nachbarland: "Wenn Sie jetzt die italienischen Wahlen anschauen zum Beispiel: Dass auf einmal ein Komiker knapp am Regierungschef vorbeischrammt - daran zeigt sich, dass die politische Landschaft sehr in Bewegung ist."

Kärntens Landeshauptmann Gerhard Dörfler (Bildquelle: picture alliance / dpa)
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Muss seine Abwahl fürchten: Kärntens Landeshauptmann Gerhard Dörfler

Dörfler ist als Landeshauptmann, wie die Ministerpräsidenten in Österreich heißen, Nachfolger von Jörg Haider, der 2008 bei einem Autounfall ums Leben kam. Der Rechtspopulist Haider hatte Kärnten lange Jahre unangefochten im Griff. Kurz nach dessen Tod hatte Dörfler 45 Prozent erreicht, doch nach dem Auffliegen zahlreicher Korruptionsaffären aus der Haider-Zeit muss Dörflers FPK mit herben Verlusten rechnen.

Und so hofft der Sozialdemokrat Peter Kaiser, Kärnten für die SPÖ zurückzugewinnen: "Lasst Euch nicht durch Wahlversprechungen, lasst Euch nicht durch Stimmenkauf irren. Wer die Wende in Kärnten will, der muss SPÖ wählen", sagt er.

Niederösterreich: Kein Wechsel in Sicht

Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (Bildquelle: dpa)
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Sitzt fest im Sattel: Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll

In Niederösterreich, dem bevölkerungsreichsten Bundesland, geht niemand von einem Wechsel aus. Erwin Pröll, ÖVP, regiert dort im Stil eines Landesfürsten seit zwei Jahrzehnten - die Frage ist nur, ob er erneut die 50-Prozent-Marke schafft. Wenn sich Pröll im Wahlkampf überhaupt mit Gegnern beschäftigt hat, dann mit Frank Stronach: "Da tritt einer für den Landtag an, aber er sagt gleich: Einziehen in den Landtag will ich nicht. Dieser Mann war nie da, damals nicht, jetzt nicht, und morgen wird er auch nicht da sein, weil er am 4. März, meine lieben Freunde, in seinem Luxusjet sitzt und schon wieder in seine kanadische Heimat abfliegt."

Die Wahllokale schließen in Kärnten bereits um 16 Uhr, in Niederösterreich um 17 Uhr. Dann wird auch Bundeskanzler Werner Faymann, SPÖ, mit Spannung auf die Ergebnisse schauen. Denn der heutige Tag gilt als Stimmungstest für die Wahlen auf Bundesebene im September.

Dieser Beitrag lief am 03. März 2013 um 13:23 Uhr im Deutschlandfunk.

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